Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2014/60: Strategie Stromnetze · 85 Seiten
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Europäischer Strommarkt und die Auswirkungen auf die Schweiz
Die Stromwirtschaft in Europa befindet sich momentan in einem grundlegenden Umbruch. Ein wichtiger Aspekt ist der starke Anstieg der installierten Leistung von Photovoltaik und Windenergie unter anderem in unseren Nachbarländern Deutschland und Italien. In den europäischen Strommärkten ist die Einspeisung erneuerbarer Energien grösser geworden und fluktuiert gleichzeitig stärker.
Speziell bei guten Witterungsverhältnissen und grosser Einspeisung von Strom aus Photovoltaikanlagen ist ein starker Rückgang der Residuallast über die Mittagszeit zu beobachten, verbunden mit einem entsprechenden Rückgang der Spitzenlastpreise. Konventionelle Kraftwerke werden dadurch aus dem Markt verdrängt. Die Veränderungen der Residuallast hat auch Auswirkungen auf den Betrieb und die Rentabilität von Pumpspeicherkraftwerken in der Schweiz, die bisher auf günstigen Stromeinkauf zum Hochpumpen in der Nacht und den Verkauf von teurem Spitzenlaststrom tagsüber ausgelegt waren. Hinzu kommen tiefe CO2- Preise, bedingt durch ein nur eingeschränkt wirksames europäisches Emissionshandelssystems. Zusammen mit der sinkenden Weltmarktnachfrage nach Kohle (aufgrund der umfassenden Förderung von Schiefergas in den USA) verdrängen Braun- und Steinkohlekraftwerke andere konventionelle Kraftwerke (speziell Gaskraftwerke) und führen zu niedrigen Grosshandelspreisen. Mit dieser Preisentwicklung gerät auch das klassische Geschäftsmodell des Stromhandels in der Schweiz unter Druck, das heisst die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Wasserkraft.
Zudem ist aufgrund der engen Vernetzung und Abhängigkeit sowie angesichts des EU-Ziels der Verwirklichung eines europäischen Strombinnenmarktes im Strombereich die gesamteuropäische Dimension entscheidend für die Versorgungssicherheit. Die Beteiligung der Schweiz in den relevanten Gremien der EU ist deshalb wichtig, namentlich in der europäischen Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER)30 und im europäischen Netzwerk der Übertragungsnetzbetreiber für Elektrizität (ENTSO-E)31.
1.1.6 Handlungsbedarf
Herausforderungen
Im Rahmen der ES 2050 haben Bundesrat und Parlament im Jahr 2011 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die nach Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer abzuschaltenden Kernkraftwerke sollen insbesondere durch erneuerbare Energien und, falls nötig, durch Importe oder fossile Kraftwerke ersetzt werden. Ausserdem unterliegt die Kraftwerksstruktur in Europa einem starken Wandel (stark zunehmende, staatlich geförderte Stromerzeugung aus
30 Agency for the Cooperation of Energy Regulators. Mehr dazu unter: <http://www.acer.europa.eu/Media/Leaflets/ACER_A5_DE.pdf>. Die Schweiz ist in dieser Behörde nicht Mitglied.
31 European Network of Transmission System Operators for Electricity. Mehr dazu unter: <https://www.entsoe.eu/>. Die Schweiz ist per Ausnahmeregelung in diesem Netzwerk dabei.