Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2013/17: Totalrevision des Gütertransportgesetzes; Gesamtkonzeption zur Förderung des Schienengüterverkehrs in der Fläche · 108 Seiten
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Entwicklung der Angebote im schweizerischen Schienengüterverkehr
Der Schienengüterverkehr in der Fläche hat sich seit der ersten Bahnreform in vielfacher Hinsicht verändert. Seither wurden vermehrt neue Angebote des kombinierten Verkehrs entwickelt. Zugleich hat sich auch der Einzelwagenladungsverkehr, der die Feinverteilung via Anschlussgleise, Freiverlade oder Logistikzentren (vgl. z.B. 'CargoDomizil') ermöglicht, seit der Bahnreform entscheidend verändert. SBB Cargo hat als führendes Unternehmen im schweizerischen EWLV die Flächenbedienung durch den Aufbau regionaler Cargo-Produktionsteams neu organisiert und die vertraglichen Beziehungen zu anderen Leistungserbringen im EWLV (z.B. den Eisenbahnunternehmen des Meterspur-Netzes) neu geregelt. Im Jahr 2005 wurde die Zahl der Bedienpunkte im Rahmen des Projekts "Fokus" erheblich reduziert. Eine weitere Redimensionierung erfolgte auf den Fahrplanwechsel 2012/13. Grundsätzlich stellt der EWLV aufgrund seiner Bündelungs- und Feinverteilungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Transporten im schweizerischen Güterverkehr weiterhin eine geeignete Lösung dar.
Der Zwang zur Weiterentwicklung und Umstrukturierung der Angebote ist auch Resultat des strukturellen Wandels, dem der Güterverkehrsmarkt in der Schweiz in den letzten Jahren unterlegen ist. Durch die Abwanderung von Produktionsstandorten der schweren Industrie fallen Transporte, die vor allem auf der Schiene abgewickelt wurden, in Teilen weg. Deswegen ist die Nachfrage von traditionell auf den Schienengüterverkehr ausgerichteten Branchen und Marktsegmenten rückläufig. Durch die zunehmende Globalisierung der Märkte nimmt zudem der Anteil der in Containern beförderten Überseefracht zu. Mit dem Ausbau der Seehäfen (z.B. Rotterdam und Antwerpen) und grösseren Containerschiffen steigt die Bedeutung sog. Hafenhinterland-Verkehre langfristig. Im Kontinentalmarkt nimmt im Zuge der Supply-Chain- und Lager-Optimierungen die Grösse der Sendungen in der Feinverteilung weiter ab, während die Anforderungen an die Flexibilität und Just-in-time Lieferungen steigen.
In Europa wird der Schienengüterverkehr im Vergleich zur Strasse ab einer Distanz von ca. 500 km allgemein als wettbewerbsfähiges Transportmittel erachtet. Mit Blick auf eine zukunftsgerichtete Verkehrspolitik hat sich die EU-Kommission in ihrem Weissbuch "Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum - Hin zu einem wettbewerbsorientierten und ressourcenschonenden Verkehrssystem"24 das Ziel gesetzt, Verkehre ab einer Transportdistanz von 300 km zu verlagern. In der Schweiz ist diese Distanz deutlich kleiner. Dank den geltenden staatlichen Rahmenbedingungen (insbesondere LSVA und Nacht- und Sonntagsfahrverbot) sowie dem höheren Preisniveau im Strassengüterverkehr beträgt heute die durchschnittliche Transportdistanz im Binnengüterverkehr rund 120 km. Je nach Branche reichen die Distanzen von 50 bis 150 km. Da die Distanzen zwischen den wichtigen Logistik- und Wirtschaftszentren der Schweiz teilweise unter 100 km liegen, müssen die Angebote zukünftig unter dem heutigen Durchschnitt des wettbewerbsfähigen und profitablen Schienengüterverkehrs erbracht
24 KOM(2011) 144 endgültig. Die Europäische Kommission formuliert auf S. 10 des Weissbuches folgendes Ziel: "30 % des Strassengüterverkehrs über 300 km sollten bis 2030 auf andere Verkehrsträger wie Eisenbahn- oder Schiffsverkehr verlagert werden, mehr als 50 % bis 2050, was durch effiziente und umweltfreundliche Güterverkehrskorridore erleichtert wird. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch eine geeignete Infrastruktur geschaffen werden."