Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2014/32: Änderung des Obligationenrechts (Aktienrecht) · 50 Seiten

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4.5 Geschlechter-Richtwerte bei börsenkotierten Aktiengesellschaften

Auch wenn die Vertretung beider Geschlechter im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung von fast allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als erstrebenswertes Ziel erachtet wird, wird die Einführung eines Geschlechter-Richtwerts bei grossen börsenkotierten Aktiengesellschaften deutlich abgelehnt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fordern die ersatzlose Streichung von Artikel 734e.225

Die gewichtigsten Argumente, die gegen Artikel 734e vorgebracht werden, sind die folgenden:

 Es werde übermässig in die Wirtschafts- und Vertragsfreiheit eingegriffen. Der Selbstregulierung sollte weiterhin eine Chance geben werden.

 Die Einführung eines Geschlechter-Richtwerts sei nicht geeignet die bestehende Problematik zu lösen (Stichwort: „Quoten-Frauen“). Je nach Zusammensetzung im Verwaltungsrat oder in der Geschäftsleitung sei sogar zu befürchten, dass wichtige Entscheidungen sich auf eine andere Hierarchiestufe verlagern würden.

 Eine Regelung im Aktienrecht könne zudem nicht zum Ziel führen, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen ausserhalb des Aktienrechts fehlen (z. B. genügend Krippenplätze).

 Es sollte eine unternehmensspezifische Diversität angestrebt werden; die Fixierung auf die eine Diversität (Geschlecht) sei abzulehnen.

 Ein vorgeschriebener Richtwert werde zu einer Verzerrung auf dem Arbeitsmarkt führen und zu einer Diskriminierung in die Gegenrichtung.

 Insbesondere auf Stufe Geschäftsleitung sei es in männerdominierten Berufen oft schwer, geeignete Kandidatinnen zu finden. Einen Richtwert für die Geschäftsleitung wäre zudem im internationalen Vergleich weitgehend ein Alleingang der Schweiz.

 Eine entsprechende Regelung habe eine administrative und finanzielle Zusatzbelastung für die Unternehmen zur Folge.

Diverse Frauenorganisationen sowie einige weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüssen die mit dem Vorentwurf angestrebte Stossrichtung. Sie verlangen jedoch mehr, insbesondere griffige Kontrollmechanismen und wirksame Sanktionen.226 Verschiedentlich werden obligatorische Quoten anstelle von unverbindlichen Richtwerten gefordert227 und die Höhe der Richtwerte wird als zu tief beurteilt228. Auch eine Ausdehnung des Anwendungsbereichs, z. B. auf sämtliche börsenkotierte und öffentliche Unternehmen sowie Unternehmen ab 250 Vollzeitstellen, wird von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlangt.229 Im Gegenzug wird von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgeschlagen die Übergangsfristen auf 10 Jahre zu verlängern.230

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer äussern sich positiv gegenüber der im Vorentwurf vorgeschlagene Konzeption.231

225 AI, S. 2; BL, S. 3; FR, S. 2; GR, S. 11; NW, S. 4; SH, S. 5; SZ, S. 1; TI, S. 2; UR; S. 2; VS, S. 2; ZG, S. 3 und S. 7; CVP, S. 4; FDP, S. 2; SVP, S. 2 und S. 4; Arbeitgeber, S. 2; Economiesuisse, S. 2; SBV, S. 2 und S. 9 f.; SGV, S. 4 und S. 9; Uni NE, S. 35; UniL, S. 33 ff.; AIHK, S. 3; CP, S 7; FDER, S. 9; HK BS/BL, S. 3; IHZ, S. 15; Scienceindustries, S. 11; SECA, S. 11; SIVG, S. 5; SMU, S. 2; SO HK, S. 7; Swiss Plastic, S. 1; Swiss Textile, S. 4; SwissHoldings, S. 11 f.; Swissmem, S. 6; Treuhand-Kammer, S. 7 f.; ZH HK, S. 8; VPAG, S. 13; VSKB, S. 10; Clariant, S. 5; Flughafen Zürich, S. 4; Kellerhals, S. 3; SUISA, S. 3; Suter, S. 2; SWIPRA, S. 5 f.; Swiss Re, S. 4; UBS, S. 8 f.; zCapital S. 2; zRating, S. 6; Zurich, S. 6.

226 FDP Frauen BE, S. 1 f; SP, S. 8; SP Frauen, S. 1; Kfmv, S. 3 f.; SGB, S. 3; Travail.Suisse, S. 2 f.; Actares, S. 6; AllianceF, S. 1; BPW, S. 2; Juristinnen, S. 2; SBLV, S. 2; Wirtschaftsfrauen, S. 1; EKF, S. 1; FJO, S. 2; Frauenzentrale, S. 1; NGONG, S. 1; SKG, S. 3; SVF, S. 1.

227 Actares, S. 6; AllianceF, S. 1; EKF, S. 1.

228 FDP Frauen BE, S. 2; SP, S. 8; SP Frauen, S. 2; Travail.Suisse, S. 3; SGB, S. 3; AllianceF, S. 1; BPW, S. 3; Wirtschaftsfrauen, S. 1; EKF, S. 2; Frauenzentrale, S. 2; NGONG, S. 2; SKG, S. 3 f.

229 FDP Frauen BE, S. 2; SP, S. 8; SP Frauen, S. 2; Travail.Suisse, S. 3; AllianceF, S. 1; BPW, S. 3; Juristinnen, S. 6; SBLV, S. 2; Wirtschaftsfrauen, S. 1; BärKarrer, S. 52; FJO, S. 2; Frauenzentrale, S. 2; NGONG, S. 2; SIX, S. 3; SKG, S. 5.

230 SP, S. 8 ; SP Frauen, S. 2 ; Travail.Suisse, S. 3 f.; AllianceF, S. 1; SBLV, S. 2; Wirtschaftsfrauen, S. 1; EKF, S. 2; Frauenzentrale, S. 3.

231 BS, S. 1; JU, S. 1; NE, S. 2; Kfmv, S. 3 f.; Kuster, S. 116; Walderwyss, S. 46.