Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2020/45: Änderung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (Massnahmen zur Kostendämpfung - Paket 2) · 100 Seiten

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BBl 20..

Programme der Patientenversorgung

In Deutschland ist das Angebot von strukturierten Behandlungsprogrammen für chronisch kranke Menschen (Disease-Management-Programme, DMP) vorhanden. Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Krankheiten (z. B. Diabetes, Asthma, Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen) können sich bei ihrer Krankenkasse in ein solches Behandlungsprogramm einschreiben lassen. Damit werden sie über Einrichtungsgrenzen hinweg auf dem aktuellen medizinischen Forschungsstand behandelt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA; Gremium aus Vertretern der Ärzte- und Zahnärzteschaft, der gesetzlichen Krankenkassen und der Krankenhäuser) hat die Aufgabe, chronische Erkrankungen auszuwählen, die sich für ein DMP eignen, und die inhaltlichen Anforderungen an solche Programme genauer zu bestimmen. Dabei stützt er sich auf den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft, der jeweils nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin aus den vorhandenen klinischen Behandlungsleitlinien ermittelt wird. In regelmäßigen Abständen aktualisiert und evaluiert der G-BA bestehende DMP nach dem aktuellen Stand der Leitlinien.

Träger der DMP sind die gesetzlichen Krankenkassen, die sie für ihre chronisch kranken Versicherten anbieten: Sie schließen regionale Verträge mit Vertragsärztinnen und Vertragsärzten und/oder Krankenhäusern ab. Vorab prüft das Bundesversicherungsamt, ob die in der Richtlinie des G-BA festgelegten Anforderungen an ein DMP eingehalten werden – nur dann können sie vom Bundesversicherungsamt zugelassen werden. Im Jahr 2017 waren 6,8 Millionen Versicherte in einem oder mehreren DMP eingeschrieben und 9 173 Programme vom Bundesversicherungsamt zugelassen (Stand: 31. Dezember 2017).

In Österreich begann die Entwicklung von Disease-Management im Jahr 2002. In diesem Jahr wurde die Steiermärkische Gebietskrankenkasse vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger im Rahmen eines Innovationsprojekts damit beauftragt, ein österreichweites Konzept für Disease-Management für Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und dessen Implementierung zu erstellen. Die Konzeptionierung des Programms – „Therapie aktiv“ genannt – erfolgte daraufhin in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH im Jahr 2003. Das Disease-Management Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ steht derzeit in allen Bundesländern zur Verfügung.

In den Niederlanden wurde die Kooperation zwischen den verschiedenen Leistungserbringern stufenweise ausgeweitet. Shared-Care-Modelle sind den Disease-Management-Programmen vorangegangen. In diesen Modellen arbeiteten bereits auf Diabetes mellitus spezialisiertes Krankenpflegepersonal, Allgemeinmediziner und Endokrinologen mit den Patienten zusammen. Das „Maastricht“-Disease-Management-Programm bezieht sich auf alle Einwohner der Region mit Diabetes.

In Frankreich werden die Behandlungskosten für eine chronische Krankheit von der Sozialversicherung getragen. Bis 2004 war die Rolle der Krankenversicherung weitgehend passiv. 2004 wurde durch die Sozialversicherungsreform der Prozess zur Behandlung von Patienten grundlegend überarbeitet, um ihn an die Anforderungen für die Behandlung chronisch Kranker anzupassen. 2008 wurde von der sozialen Kran-