Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2019/61: Änderung des DNA-Profil-Gesetzes · 50 Seiten

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gleichen väterlichen Linie (Vater, Söhne, Brüder etc.) unabhängig vom Verwandtschaftsgrad über alle Generationen hinweg das gleiche Y-DNA-Profil aufweisen. Mit dem Abgleich dieser Profile lassen sich somit keine Einzelpersonen identifizieren. Der spezifische Nutzen der Y-DNA-Analyse besteht vielmehr darin, (männliche) Personen einer bestimmten Ahnenlinie zuzuordnen.34

Die Erstellung von Y-DNA-Profilen gehört zum Standard-Leistungsangebot eines forensischen DNA-Labors. Die Fähigkeit hierzu ist eine der Voraussetzungen für die Akkreditierung eines solchen Labors (Art. 7 i.V.m. Art. 1 Abs. 2 DNA-Analyselabor-Verordnung EJPD). Mit der Y-DNA-Analyse werden ausschliesslich Merkmale auf dem männlichen Y-Chromosom nachgewiesen, wobei es sich bei diesen Merkmalen um dieselbe Art von Short Tandem Repeats handelt wie bei den 16 Standard-Loci.

Eine Y-DNA-Analyse wird bereits heute regelmässig vorgenommen als Ergänzung und Absicherung bei der Interpretation eines schwierigen Mischprofils. Vor allem bei Sexualdelikten, aber auch Gewalt- und Tötungsdelikten mit einem weiblichen Opfer kommt es nicht selten vor, dass die DNA des Opfers jene der männlichen Person überlagert. Es liegt somit eine Mischspur mit einem Überschuss an DNA der weiblichen Person vor, aus der sich kein Standard-DNA-Profil erstellen lässt. Hier ermöglicht es die Y-DNA-Analyse, den DNA-Anteil der männlichen Person in der Spur unabhängig von der DNA der weiblichen Person zu untersuchen und zu typisieren. Die Y-DNA-Analyse gelangt weiter bei der Identifizierung unbekannter Leichen zur Anwendung.

Analyse der mitochondrialen DNA

Die mitochondriale DNA befindet sich ausserhalb des Zellkerns in den Mitochondrien, die für die Energieversorgung einer Zelle zuständig sind. Ihre Analyse ist mit erhöhtem Aufwand verbunden.

Im Unterschied zum Y-DNA-Profil ist die Analyse der mitochondrialen DNA nicht Gegenstand der geltenden DNA-Analyselabor-Verordnung EJPD. Sie ist somit auch nicht im Leistungskatalog enthalten, den die Labors erfüllen müssen, um akkreditiert werden zu können (für diesen Katalog: Art. 2–8 i.V.m. Art. 1 Abs. 2 DNA-Analyselabor-Verordnung EJPD). Dies erklärt sich dadurch, dass im Jahr 2005, bei der erstmaligen Schaffung dieser Verordnung, solche Analysen in der Schweiz noch kaum vorgenommen wurden. Auch heute bieten unter den anerkannten DNA-Analyselabors in der Schweiz nur jene von Lausanne und Zürich die Durchführung solcher Analysen an. Bei der Verordnungsanpassung im Zuge der Schaffung des Ausführungsrechts zur vorliegenden Änderung des DNA-Profil-Gesetzes wird diese Analyseverfahren neu in den Erlass aufgenommen werden.

Im forensischen Bereich, konkret: bei der Untersuchung täterischer Spuren, gelangt die Analyse der mitochondrialen DNA nur in Ausnahmefällen zur Anwendung. Sie ist hier jedoch von ganz spezifischem Nutzen. Die mitochondriale DNA ist in jeder Zelle in grosser Zahl vorhanden. Dies hat zur Folge, dass sie sich häufig auch dann noch typisieren lässt, wenn die Kern-DNA selbst nur in ungenügender Menge oder nur schwer beschädigt (degradiert) vorhanden ist. Weist bspw. ein am Opfer sichergestelltes Haar keine Wurzel mehr auf, kann immer noch die ausserhalb des Kerns in den Mitochondrien enthaltene DNA untersucht werden. Weiter lassen sich mit der mitochondrialen DNA Verwandtschaftskonstellationen feststellen. Denn die mitochondriale DNA wird als ganzes Molekül über die mütterliche Linie vererbt, also von der Mutter an ihre Kinder (Söhne und Töchter; maternaler Erbgang). Aus diesem Grund eignet sich die Analyse der mitochondrialen DNA speziell für Geschwisterabklärungen, da Geschwister, egal ob männlich oder weiblich, von der Mutter die gleiche mitochondriale DNA vererbt erhalten. Es besitzt also eine

34 Zum Ganzen: Coquoz et al., S. 159 ff.