Bericht Gesetz
Vernehmlassung 2005/35: Verfassungsbestimmung und Bundesgesetz über die Forschung am Menschen · 137 Seiten
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Bedarf an Forschung von Seiten der Notfallmedizin17. Heute werden häufig retrospektive Studien zum Vergleich unterschiedlicher Behandlungsformen durchgeführt, d.h. anhand klinischer Befunde wird die Wirksamkeit einer Behandlungsform untersucht, sobald sich die Patientinnen bzw. Patienten nicht mehr in der akuten Notfallsituation befinden.
Forschung mit Gefangenen
Aus wissenschaftlicher Sicht ist Forschung mit Inhaftierten dann von Interesse, wenn das Auftreten einer Krankheit durch die besondere Situation, in der sich diese Personen befinden, stark begünstigt wird (z.B. Hepatitis, HIV, Tuberkulose), oder wenn die wissenschaftliche Fragestellung die spezielle Gefängnissituation betrifft (z.B. Krankheitsübertragung in der besonderen räumlichen Situation). Das Suchtverhalten und die medizinische Betreuung von suchtkranken Inhaftierten werden regelmässig wissenschaftlich beobachtet. So gibt es z.B. verschiedene Forschungsprojekte zur Abgabe von Narkotika und Spritzen in Gefängnissen18. Psychiatrische und psychologische Forschung verfolgt häufig das Ziel, mögliche Zusammenhänge zwischen dem psychischen Gesundheitszustand und der Delinquenz zu erforschen19. Darüber hinaus werden die sozialen und medizinischen Haftbedingungen in Gefängnissen erforscht wie z.B. die Auswirkungen unterschiedlicher Gefängnistypen20 oder die Wirkung von Strafvollzugsmassnahmen wie der elektronischen Fessel auf die Gesundheit von Inhaftierten.
Forschung mit schwangeren Frauen und an Embryonen bzw. Föten in vivo
Manche Krankheiten sind in utero besser behandelbar als nach der Geburt, so z.B. immunologische Krankheiten, die man mittels Stammzelltherapie zu behandeln versucht. Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen diese Forschung und ihre Ziele.
Fötalchirurgie
Als Fötalchirurgie wird die operative Behandlung eines fehlgebildeten Fötus im Mutterleib bezeichnet21. Es gibt verschiedene vorgeburtliche Operationsverfahren, die sich hinsichtlich ihrer Invasivität stark voneinander unterscheiden. Das invasivste Verfahren ist die offene Fötalchirurgie: Dabei werden der Bauch und die Gebärmutter der schwangeren Frau geöffnet und der zu behandelnde Fötus nach Ablassen des Fruchtwassers freigelegt. Dieser Eingriff ist sowohl für den Fötus als auch für die schwangere Frau sehr belastend und mit grossen Risiken verbunden. Der Fötus kann dabei sterben oder zeitlebens geschädigt werden. Auch die schwangere Frau ist gefährdet22. Um die Risiken der Fötalchirurgie zu verringern, wurde in den letzten Jahren eine weniger invasive Operationstechnik entwickelt, die Fetoskopie: Dabei wird der Fötus im Bauch der Mutter operiert. Dies mit Hilfe einer Miniatur-Videokamera und chirurgischen Instrumenten, die von aussen in die Gebärmutter eingeführt werden. Die fetoskopische Operationstechnik wird z.B. zur Behandlung der Zwerchfellhernie (anomale Lungenentwicklung) oder zur Bekämpfung von fötalen Tumoren eingesetzt. Zum Hauptrisiko
17 Luger T, Ethische Aspekte der Forschung in der Notfallmedizin, in: Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung, Nr. 4, 1996.
18 Dolan K, Rutter S, Prison-based syringe exchange programmes, a review of international research and development, in: Addiction, 98 (2) 2003, S. 153-158.
19 Rösler M, Retz W u.a., Prevalence of attention deficit/hyperactive disorder (ADHD) and comorbid disorders in young male prison inmates, in: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 245 (4) 2004, S. 201-208.
20 Pizarro J, Stenius V, Supermax prisons – Their rise, current practices, and effect on inmates, in: Prison Journal, 84 (2) 2004, S. 248- 264.
21 Harrison MR et al., The Unborn Patient. The Art and Science of Fetal Therapy, Philadelphia 2001.
22 William WJB et al., Preterm Labor – The Achilles Heel of Fetal Intervention, in: Harrison MR et al., The Unborn Patient. The Art and Science of Fetal Therapy, Philadelphia 2001, S. 171-181.