Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2020/45: Änderung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (Massnahmen zur Kostendämpfung - Paket 2) · 100 Seiten

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60% des Listenpreises festgelegt wurden.70 Bereits 2012 wurde im Rahmen einer weiteren Studie (vgl. nachfolgende Abbildung)71 festgestellt, dass in 25 von 31 untersuchten europäischen Ländern Preismodelle in Form von Rabatten und Rückerstattungen bei der Preisfestsetzung von Arzneimitteln eingesetzt werden.

In allen für den Auslandpreisvergleich berücksichtigten Referenzländern werden Preismodelle für die Preisfestsetzung angewendet. Abgesehen von Finnland und Schweden, in denen Preismodelle nur im stationären Bereich zum Tragen kommen, werden in den anderen Referenzländern die Preismodelle sowohl für die Preisfestsetzung im ambulanten als auch im stationären Bereich eingesetzt. Überwiegend kommen Preismodelle im Bereich der Onkologie, bei seltenen Krankheiten und anderen Spezialpharmazeutika im Hochpreissegment zur Anwendung.

Preismodelle werden im Ausland unterschiedlich ausgestaltet. Rabatte und Rückerstattungen werden in den meisten Ländern in individuellen, vertraulichen Verhandlungen zwischen der Zulassungsinhaberin, dem Kostenträger oder der Behörde vereinbart. Gesetzliche Grundlagen sehen in einigen Ländern eine Obergrenze für Rabatte oder Rückerstattungen vor. Seltener kommen Rahmenvereinbarungen und Ausschreibungen zur Anwendung. In Grossbritannien hat NICE (National Institute for Health and Care Excellence) die Kompetenz, sogenannte Patient Access Schemes (PAS) der Hersteller zu evaluieren. Diese PAS beinhalten Innovative-Pricing Agreements resp. Risk-Sharing Schemes.72 In Frankreich werden sogenannte Price-Volume Agreements vereinbart.73 In Deutschland werden neben Price-Volume Agreements, auch Utilisation-Cap Modelle sowie Cost-Capping Modelle vereinbart.74 Italien kennt mehrere Instrumente darunter Rabatte, Price-Volume Agreements, Performance-based Modelle und weitere.75

Abbildung: Umsetzung von Preismodellen in Europa71

70 Morgan et al. Health Policy 2017;4:354-62

71 Vogler et al. Southern Med Review 2012;5:38–46

72 Gnädinger, Value-Bases Pricing im Bereich der Arzneimittelvergütung internationale Ansätze und Implikationen für das Schweizer Preisbildungssystem, 2017

73 Stafinski et al, 2011

74 Gnädinger, a.a.O.

75 Navarria et al. 2015