Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2015/25: Weiterentwicklung der Invalidenversicherung (IV) · 164 Seiten

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verfügt. Bei Bedarf werden noch weitere Partnerorganisationen beigezogen. In diesem Zusammenhang werden bestehende Bildungsangebote evaluiert und bei Bedarf für behandelnde Ärztinnen und Ärzte erweitert. Der Besuch solcher Veranstaltungen soll für die Rezertifizierung des Facharzttitels angerechnet werden können. Die Kosten für Fort- und Weiterbildungskurse werden von den teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten oder deren Arbeitgebern getragen. Die Umsetzung erfordert keine Anpassungen des Bundesgesetzes vom 23. Juni 200664 über die universitären Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz, MedBG) oder des Bundesgesetzes vom 18. März 201165 über die Psychologieberufe (Psychologieberufegesetz, PsyG).

Weitere Massnahmen zur Stärkung der Zusammenarbeit

Zusätzlich werden folgende Massnahmen auf Verordnungs- und Weisungsstufe umgesetzt:

- Ausrichtung der Formulare für Arztberichte auf die gesundheitlich relevanten Fragen zur betroffenen Person zur Minimierung des administrativen Aufwands der Ärzte;

- Förderung der Kontakte zwischen IV-Stellen und behandelnden Ärztinnen und Ärzten durch Informationsveranstaltungen und telefonische oder persönliche Gespräche mit den Versicherten; sowie

- Information der Ärzte über die bestehenden finanziellen Entschädigungen für Leistungen zuhanden der IV, worunter auch nicht formalisierte Arztberichte, Telefonate, externe Gespräche usw. fallen.

Mittelfristig ist zudem die Einführung einer sogenannten «Fit note» nach britischem Modell zu prüfen, wie es auch die OECD empfiehlt.66 Herkömmliche Arztzeugnisse beschränken sich auf den Beginn, die Dauer und den Grad der Arbeitsunfähigkeit, bezogen auf den bestehenden Arbeitsplatz. Eine «Fit note» würde zusätzlich über die funktionellen Auswirkungen der gesundheitlichen Einschränkung der versicherten Person sowie die verbleibenden Ressourcen Auskunft geben. Zusätzlich sollen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mögliche Anpassungen am Arbeitsplatz empfehlen können, die die Rückkehr an diesen unterstützen. Diese Angaben würden helfen, einen bestehenden Arbeitsplatz mit den nötigen Anpassungen zu erhalten oder eine geeignete Umplatzierung anzugehen. Die Ressourcenorientierung im Rahmen der «Fit note» könnte gleichzeitig die behandelnden Ärztinnen und Ärzte hinsichtlich Eingliederung sensibilisieren und die Sichtweise fördern, dass die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit auch bei eingeschränktem Gesundheitszustand möglich sein kann. Im Kanton St. Gallen ist ein ähnliches Pilotprojekt angelaufen. Ob dieses Modell auf nationaler Ebene umgesetzt werden soll und kann, muss zunächst zwischen den betroffenen Akteuren geklärt werden.

64 SR 811.11

65 SR 935.81

66 Vgl. OECD (2015): Santé mentale et insertion professionnelle. De la théorie à la pratique. Kann online auf Französisch und Englisch gelesen oder bestellt werden unter: www.ocde.org > publication > catalogue > livres > 2015.