Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/10: Verordnung über den nationalen Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung · 14 Seiten

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Anhörung zum Verordnungsentwurf über den nationalen Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung

1 Ausgangslage

1.1 Schweizer Berufsbildung in einem globalen Umfeld

Die Schweiz hat ein bewährtes Berufsbildungssystem. Für zwei Drittel der Jugendlichen bietet die berufliche Grundbildung eine solide Grundlage für den beruflichen Einstieg. An die berufliche Grundbildung schliesst die höhere Berufsbildung an. Sie vermittelt spezifische Berufsqualifikationen und bereitet auf Führungs- und qualifizierte Fachfunktionen vor. Die Berufsbildung orientiert sich dabei an vom Arbeitsmarkt tatsächlich nachgefragten Berufsqualifikationen. Dieser direkte Bezug zur Arbeitswelt führt dazu, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine der tiefsten Jugendarbeitslosigkeitsquoten sowie über die gesamte Erwerbszeit eine der höchsten Erwerbsquoten aufweist. Zudem werden durch die hohe Praxisnähe die für die Wirtschaft geeigneten Fach- und Führungskräfte ausgebildet.

Ziel des vorliegenden Verordnungsentwurfes ist es, die Chancen von in der Schweiz ausgebildeten Fach- und Führungskräften bei der Stellensuche im Ausland und bei ausländischen Arbeitgebenden in der Schweiz zu verbessern. Der Wert von Schweizer Berufsbildungsabschlüssen ist im Ausland und bei ausländisch geführten Unternehmen in der Schweiz teilweise wenig bekannt. Deshalb ist es für Arbeitgebende im In- oder Ausland, die mit dem Schweizer Berufsbildungssystem nicht vertraut sind, zum Teil schwierig, die Abschlüsse von Schweizer Bewerbenden angemessen einzustufen. Die Gefahr ist gross, dass sie in der Auswahl den Fokus auf Absolventinnen und Absolventen mit bekannteren Abschlüssen wie Bachelor oder Master legen. In der Folge können Fachkräfte mit Schweizer Berufsbildungsabschlüssen bei der Stellensuche benachteiligt sein.

Der Bundesrat hat in seiner am 30. Juni 2010 verabschiedeten internationalen Strategie der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation das Ziel bekräftigt, dass die allgemeinbildenden und berufsbezogenen Bildungswege international eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung erfahren sollen. In einer Erklärung zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz haben das Eidgenössische Departement des Innern (EDI), das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) am 30. Mai 2011 dieses Vorhaben konkretisiert. Gemäss Erklärung soll die Vergleichbarkeit von Schweizer Berufsbildungsabschlüssen im internationalen Kontext sichergestellt werden. Diese Zielsetzungen bilden die Grundlage für die Ausarbeitung des nationalen Qualifikationsrahmens der

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Schweiz (NQR-CH ) und einer Vorlage für Diplomzusätze. Beide Instrumente sollen Schweizer Berufsbildungsabschlüsse international bekannter machen und als gleichwertig aber andersartig zur allgemeinen Bildung und Hochschulbildung positionieren.

1.2 Instrumente zur Stärkung der Schweizer Berufsbildung

1.2.1 Mehrwert des nationalen Qualifikationsrahmens der Schweiz und des Diplomzusatzes

Der NQR-CH und die Diplomzusätze sind Instrumente des Kopenhagen-Prozesses. Dieser ist eine europäische arbeitsmarktorientierte Strategie zur Förderung der individuellen Entwicklung, der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung und zur Steigerung der Attraktivität der Berufsbildung. Für die Umsetzung des Kopenhagen-Prozesses schlägt die Europäische Union (EU) mehrere Instrumente vor, wobei die nationalen Qualifikationsrahmen verschiedener Länder (NQR) – zusammen mit dem von der EU verabschiedeten europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) als länderübergreifende Vergleichshilfe der Abschlüsse – die Schlüsselinstrumente darstellen. Die Instrumente des Kopenhagen-Prozesses verfolgen das Ziel, die länderübergreifende Transparenz von Berufsbildungssystemen zu verbessern, um so die berufliche Mobilität zu fördern.

2 Die Abkürzungen NQR und EQR für den nationalen bzw. europäischen Qualifikationsrahmen sind im deutschsprachigen Kontext üblich. In englischsprachigen Texten wird als Abkürzung jeweils NQF (National Qualifications Framework) bzw. EQF (European Qualifications Framework) verwendet. Als Abgrenzung zur generischen Bezeichnung NQR wird der nationale Qualifikationsrahmen der Schweiz mit NQR-CH abgekürzt. 512.164/2011/07633 \ COO.2101.108.5.401466 4/14