Ergebnisbericht
Vernehmlassung 2021/97: Änderung des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (Sanierungsverfahren für natürliche Personen) · 43 Seiten
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Ergebnisbericht Vernehmlassung: Sanierungsverfahren für natürliche Personen
anderenfalls aufgehoben.340 Auch würden Kantone, welche grosszügiger bevorschussten ge- genüber anderen Kantonen benachteiligt.341 Von einem Vernehmlassungsteilnehmenden wird die Streichung der Ausnahme der Unterhaltsforderungen generell verlangt.342 Die Ausnahme sei rein politisch begründet. Schliesslich wird argumentiert, dass konkursrechtlich heute nur die Unterhaltsforderungen, die in den letzten sechs Monaten vor der Konkurseröffnung ent- standen sind, privilegiert seien (Art. 219 Abs. 4 SchKG). Die Ausnahme aller Unterhaltsforde- rungen verleihe ihnen einen neuen Sondercharakter.343
Buchstabe d und e: Der Ausnahmenkatalog gibt vor allem in Bezug auf die Rückforderun- gen für rechtmässig bezogene Sozialhilfe Anlass zu Kritik. 6 Kantone344 und 2 Parteien345 ver-
treten die Auffassung, dass auch Rückforderungen für rechtmässig bezogene Sozialhilfe
grundsätzlich von der Restschuldbefreiung erfasst sein sollten. Ein Kanton346 verlangt die Be- schränkung der Ausnahme auf Rückforderungen, die noch nicht geltend gemacht wurden,
Eine Partei347 verlangt die vertiefte Überprüfung dieser Ausnahme. Auch von den teilnehmen- den Organisationen und weiteren Interessierten wird zu einem grossen Teil die Streichung dieser Ausnahme verlangt.348 Die vorgeschlagene Ausnahme verhindere eine nachhaltige Entschuldung zahlreicher Betroffener und unterlaufe den Zweck des neuen Verfahrens.
Rechtmässig bezogene Sozialhilfe falle nicht in die gleiche Kategorie wie Bussen oder Ge- nugtuungsforderungen, Armut beruhe nicht auf einem Verschulden.349 Verschiedene Kantone sähen schon heute die Möglichkeit eines Erlasses von Rückerstattungsforderungen vor, wes- halb eine entsprechende bundesweite Regel im SchKG sinnvoll und effizient wäre.350 Es werde heute nicht allen Kantonen auf eine finanzielle Stabilisierung Rücksicht genommen, die Rückforderungen würden unterschiedlich gehandhabt.351 Zumindest solle eine Rückforderung aus späterem Erwerbseinkommen ausser Betracht fallen.352 Vereinzelt wird auch die Strei- chung der Ausnahme für unrechtmässig bezogene Sozialhilfe oder unrechtmässig bezoge- nen Leistungen der Sozialversicherungen verlangt.353 Die Ausnahmen widersprächen dem Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung.354 Der unrechtmässige Bezug werde gemäss Arti- kel 148a StGB mit einer Geldstrafe sanktioniert, welche ihrerseits von der Restschuldbefrei- ung ausgenommen werde. Die Schuldnerin bzw. der Schuldner solle nicht doppelt bestraft werden.355
340 VD (S. 7).
341 VS (S. 1).
342 CSP (S. 12 f.).
343 Allianz Gesunde Schweiz, Fachverband Sucht, Planet 13 (S. 2), Schuldenberatung Schweiz (S. 10), Stadt Zürich Schuldenprävention (S. 2), Surprise (S. 1).
344 AR (S. 2), BS (S. 7), GE (Anhang, S. 9), LU (S. 4), VD (S. 7), ZH (S. 13).
345 EAG (S. 3),
346 SO (S. 4).
347 glp (S. 2, mit dem Argument, dass das Streichen der Ausnahme ein Anreiz sein könnte, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern).
348 Allianz Gesunde Schweiz, AvenirSocial (S. 4), Budget- und Schuldenberatung Aargau-Solothurn (S. 3), Caritas Fribourg (S. 5), Caritas Jura (S. 3), Caritas Schweiz (S. 7), Caritas Vaud (S. 5), CSP (S. 11 f.), DJS (S. 5), fabe (S. 4), Fachstelle für Schuldenfragen Luzern (S. 5), Fachverband Sucht, familea (S. 3), FHNW Hochschule für Soziale Arbeit (S. 5), IG Wohnen (S. 2), KBKS (S. 8), KdSZ (S. 7), KMU- Forum (S. 2), Netzwerk Sozialer Aargau (S. 3), neustart (S. 6), Planet 13 (S. 3), Plattform Glattal (S. 4 f.), Schuldenberatung Schweiz (S. 10), Schweizerischer Gemeindeverband (S. 1), SKOS (S. 3 f.), SODK (S. 2 f.), SRK (S. 2), SSV (S. 2), Städtische Steuerkonferenz (S. 7), Stadt Zürich Schuldenprävention (S. 2), Suchthilfe Region Basel (S. 4), Surprise (S. 1), UFS (S. 7 ff.).
349 CSP (S. 11 f.).
350 AR (S. 2).
351 BS (S. 7); Caritas Schweiz (S. 7), CSP (S. 11).
352 VD (S. 8).
353 DJS (S. 5); KBKS (S. 8), KdSZ (S. 7 f.), KMU-Forum (S. 2).
354 KMU-Forum (S. 2).
355 DJS (S. 5).