Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2007/95: Zweite Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) · 43 Seiten

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3.6 Perfluoroctansulfonate

Anh. 1.16

Die Verbreitung von perfluorierten Alkylverbindungen (perfluorinated alkylated compounts, PFC) in der Umwelt und in Biota hat in jüngster Zeit grosse Aufmerksamkeit erlangt. PFC sind sehr persistent. Einige dieser Stoffe sind bioakkumulierbar, insbesondere diejenigen mit mittlerer Länge der Kohlenstoffkette (C8-C14) und von einigen sind toxische Wirkungen bei Versuchstieren bekannt. Von besonderem Interesse aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sind perfluorierte Alkylsulfonate (PFAS) und Alkylcarboxylate (PFCA) mit einer Kettenlänge von 6 bis 15 C-Atomen. In der Umwelt und in biologischen Proben werden Perfluoroctylsulfonate (PFOS) und Perfluoroctylcarboxylate (PFOA) am häufigsten nachgewiesen. PFOS wird von den zuständigen EG-Gremien als Stoff mit PBT-Eigenschaften (persistent, bioakkumulierbar und toxisch) bewertet. PFOA hat sich im Tierversuch als sub-chronisch toxisch (Zielorgan: Leber) und reproduktionstoxisch gezeigt. Es bestehen zudem Indizien für ein kanzerogenes und ein immunotoxisches Potenzial dieses Stoffes. Für die übrigen perfluorierten Alkylverbindungen sind zurzeit sehr wenige Daten über deren Verhalten in der Umwelt und ihre (Öko-)Toxizität vorhanden.

Im OECD Programm „Risk Management and Sustainable Chemistry“ sind perfluorierte Alkylverbindungen wie PFOS, PFOA und deren Vorläufer ein Schwerpunktthema. Das Hazard Assessment der OECD für PFOS, das im Jahre 2002 publiziert wurde, kam zum Schluss, dass das Vorkommen und die Persistenz von PFOS, in Verbindung mit deren Toxizität und Potenzial zur Bioakkumulation, zur Besorgnis für die Umwelt und die menschliche Gesundheit Anlass gibt. In den Jahren 2004 und 2006 hat die OECD in den Mitgliedstaaten Erhebungen durchgeführt über Herstellung, Import und Verwendung von PFOS, PFOA und strukturell verwandten Verbindungen. Die Schweiz hat sich an diesen Erhebungen der OECD beteiligt. PFOS sind auf der OSPAR-Liste prioritärer Stoffe, für die Handlungsbedarf besteht zum Schutz der marinen Umwelt des Nordost-Atlantik. Zudem sind PFOS auf der Kandidatenliste für eine Regelung im Stockholmer Übereinkommen zu persistenten organischen Schadstoffen (Stockholm Convention on Persistent Organic Pollutants POPs). Das Übereinkommen hat zum Ziel, die Umwelteinträge solcher Stoffe zu minimieren. Die Konvention wurde von der Schweiz am 30. Juli 2003 ratifiziert und trat am 17. Mai 2004 in Kraft.

Einschränkungen für PFOS in der EU

Gestützt auf die Arbeiten der OECD sowie eine Risikobeurteilung und Risikoreduktionsstrategie der britischen Umweltbehörde hat die europäische Kommission mit der Richtlinie 2006/122/EG vom 12. Dezember 2006 weitgehende Beschränkungen vorerst für PFOS erlassen. Die Richtlinie verbietet das Inverkehrbringen und Verwenden von PFOS als Stoff oder Bestandteil von Zubereitungen sowie das Inverkehrbringen von Gegenständen wie Textilien, wenn sie Bestandteile enthalten, die mit PFOS behandelt sind. Weiterhin erlaubt bleiben PFOS in bestimmten Hilfsstoffen für fotografische Prozesse und die Galvanotechnik, Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt sowie die Verwendung bis 2011 in Feuerlöschschäumen, die vor Ende 2006 in Verkehr gebracht worden sind. Die Mitgliedsstaaten werden auch verpflichtet, bis Ende 2008 der Kommission Inventare über die verwendeten und in die Umwelt freigesetzten Mengen PFOS in