Bericht Gesetz
Vernehmlassung 2005/35: Verfassungsbestimmung und Bundesgesetz über die Forschung am Menschen · 137 Seiten
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pen eingeteilt und systematisch mit unterschiedlichen Verfahren behandelt. Bei der so genannten kontrollierten Studie (auch klinischer Versuch genannt) wird eine Personengruppe mit der zu prüfenden Therapie- oder Diagnosemethode behandelt und die Resultate mit jenen der Kontrollgruppe verglichen, bei der diese Methode nicht angewendet wird9. Idealerweise werden die Personen nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt. Diese so genannten randomisierten Studien erlauben statistische Aussagen über die Wirksamkeit einer Methode im Vergleich zu einer anderen. In einer kontrollierten Studie kann z.B. eine neue mit einer bereits etablierten Therapieform oder mit einem Placebo verglichen werden. Unter einem Placebo versteht man eine unwirksame Substanz (z.B. eine aus Zucker bestehende Tablette) bzw. eine Scheinbehandlung10. Erfahrungsgemäss führen die Teilnahme an einem klinischen Versuch und die damit verbundenen Hoffnungen sowie die intensive Betreuung der Personen zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, auch wenn die betroffene Person lediglich ein Placebo erhält. Man spricht dann vom «Placebo-Effekt».
Um möglichst unverfälschte und objektive Ergebnisse zu erzielen, werden oft so genannte Blind- oder Doppelblindstudien durchgeführt. Bei diesem Studientyp weiss entweder nur die Versuchsperson, oder sowohl die Versuchsperson als auch die Ärztin bzw. der Arzt nicht, welche Behandlung sie erhält. Dadurch können die Resultate weder durch die Erwartungen der Versuchsteilnehmenden noch durch jene der Ärzteschaft beeinflusst werden. Wenn eine neue Behandlungsmethode im Vergleich zum Placebo nicht besser abschneidet, gibt es keinen Grund, die mit ihr verbundenen Risiken und Belastungen auf sich zu nehmen11.
1.3.2 Forschung mit Personen
1.3.2.1 Einleitung
Ohne Forschung mit Personen hätte das heutige hohe Niveau des medizinischen Wissens und der Behandlungsmöglichkeiten nicht erreicht werden können. Modelle (Tier-, in-vitro-, Computermodelle oder Simulatoren) können die Forschung mit Personen nicht ersetzen, weil sie auf Substanzen anders reagieren können als der physiologisch komplexe Gesamtorganismus «Mensch». Darüber hinaus gibt es physiologische Prozesse und Krankheiten, die ausschliesslich am Menschen erforscht werden können, weil sie beim Tier gar nicht auftreten oder ganz anders verlaufen. Solche Beispiele sind die menschliche Knochenentwicklung oder die Reifung der Blut-Hirnschranke bei Neugeborenen. Die Aufnahme, Verteilung und der Abbau von Substanzen im Körper kann zwischen verschiedenen Spezies oder zwischen den verschiedenen Altersphasen derselben Spezies variieren.
Der Bedarf an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird auch in Zukunft bestehen, um bessere Verfahren für schwer behandelbare Krankheiten zu entwickeln. Darüber hinaus treten
9 Klinische Versuche mit Heilmitteln werden in vier Phasen unterteilt: In Phase I wird die Verträglichkeit eines Medikaments meist an einer kleinen Gruppe gesunder Personen geprüft. In Phase II werden die Wirksamkeit und der Dosierungsbereich des Medikaments an 50-200 kranken Personen getestet. In Phase III wird die Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments an einer grossen Patientengruppe (zirka 200-10'000 Personen) untersucht. Wenn Phase III erfolgreich beendet ist, wird das Medikament zugelassen. Phase IV-Studien finden nach der Markteinführung des Medikaments statt, um z.B. seltene Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Substanzen zu erforschen.
10 Johnson AG, Surgery as a placebo, in: Lancet, 1994, 344, S. 1140 f.; Klein S, Der Placebo-Effekt – wie der Geist den Körper heilt, in: GEO, 10. Oktober 2003, S. 49.
11 Psychologische Effekte lassen sich erwiesenermassen nicht vollständig ausschalten. Studien mit Schmerzmitteln, Antidepressiva oder Blutdrucksenkern im Vergleichstest gegen Placebos zeigen, dass die Unterschiede zwischen Substanz und Placebo nicht so gross wie erwartet sind. Vgl. Bienenfeld L, The placebo effect in cardiovascular disease, in: Am Heart J, 1996, 132, S. 1207-1221.