Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2014/60: Strategie Stromnetze · 85 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 12Fedlex · Erläuternder Bericht
erneuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnenmarkt)32. Um eine zunehmende Menge an dezentraler Produktion und dargebotsabhängig (witterungsabhängig) produziertem Strom aus erneuerbaren Energien in das Energieversorgungssystem zu integrieren und gleichzeitig eine weiterhin hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Flexibilität des Stromversorgungssystems als Ganzes erhöht werden. Dabei ist die erforderliche (N-1)-Sicherheit der Netze zu gewährleisten. Mittels der (N-1)-Sicherheitsprüfung (Simulation Ausfall einzelner Netzelemente) überwacht der Regelzonenbetreiber (nationale Netzgesellschaft, Swissgrid) die Belastung des Übertragungsnetzes. Ohne einen stabilen Betrieb der Stromnetze drohen Stromausfälle mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Wirtschaft. Deshalb stellen die Stromnetze im Rahmen der Umsetzung der ES 2050 ein Schlüsselelement dar.
Das schweizerische Übertragungsnetz muss den Transport der in den inländischen Produktionszentren eingespeisten Energie und der importierten Energie über längere Distanzen zu den Verbrauchszentren ausreichend und sicher gewährleisten können. Engpässe an der Grenze der Schweiz können heute unter anderem durch physische Engpässe (Transformatoren, Leitungen) innerhalb der Schweiz entstehen (nebst ungenügenden Transportmöglichkeiten der Nachbarländer). Deshalb ist es für die Schweiz unabdingbar, sowohl netz- als auch markttechnisch eng an Europa angebunden zu sein, damit die fluktuierende Einspeisung aus erneuerbaren Energien durch Importe und Exporte weiträumig kompensiert werden kann. Andererseits muss die Komplementarität der verschiedenen Kraftwerkparks gut genutzt werden können. Da der Speicherbedarf in Zukunft voraussichtlich in allen Zeitbereichen (Kurzzeitspeicherung, mittelfristige Speicherung und Langzeitspeicherung) zunehmen wird, werden die Speicher-Kapazitäten der Schweiz im Bereich der Wasserkraft noch wichtiger. Deshalb ist es von grosser Bedeutung, dass diese auf Übertragungsnetzebene angeschlossenen Speicher über eine ausreichend dimensionierte Netzinfrastruktur eingebunden werden. Auch die internationale Anbindung ist von grosser Bedeutung, da ausreichende grenzüberschreitende Kapazitäten den Stromaustausch im ENTSO-E Netz ermöglichen und damit wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen.
Zusätzlich müssen die Verteilnetze ausreichend um- und ausgebaut werden. Vermehrte Erfahrung mit der Nutzung von Mess-, Informations-, Kommunikations- und Steuerungstechnik in den Verteilnetzen ist wichtig, denn durch diese Techniken können künftig mehr erneuerbare Energien in den oberen Netzebenen transportiert werden. Im Zusammenspiel tragen diese Lösungen dazu bei, eine Vielzahl an dezentralen Einspeisungen kosteneffizient und ohne negative Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in die unterlagerten Netze und schliesslich auch in die Elektrizitätsmärkte integrieren zu können. Ausserdem sollen die erneuerbaren Energien vermehrt im Verteilnetz genutzt werden können.
In einer verstärkt dezentralen Energieversorgungsstruktur kommt dem Zusammenspiel zwischen Übertragungsnetz und den Verteilnetzen eine grössere Bedeutung zu. Die Schnittstellen, der Informationsaustausch und die Verantwortlichkeiten zwischen der nationalen Netzgesellschaft (Swissgrid) und den
32 Richtlinie 2001/77/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27.9.2001 zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnenmarkt (RES). Unter: <http://eur-lex.europa.eu/legalcontent/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32001L0077&from=EN>.