Vorlage
Vernehmlassung 2021/103: Szenariorahmen 2030/2040 für die Stromnetzplanung · 33 Seiten
Fedlex · Vorlage · Seite 3Fedlex · Vorlage
Aktenzeichen: BFE-471.3-20/10
Zusammenfassung
Der energiewirtschaftliche Szenariorahmen (SZR CH) stellt für die Netzbetreiber des Übertragungsnetzes (380/220 kV, Netzebene 1) und des überregionalen Verteilnetzes (ab 36 und unter 220 kV,
Netzebene 3) eine wesentliche Grundlage dar, um ihre Netzplanung zu erarbeiten oder zu aktualisieren. Dieses neue Instrument wurde mit dem Bundesgesetz zum Um- und Ausbau der Stromnetze («Strategie Stromnetze») eingeführt und liegt nun erstmals vor. Die Vorgaben des SZR CH fliessen in die anschliessende periodische Mehrjahresplanung der Netzbetreiber ein. Der SZR CH wird alle vier Jahre überprüft und nachgeführt.
Bei der Erarbeitung des SZR CH soll sich das Bundesamt für Energie (BFE) auf die energiepolitischen Ziele des Bundes und die gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten stützen sowie das internationale Umfeld berücksichtigen. Der SZR CH wird durch den Bundesrat genehmigt und ist für Behörden zu Fragen der Elektrizitätsnetze verbindlich. Der SZR CH definiert drei Szenarien, welche die Bandbreite wahrscheinlicher energiewirtschaftlicher Entwicklungen abbilden. Jedes der drei Szenarien stützt sich auf ein energiewirtschaftliches Szenario der Energieperspektiven 2050+ (EP2050+) des BFE für die Annahmen zur Schweiz und auf ein Szenario der europäischen Übertragungsnetzbetreiber für Strom und Gas (ENTSO-E und ENTSO-G) für die Annahmen zum Ausland. Mit Blick auf die langen Planungs-, Bewilligungs- und Realisierungszyklen für Übertragungsnetze und überregionale Verteilnetze ist dabei eine grosse Bandbreite an möglichen Entwicklungen zu berücksichtigen. Zieljahre für den ersten SZR CH sind die Jahre 2030 und 2040. Alle Szenarien haben die Klimaneutralität der Schweiz bis 2050 zum Ziel.
Das Szenario 1 «Referenz» ist das «Referenzszenario» (Leitszenario), welches gemäss Stromversorgungsgesetz (StromVG) in der Netzplanung prioritär zu berücksichtigen ist. Das Szenario 2 «Divergenz» ist ein Szenario mit hohen Anforderungen an die Stromnetze und kann als «Belastungsszenario» bezeichnet werden. Das Szenario 3 «Sektorkopplung» ist demgegenüber ein «Entlastungsszenario» aus Sicht der Stromnetze im Vergleich zu den Szenarien 1 und 2.
Abbildung 1: Übersicht der 3 Szenarien des SZR CH
Das Szenario 1 «Referenz» basiert auf dem Szenario «ZERO Basis» der EP2050+ kombiniert mit der Strategievariante Erzeugung «Ausgeglichene Jahresbilanz 2050». Mit dem raschen Ausbau der inländischen Erzeugung aus erneuerbaren Energien entsteht in der Tendenz im Sommerhalbjahr ein Stromüberschuss. Im Winterhalbjahr ist nach wie vor ein Import von Strom erforderlich, doch trägt der verstärkte Ausbau zur Deckung des Stromverbrauchs im Winterhalbjahr bei. Der starke Ausbau der neuen erneuerbaren Energien, insbesondere der Photovoltaik, mit dem Ziel, bis 2050 eine ausgeglichene Jahresbilanz in der Schweiz zu erreichen, bringt Herausforderungen bei deren Integration für das Stromnetz. Für die Entwicklung in Europa wird auf das Szenario «Distributed Energy» der ENTSO abgestützt. Die vermehrt dezentrale Erzeugung führt in Europa in der Tendenz zu geringeren weiträumigen Lastflüssen. Das Szenario 2 «Divergenz» basiert auf dem Szenario «ZERO A» der EP2050+ mit einer weitgehenden Elektrifizierung des Energiesystems kombiniert mit einer Stromproduktion gemäss der Strategievariante «aktuelle Rahmenbedingungen». Die hohe Stromnachfrage in Verbindung mit einem eingeschränkten Ausbau der Stromproduktion führt zu hohen Anforderungen an die Stromnetze. Für Europa wird auf das Szenario «Global Ambition» der ENTSO referenziert mit vermehrt zentralen grossen Erzeugungsanlagen. Die damit verbundenen erhöhten weiträumigen Lastflüsse führen zu
3/33 BFE-D-433E3401/362