Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2007/95: Zweite Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) · 43 Seiten
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Schon 30 Jahre früher wurde von Waibel (1976) in der Schweiz durch vergleichende Immissionsmessungen gezeigt, dass von Strassenbelägen, die Teerbitumen (bestehend aus 13 % Teer und 87 % Bitumen) als Bindemittel enthalten, durch Abriebe PAK freigesetzt werden15. Als Messstelle diente eine Nationalstrasse, die zwischen zwei Aus- fahrten einen Belagswechsel Teerasphalt/Zementbeton aufwies. Verkehrsfrequenz und Verkehrszusammensetzung sowie meteorologische Bedingungen waren also an beiden Messstellen identisch. Der Immissionsanteil des Teerasphaltabriebs betrug für Benzo[a]pyren bzw. PAK im Staubniederschlag im Sommer um 50 % und im Winter um 65 %. Der höhere Anteil im Winter wird auf zusätzliche Abriebe durch damals verwen- dete Spikes-Reifen zurückgeführt. Im Strassenabwasser ermittelte Waibel (1976) einen mittleren Immissionsanteil des Teerasphaltabriebs von 70 %.
Auch anhand von Emissionsfaktoren (EF) kann gezeigt werden, dass Abriebe teer- haltiger Beläge zur PAK-Belastung des Strassenabwassers und strassennaher Böden beitragen. Zur Illustration sind in untenstehender Tabelle EF für Benzo[a]pyren und Borneff-PAK für Reifen- und Strassenabriebe aufgeführt. Dazu wurden entsprechende EF für Gesamtstaub dem EMEP/Corinair-Handbuch entnommen16 und mit PAK-Gehalten von Reifen und Strassenbelägen verknüpft. Beim Strassenabrieb „Belag mit teerhaltigem Recyclat“ wurde von Benzo[a]pyren- und Borneff-PAK-Gehalten von 15 mg/kg und 100 mg/kg ausgegangen, wie sie heute in einem gemäss BAFU-Bauabfall-Richtlinie tolerierten Belag mit 250 mg/kg EPA-PAK vorkommen können.
Tabelle: Emissionsfaktoren (EF) für Reifen- und Strassenabriebe (PAK-Menge pro Fahrzeug-Kilometer)
Reifen mit altem Reifen mit neuem Belag mit Teer- Belag mit teer-Weichmacheröl Weichmacheröl bitumen haltigem Recyclat leichte Motor- B[a]P 0.04 μg km-1 -1 -1 -1
0.001 μg km 0.6 μg km 0.2 μg km wagen Borneff 0.4 μg km-1 0.01 μg km-1 4.5 μg km-1 1.5 μg km-1 Schwere B[a]P 0.2 μg km-1 -1 -1 -1
0.004 μg km 3 μg km 1 μg km Motorwagen Borneff 1.6 μg km-1 0.06 μg km-1 23 μg km-1 8 μg km-1 Gemischter B[a]P 0.07 μg km-1 -1 -1 -1
0.001 μg km 0.7 μg km 0.25 μg km Verkehr Borneff 0.7 μg km-1 0.03 μg km-1 5 μg km-1 2 μg km-1
Die EF für PAK aus Reifenabrieben wurden in obenstehender Tabelle mitaufgeführt, weil im Rahmen der ersten Revision der ChemRRV im Einklang mit der EG-Richtlinie 2005/69/EG, der 27. Änderung der Beschränkungsrichtlinie 76/769/EWG, in Anhang 2.9 ChemRRV der zulässige PAK-Gehalt in Fahrzeugreifen strikt limitiert wurde. PAK in Reifen sind auf die Verwendung aromatischer Mineralöle (sog. Weichmacheröle) zurückzuführen. Ziel der Regelung ist, die PAK-Einträge in die Umwelt mit Reifenabrieb zu vermindern. Die um Grössenordnungen höheren EF für PAK von teerhaltigen Deckbelägen zeigen, dass teerhaltiger Ausbauasphalt nicht für die oberste Schicht von Belägen verwertet werden sollte.
15 Waibel M.: Luft- und Gewässerverunreinigung durch 3.4-Benzpyren-haltigen Strassenabrieb. Zbl. Bakt. Hyg., I. Abt. Orig. B 163, 458-469 (1976).
16 EEA (European Environment Agency): EMEP/CORINAIR Emission Inventory Guidebook – 2006. Technical report No 11/2006 (B770-1 bis B770-24. Stand: August 2003). Borneff-PAK sind Benzo[a]pyren, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[k]fluoranthen, Indeno[1,2,3-cd]pyren, Benzo[g,h,i]perylen, Fluoranthen.