Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2022/34: 21.403 n Pa. Iv. WBK-N. Überführung der Anstossfinanzierung in eine zeitgemässe Lösung · 67 Seiten

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oder Luxemburg waren es über 60 Prozent. Was die Bezahlbarkeit der Betreuungsangebote anbelangt, müssen die Eltern in keinem anderen Land einen so hohen Anteil ihres Verdienstes für die familienergänzende Kinderbetreuung aufbringen wie in der Schweiz. Erst mit dem Eintritt in den Kindergarten bzw. in die Eingangsstufe haben Kinder in der Schweiz Zugang zu kostenloser frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung.

In der Schweiz besteht aus Sicht der WBK-N in der familienergänzenden Kinderbetreuung in vier Themenfeldern Handlungsbedarf:

 Hohe Kosten der Eltern für die institutionelle Kinderbetreuung

 Angebotslücken in der familienergänzenden Kinderbetreuung

 Fehlende Abstimmung des familienergänzenden Kinderbetreuungsangebots auf die Bedürfnisse der Eltern

 Mangelhafte Qualität in der institutionellen Kinderbetreuung

3.1.1 Hohe Kosten der Eltern für die institutionelle Kinderbetreuung

In der Schweiz unterscheiden sich die Kosten der Eltern für die institutionelle Kinderbetreuung je nach Angebot, Gemeinde und Kanton beträchtlich. Diese Unterschiede sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Die Anbieter sind i.d.R. frei in der Tarifgestaltung. Die Ausgestaltung der Minimal- und Maximaltarife variiert dementsprechend stark.17 Dort, wo zusätzlich zu den Gemeinden auch die Kantone das familienergänzende Kinderbetreuungsangebot mitfinanzieren, sind die Elterntarife in der Regel tiefer. Ausserdem sorgt auch die grosse Spannweite des von den Kantonen gewährten Steuerabzugs für die Kinderdrittbetreuungskosten für relevante Unterschiede. Schliesslich beteiligen sich in einigen Kantonen zusätzlich die Arbeitgeber an der Finanzierung des familienergänzenden Kinderbetreuungsangebots (TI, GE, NE, FR, VD).18

Trotz dieser Unterschiede sind die Kinderbetreuungskosten der Eltern in der Schweiz im Durchschnitt wesentlich höher als im benachbarten Ausland. Die finanzielle Belastung der Eltern mit Kleinkindern ist in der Schweiz zwei- bis dreimal so hoch wie in den Nachbarländern. Dies liegt insbesondere daran, dass der Finanzierungsanteil der öffentlichen Hand in der Schweiz im Vergleich mit dem Ausland markant tiefer ist.19 Durchschnittlich lag der Vollkostensatz für einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte in der Deutschschweiz im Jahr 2016 bei 110 Franken

17 Ecoplan 2020: 4; Stern, Susanne / Ostrowski, Gaspard et al. (2021): Finanzierung der institutionellen Kinderbetreuung und Elterntarife, Zürich / Genf: INFRAS AG und Evaluanda AG, 56-57. Kann abgerufen werden unter: https://www.infras.ch/media/filer_public/95/62/9562da4e-f8a8-4b56-9a4b- 3c2b41683a36/studie_infras_finanzierung_institutionelle_kinderbetr_u_elterntarife_de_2 10831.pdf.

18 Stern/Ostrowski: 15.

19 Bundesrat (2015): Vollkosten und Finanzierung von Krippenplätzen im Ländervergleich. Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 13.3259 Christine Bulliard-Marbach "Krippen vergünstigen und den Sektor dynamisieren" vom 22. März 2013, 8. Kann abgerufen werden unter: https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2013/20133259/Bericht%20BR%20D.pdf.