Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2013/107: Bundesgesetz über Tabakprodukte · 69 Seiten

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3. Abschnitt: Einschränkungen des Inverkehrbringens

Art. 9 Verbot bestimmter Tabakprodukte zum oralen Gebrauch

Das Verbot von Tabakprodukten zum oralen Gebrauch (z. B. Snus), das in der Schweiz seit 1995 gilt, wird inhaltlich gegenüber dem geltenden Recht nicht geändert. Was die Formulierung der Bestimmung anbelangt, dürfen diese Produkte statt weder eingeführt noch abgegeben nicht mehr «in Verkehr gebracht» werden. Damit wird die Abweichung beseitigt, die in Artikel 5 Absatz 1 TabV besteht: Während in der französischen Fassung der Begriff «Verkauf» verwendet wird, lauten die deutsche und die italienische Fassung auf «Abgabe». In der französischen Fassung der Definition der Produkte zum oralen Gebrauch wird der Ausdruck «particules fines» durch «granulat fin» ersetzt, was dem deutschen Ausdruck «feinkörniges Granulat» besser entspricht; zugleich wird damit eine Verwechslung mit Feinpartikeln im Mikro- oder gar Nanobereich vermieden, wie sie bei der Luftverschmutzung vorhanden sind. Im Übrigen bleibt die Definition gegenüber dem geltenden Recht unverändert. Die Formulierung wurde vom EU-Recht74 inspiriert, wobei das Verbot dieser Produkte in der neuen Richtlinie 2014/40/EU über Tabakprodukte vom 3. April 2014 ebenfalls nicht in Frage gestellt wurde.75

Aus wissenschaftlicher Sicht besteht kein Grund, auf Verbot von Tabakprodukten zum oralen Gebrauch zu hinterfragen, da sie eine Vielzahl von Schadstoffen, vor allem krebserzeugende Stoffe, enthalten.76 Diese Produkte verursachen nachweislich Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren- und Mundhöhlenkrebs.77 Möglicherweise kann der Konsum solcher Produkte zu weiteren Krankheiten wie Herzinfarkten führen.78 Ausserdem haben Studien gezeigt, dass die Zahl der Personen, die vom Snus- auf den Tabakkonsum umstiegen79, höher ist als in umgekehrter Richtung80. Die Zahl der Tabakkonsumierenden nimmt somit zu, ebenso wie die Krankheitslast, die mit

74 Vgl. Art. 2 Ziff. 4 der Richtlinie 2001/37/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juni 2001 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen, ABl. L 194 vom 18.7.2001, S. 26.

75 Siehe Ziff. 1.4.2

76 International Agency for Research on Cancer (2006), Smokeless Tobacco and some Tobaccospecific Nitrosamines, IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans.

77 Alguacil J., Silverman D.T. (2004), Smokeless and other Noncigarette Tobacco Use and Pancreatic Cancer: a Case-control Study based on Direct Interviews, Cancer Epidemiol Biomarkers; Boffetta P. et al. (2005), Smokeless Tobacco Use and Risk of Cancer of the Pancreas and other Organs, Int J Cancer; Boffetta P. et al. (2008), Smokeless Tobacco and Cancer, Lancet Oncol., 9, 667-675.

78 Boffetta P., Straif K. (2009), Use of Smokeless Tobacco and Risk of Myocardial Infarction and Stroke: Systematic Review with Meta-analysis, BMJ, 339, b3060.

79 Grøtvedt L., Forsen L. (2013), Patterns of Snus and Cigarette Use: a Study of Norwegian Men followed from Age 16 to 19, Tobacco Control, 22, 382-388; Mejia A.B., Ling P.M. (2010), Tobacco Industry Consumer Research on Smokeless Tobacco Users and Product Development, Am J Public Health, 100, 78-87.

80 Zhu S., Wang B. (2009), Quitting Cigarettes completely or Switching to Smokeless Tobacco: do US Data replicate the Swedish Results?Tobacco Control, 18, 82-87; Patja K. et al. (2009), Trends of Tobacco Use in Sweden and Finland: do Differences in Tobacco Policy relate to Tobacco Use? Scand J Public Health, 37, 153-160.