Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2007/95: Zweite Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) · 43 Seiten
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wesentlich über der unbelasteten Aussenluft22. Wird teerhaltiger Ausbauasphalt heiss verwertet, steigen die Benzo[a]pyren-Gehalte in der Atemluft wieder an. Dies zeigen auch jüngere in der Schweiz vorgenommene Messungen, bei denen die personenbezogene Exposition von Strassenbauarbeitern bestimmt wurde. Dabei wurde Asphalt mit PAK-Gehalten von 5600 mg/kg und 2300 mg/kg bezogen auf das Bindemittel bei Temperaturen von 146°C und 158°C verarbeitet. Die BAFU-Abfallrichtlinie toleriert zurzeit für die Heissverarbeitung auf das Bindemittel bezogene PAK-Gehalte von 5000 mg/kg im neu produzierten Asphalt. Die 90th-Quantile für Benzo[a]pyren betrugen 0.12 μg/m3 (0.01-0.16 μg/m3, n=14) und 0.03 μg/m3 (0.002-0.07 μg/m3, n=14) bei Verarbeitung des höher bzw. tiefer mit PAKs belasteten Asphaltmischguts23. Ähnliche Benzo[a]pyren-Gehalte wurden zwischen 1988 und 1993 bei der Verwertung von teerhaltigem Ausbauasphalt in den Niederlanden gemessen. Das geometrische Mittel betrug 0.12 μg/m3 (n=36, GSD=3.3). Wurde teerfreier Asphalt verwertet, mass man Benzo[a]pyren-Expositionen von weniger als 0.02 μg/m3 (n=14).
Die mit der Verwendung von Teerpech an verschiedenen Arbeitsplätzen verbundenen Risiken wurden kürzlich im Rahmen des EG-Altstoffprogramms abgeschätzt24. Ausgehend von einem „unit relative risk“ für Lungenkrebs von 1.2 für eine kumulative PAK-Dosis von 100 [(μg Benzo[a]pyren/m3) x Jahre] errechnen sich auch für „tiefe“ Belastungen am Arbeitsplatz im Bereich von 0.1 μg/m3 (100 ng/m3) zusätzliche Lebenszeitrisiken für Krebserkrankungen (excess lifetime risks ELR) in der Grössenordnung von 1 zu 1000, welche nach den im Altstoffprogramm festgelegten Kriterien aIs nicht akzeptierbar eingestuft werden und Risikoreduktionsmassnahmen erfordern. Der Zusammenhang zwischen dem zusätzlichen Lebenszeitrisiko für Lungenkrebs (ELRLungenkrebs) und der Konzentration von Benzo[a]pyren in der Atemluft gestaltet sich wie folgt:
ELRLungenkrebs Konz. Benzo[a]pyren
in der Luft
zwischen 1 x 10-5 und 1 x 10-41 – 10 ng/m3
zwischen 1 x 10-4 und 1 x 10-310 – 100 ng/m3
zwischen 1 x 10-3 und 1 x 10-2100 – 1000 ng/m3
Aus vorstehenden Angaben wird auch deutlich, dass es infolge des genotoxischen Potentials von Benzo[a]pyren keine Schwellenkonzentration für die Kanzerogenität gibt. Das heisst, dass eine Exposition wenn immer möglich zu vermeiden ist. Dieses Minimierungsgebot ist im Arbeits- und Unfallversicherungsgesetz verankert. Danach ist der Arbeitgeber verpflichtet, zum Schutze der Gesundheit der Arbeitnehmenden alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind. Einfache Möglichkeiten die PAK-Emissionen in der Atemluft beim Strassenbau zu senken bestehen darin,
22 Bekanntmachung des BMA vom 5. Februar 1998 – IVa 4-45206-4110 in: BArbBl. 4/1998 S. 54-61.
23 Hugener M., Emmenegger L., Mattrel P.: Zusammenhang zwischen PAK-Gehalt in teerhaltigem Recyclinggranulat und in den emittierten Dämpfen beim Wiedereinbau. VSS-FA 2000/453 (Schlussentwurf 31.8.06 FK 4)
24 European Union Risk Assessment Report: Coal tar pitch, high temperature (CAS No. 65996-93-2). Draft of July 2007 (HH). Rapporteur: The Netherlands (http://ecb.jrc.it/documents/Existing-Chemicals/RISK_ASSESSMENT/DRAFT/R323_0707_hh.pdf)