Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2025/76: Bundesgesetz über Cannabisprodukte (Cannabisproduktegesetz, CanPG) – Umsetzung der parlamentarischen Initiative 20.473 · 188 Seiten
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nahmen abhängig. Zwar ist einerseits davon auszugehen, dass die erwartete Konsumzunahme von 0 bis 10 Prozent (vgl. Ziff. 6.4.1) zu einer erhöhten Exposition gegenüber Gesundheitsrisiken bei Konsumierenden führt. Es handelt sich dabei insbesondere um Neukonsumierende, die mit dem Cannabiskonsum gesundheitlichen Risiken eingehen. Auf der anderen Seite dürften aber die schadenmindernden Effekte der vorgesehenen Regulierung auf die Konsumierenden, die sich heute auf dem illegalen Markt versorgen, überwiegen. Klar ist, dass die Verlagerung in den legalen Markt die Exposition gegenüber Cannabisprodukten reduziert, die verunreinigt oder mit hochgefährlichen synthetischen Cannabinoiden versetzt sind. Die Regelung dürfte auch dazu führen, dass Konsumierende vermehrt risikoärmere Produkte konsumieren (z.B. aufgrund höherer Produktequalität, risikobasierter Lenkungsabgabe, Angebot von risikoärmeren Produktealternativen) und infolge diverser Massnahmen einen problematischen Konsum vermeiden oder davon abkommen. Zu nennen sind etwa Sensibilisierungsmassnahmen von Bund und Kantonen, die Beratung in Verkaufsstellen sowie ein besserer Anschluss an Früherkennung und Frühintervention und andere Suchthilfeangebote. Damit reduzieren sich Überdosierungen, Vergiftungen oder akute psychische und neurologische Symptome.
Die konkreten Auswirkungen auf die Kosten des Gesundheitswesens sind schwer einzuschätzen. Eine Studie schätzt die direkten cannabisbedingten Kosten im schweizerischen Gesundheitswesen auf jährlich 22,5 Millionen Franken.214 Nicht berücksichtig sind dabei Präventionskosten und Kosten der Langzeitfolgen des Cannabiskonsums. Ausgehend von den Erfahrungen mit Tabak ist davon auszugehen, dass die Langzeitfolgen des Rauchens von Cannabis hohe medizinische Kosten verursachen. Bei Tabak werden die medizinischen Kosten auf 3 Milliarden Franken jährlich geschätzt, wobei die Anzahl der Personen, die (fast) täglich Tabak konsumieren, rund 20-mal höher ist als die Anzahl Personen, die (fast) täglich Cannabis konsumieren.215 Gemäss RFA ist es wahrscheinlich, dass die vorgesehene Cannabisregulierung im Vergleich zum Status quo langfristig zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen führt, wenn die Konsumierenden erwartungsgemäss vermehrt auf rauchfreie Produktealternativen umsteigen.
Der Vorentwurf dürfte zu einer Reduktion der Stigmatisierung von Cannabiskonsumierenden führen, was wiederum deren psychische Gesundheit sowie soziale Situation verbessert (z.B. Verbesserung sozialer Integration, Reduktion familiärer Konflikte, weniger Diskriminierung Konsumierender auf Arbeitsmarkt und bei Wohnungssuche). Es ist wahrscheinlich, dass ein offenerer Umgang der Gesellschaft mit Cannabiskonsum zudem die Kommunikation der Risiken des Cannabiskonsums erleichtert und die Hemmschwelle für die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten bei Problemen im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum reduziert. Aus den Zwischenergebnissen des Pilotversuches «Weed Care» in Basel-Stadt ist bekannt, dass sich der kontrollierte Zugang zu Cannabis positiv auf die psychische Gesundheit der Teilnehmenden ausgewirkt hat. So reduzierten sich über die zwei Studienjahre einer-
214 Hoff, O. (2022).
215 Vgl. www.bag.admin.ch > Zahlen & Fakten: Tabak. Die Schnittmenge zwischen (fast) täglich Tabakkonsumierenden und Cannabiskonsumierenden dürfte sehr hoch sein.