Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2021/35: Erwachsenenschutzrecht – Änderung des ZGB · 43 Seiten
Fedlex · Ergebnisbericht · Seite 20Fedlex · Ergebnisbericht
Ergebnisbericht Vernehmlassung: Änderung des Zivilgesetzbuches (Erwachsenenschutz)
zudem Aufgaben übernehmen, die einer Berufsbeistandsperson mangels Nähe und/oder zeit- licher Ressourcen nur erschwert möglich sind.230 Es wird aber mitunter kritisiert, dass der Ent- scheid über den Einbezug nahestehender Personen im Ermessen des Beistands bzw. der Behörde liege, ohne Pflicht, die betroffene Person davor zu konsultieren. Die Bestimmung sollte dementsprechend ergänzt werden.231 Nach einem Kanton ist diese Ergänzung hinge- gen nicht notwendig, weil sich die erwähnte Pflicht bereits aus dem Selbstbestimmungs- grundsatz nach Artikel 388 Absatz 2 ZGB ergebe.232
Von 22 Organisationen233 und 2 Privatpersonen234 wird jedoch Artikel 406 ZGB als Ganzes kritisiert. Der Wortlaut dieser Bestimmung widerspiegle das mangelnde Verständnis der Vor- gaben der BRK im Erwachsenenschutzrecht, namentlich mit Bezug auf die «unterstützte Ent- scheidfindung». Die Beiständin bzw. der Beistand sollte dementsprechend nicht «im Inte- resse der betroffenen Person» entscheiden, sondern, «soweit tunlich auf deren Meinung Rücksicht nehmen»235 oder «nach ihrem Willen und ihren Präferenzen bzw. gestützt auf die bestmögliche Interpretation des Willens und der Präferenzen»236 handeln. Artikel 406 ZGB sei vollständig neu zu formulieren.237
Informationspflicht der Beiständin bzw. des Beistands (Art. 413 Abs. 3 VE-ZGB)
Ebenfalls vor allem aus Gründen der Rechtsvereinheitlichung begrüssen 5 Kantone238 und 4 Organisationen239 die Regelung der Informationspflicht. Es wird aber auch die Frage gestellt, ob diese Informationspflicht einen Rückschritt für die Selbstbestimmung der betroffenen Per- son darstelle.240 In diesem Sinne halten andere Teilnehmende an der im geltenden Recht ausdrücklich vorgesehenen Voraussetzung der Information «soweit erforderlich zur gehörigen Erfüllung der Aufgaben» fest.241
4.3.2.4 Erleichterungen für nahestehende Personen als Beiständin oder Beistand (Art. 420
VE-ZGB)
Nach einem Kanton sei der Gliederungstitel vor Art. 420 ZGB auf «Besondere Bestimmungen für nahestehende Personen» zu ändern.242
3 Kantone243, 1 Partei244 und 26 Organisationen245 begrüssen ausdrücklich die Erweiterung des Personenkreises, für welchen Erleichterungen gewährt werden können. Daraus werde aber ein erheblicher Mehraufwand für die KESB resultieren: Zum einen, weil die KESB vorab entscheiden werden müssten, ob eine mögliche private Mandatsperson eine nahestehende
230 AvenirSocial (S, 4).
231 ATD (S. 3).
232 UR (S. 5).
233 Inclusion Handicap (S. 5), 21xInsieme (S. 3f.).
234 Maranta/Rosch (S. 8f.).
235 21xInsieme (S. 3f.).
236 Maranta/Rosch (S. 8f.).
237 Inclusion Handicap (S. 5), 21xInsieme (S. 3f.), Maranta/Rosch (S. 8f.).
238 BL (S. 2), BS (S. 3), OW, SZ (S. 1), UR (S. 5).
239 ARTISET (S. 8), AvenirSocial (S. 4), KOKES (S. 4), SVBB (S. 4).
240 FR (S. 3).
241 OW, SZ (S. 1), AvenirSocial (S. 4), KOKES (S. 4).
242 BS (S. 4).
243 BS (S. 4), OW, SZ (S. 1).
244 Die Mitte (S. 2).
245 ARTISET (S. 8f.), Avenir social (S. 4f.), FSP (S. 1), 21xInsieme (S. 4f.), KOKES (S. 5), KSG (S. 2), SVBB (S. 4).