Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2025/76: Bundesgesetz über Cannabisprodukte (Cannabisproduktegesetz, CanPG) – Umsetzung der parlamentarischen Initiative 20.473 · 188 Seiten
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Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen
Der jährliche, direkte Umsatz des illegalen Cannabismarktes in der Schweiz wird in einer Studie aus dem Jahr 2022 auf 582 Millionen Franken geschätzt.32 Diese Schätzung basiert auf einem jährlichen Konsum von 39,3 Tonnen getrocknetem Cannabis und 16,7 Tonnen Haschisch. 60 Prozent dieser nachgefragten Menge wird von den Personen verwendet, die fast täglich Cannabis konsumieren. Dazu kommen geschätzte Kosten von 22 Millionen Franken für cannabisbedingte medizinische Behandlungen sowie von 57 Millionen Franken für die Tätigkeiten von Polizei und Justiz.33 Die Kosten für Präventionsaktivitäten oder andere Kosten von Sucht wie Erwerbsausfälle wurden nicht einberechnet. Der direkte Umsatz des illegalen Cannabismarktes ist gemäss der Studie so hoch, da durch den illegalen Handel äusserst hohe Gewinnmargen erzielt werden können. Mit zusätzlichen Modellberechnungen34 wird in der Studie aufgezeigt, dass der Umsatz des Cannabismarktes nach der Schaffung eines regulierten Marktes deutlich tiefer wäre, da die hohen Margen sinken würden. Gleichzeitig könnten durch eine Regulierung die Kosten der Tätigkeiten für Polizei und Justiz verringert und Steuereinnahmen generiert werden.
Die meisten Verstösse im Zusammenhang mit dem Konsum von Betäubungsmitteln betreffen immer noch Cannabis, der Anteil ist jedoch seit Jahren rückläufig. Gemäss der Kriminalstatistik aus dem Jahr 2024 betrafen 35,6 Prozent der Verstösse im Zusammenhang mit dem eigenen Konsum von Betäubungsmitteln den Konsum von Cannabis. Bei den zusätzlich 21,8 Prozent der Verstösse, bei denen mehrere Substanzen registriert wurden, könnte ebenfalls Cannabiskonsum vorgekommen sein. Generell sinkt seit 2015 die Zahl der polizeilich registrierten Straftraten wegen Verstössen gegen das BetmG. 2024 wurden 14,5 Prozent weniger Straftaten betreffend den Eigenkonsum verzeichnet als 2023.35 Zudem hat sich die Vollzugspraxis aufgrund Bundesgerichtsurteilen verändert.36 In Bezug auf den Cannabiskonsum im Strassenverkehr gibt es schliesslich keine spezifischen Statistiken.37
32Hoff, O. (2022): Cannabis in der Schweizer Volkswirtschaft. Ökonomische Effekte aktu-
eller und alternativer Regulierung. Zürich: Seismo.
33Die direkte Wertschöpfung des Cannabismarkts und der Aktivitäten im Bereich der Ge-
sundheit, Polizei und Justiz wird auf 0,06 Prozent des Bruttoinlandprodukts geschätzt.
34In der Studie werden drei Regulierungsmodelle betrachtet: Selbstversorgung mit Vereinen
(Cannabis Social Clubs), minimal und stark regulierter Markt.
35BFS (2025): Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Jahresbericht 2024 der polizeilich re-
gistrierten Straftaten, S. 5 und 53. In der Statistik wird von «Hanfprodukten» statt «Cannabis» gesprochen.
36Bericht in Erfüllung des Postulats 17.4076 Rechsteiner «Perspektiven der schweizeri-
schen Drogenpolitik», S. 49, abrufbar unter: www.parlament.ch > 17.4076 > Bericht in Erfüllung des parlamentarischen Vorstosses. Siehe auch BGE 6B_1273/2016, BGE
6B_274/2020 sowie BGE 6B_911/2021.
37 Siehe ASTRA (2025): Statistik der Administrativmassnahmen (ADMAS) 2024, sowie Obsan / BAG (2025): Verkehrsunfälle mit Substanzeinfluss. MonAM, Schweizer Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten.