Bericht Gesetz
Vernehmlassung 2005/35: Verfassungsbestimmung und Bundesgesetz über die Forschung am Menschen · 137 Seiten
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Wirksamkeit neuer Formen der Psychotherapie betrieben, indem eine Patientengruppe mit der neuen Psychotherapie behandelt wird, während die Vergleichsgruppe eine Placebo-Therapie oder gar keine Therapie erhält.
Forschung mit geistig Behinderten
Mit geistig behinderten Personen findet nur wenig klinische Forschung statt, denn ihre Grundleiden sind in der Regel nicht behandelbar. Die Forschung konzentriert sich auf die Verbesserung der Diagnose und auf die Möglichkeit der physischen und sozialen Rehabilitation und Integration der betroffenen Personengruppen. Therapeutische- und Ursachen-Forschung geschieht hier wegen kleiner Fallzahlen oft rückblickend mittels Personendaten von geistig Behinderten.
Forschung mit Neugeborenen und Kindern
Unterschiede zwischen Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen in der Reife und Aktivität der am Stoffwechsel beteiligten Organe (z.B. Leber, Niere) sowie des Nervensystems haben zur Folge, dass identische therapeutische Massnahmen bei Neugeborenen und Kindern anders wirken können als bei Erwachsenen. Generell scheiden Neugeborene Substanzen vergleichsweise langsam aus, weil ihre Nierenaktivität geringer ist. Bei Kleinkindern ist der Stoffwechsel dagegen vergleichsweise schneller, so dass manche Wirkstoffe bei ihnen sogar höher dosiert werden müssen als bei Erwachsenen.
Viele Erkrankungen sind für das Neugeborenen- und Kindesalter spezifisch wie z.B. Entwicklungsstörungen, die mit der Frühgeburt einhergehen. Andere Krankheiten verlaufen je nach Lebensalter ganz unterschiedlich, so z.B. infektiöse Kinderkrankheiten. Trotz der physiologischen Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen werden die meisten medikamentösen Behandlungsformen bis heute nur an Erwachsenen erforscht. Folge davon ist, dass viele Medikamente für Kinder nicht zugelassen sind. Mangels Alternativen verschreiben Ärztinnen und Ärzte solche Medikamente trotzdem («off-label-use») und reduzieren die Dosis in Abhängigkeit des Körpergewichts, ohne dass die Dosisreduktion in einer klinischen Studie überprüft worden wäre. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb relativ wenige Medikamente für Kinder auf dem Markt sind. Die Entwicklung spezifischer Verfahren und Medikamente ist wegen des kleinen Marktsegments für die Industrie wenig lukrativ. Ausserdem ist die Durchführung von Studien mit Kindern aufwändiger. So müssen z.B. altersgerechte medizinische Geräte verwendet werden. Die Entnahme von Blut oder Gewebe ist schwieriger, weil diese für Kinder eine grössere Belastung darstellt15.
Klinische Studien ausserhalb der Heilmittelforschung werden bei Kindern vor allem in der klinischen Psychologie und Psychiatrie durchgeführt (z.B. posttraumatische Belastungsstörungen, PTBS oder Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom, ADHS)16.
Forschung mit Personen in Notfallsituationen
Im Bereich der Notfallforschung wird überdurchschnittlich viel kasuistische (Einzelfall-) Forschung, aber wenig systematische und nachprüfbare Forschung – also wenig Forschung, die zu wissenschaftlich verlässlicheren Aussagen führt – betrieben. Entsprechend gross ist der
15 Vgl. Food and Drug Administration: http://www.fda.gov/fdac/features/2003/103_drugs.html.
16 Steinhausen HC, Drechsler R u.a., Clinical course of attention-deficit/hyperactivity disorder from childhood toward early adolescence, in: Journal of the American academy of child and adolescent psychiatry, 42 (9) 2003, S. 1085-1092.