Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2012/46: Energiestrategie 2050 · 138 Seiten

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Internationale Energieperspektiven

Im Dezember 2011 hat die EU-Kommission ihren Energiefahrplan 205045 veröffentlicht. Im Rahmen von Szenarien werden Wege zur Umstellung des Energiesystems in Richtung vermindertem Einsatz von kohlestoffhaltigen Energieträgern (Dekarbonisierung) mit dem Zeithorizont 2050 untersucht. Die Kommission kommt im Papier zum Schluss, dass die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Dekarbonisierungsszenarien Priorität hat. Zudem sei ein höherer Anteil erneuerbarer Energien über das Jahr 2020 hinaus eine Hauptvoraussetzung für ein nachhaltiges und sicheres Energiesystem. Gemäss dem Energiefahrplan deuten für 2030 «alle Dekarbonisierungszenarien darauf hin, dass der Anteil der erneuerbaren Energien auf zirka 30 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs steigt». Die EU-Kommission setzt auch auf die CO2-Abtrennung und Speicherung sowie Kernenergie als Instrumente zur Dekarbonisierung.

Die Internationale Energieagentur IEA geht in der Ausgabe des World Energy Outlook 2011 davon aus, dass selbst wenn die Staatengemeinschaft ihre energie- und klimapolitischen Vorgaben (nationale Gesetze, sowie unverbindliche Ankündigungen im Rahmen der Klimaverhandlungen und G-20) erfolgreich umsetzt, der weltweite Energieverbrauch zwischen 2010 und 2035 um 40 Prozent zunimmt (Szenario der „Neuen Energiepolitik“). Die Agentur hält in ihrem Bericht zudem fest:

− Sämtliche energiepolitischen Optionen – Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Kernkraft, CO2-Abtrennung und Speicherung – sind für das Erreichen des Ziels der „Neuen Energiepolitik“ – den langfristigen Anstieg der mittleren globalen Temperatur auf 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen – unverzichtbar. Das Zeitfenster für die Umsetzung der „Neuen Energiepolitik“ droht aber in wenigen Jahren zu verschwinden.

− Im Zeitraum 2011 bis 2035 müssen weltweit Investitionen in die Energieversorgungsinfrastruktur in Höhe von 38‘000 Milliarden Dollar getätigt werden.

− Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe ist noch lange nicht vorüber, ihre Vormachtstellung geht jedoch leicht zurück.

− Für den Energieträger Erdgas bricht das „goldene Zeitalter“ an. Bei der Hälfte der geschätzten Erdgasressourcen handelt es sich inzwischen um unkonventionelles Gas. Diese Vorkommen sind geografisch stärker diversifiziert als die konventionellen Vorkommen, was positive Auswirkungen auf die Gasversorgungssicherheit hat.

− Der Anteil der erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) an der Stromerzeugung steigt zwischen 2009 und 2035 von 3 auf 15 Prozent, gefördert durch Subventionen, deren jährliches Niveau sich um fast das Vierfache auf $250 Milliarden erhöhen wird.

− Im vergangenen Jahrzehnt wurde fast die Hälfte der Zunahme des weltweiten Energiebedarfs durch Kohle gedeckt. Ob sich dieser Trend ändert und wenn ja wie schnell, gehört zu den wichtigsten Fragen für die Zukunft der weltweiten Energiewirtschaft.

1.1.6 Die Nuklearkatastrophe von Fukushima

Am 11. März 2011 verwüsteten ein Erdbeben der Stärke 8,9 auf der Richterskala und ein darauffolgender Tsunami den Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. Davon betroffen war auch der Standort des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi mit seinen sechs Reaktoren. In

45 KOM (2011) 885