Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2022/34: 21.403 n Pa. Iv. WBK-N. Überführung der Anstossfinanzierung in eine zeitgemässe Lösung · 67 Seiten

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3.1.3 Fehlende Abstimmung des familienergänzenden Kinderbetreuungsangebots auf die Bedürfnisse der Eltern

Die bestehenden institutionellen Betreuungsangebote entsprechen aus Sicht der WBK-N nach wie vor oftmals nicht genügend den Bedürfnissen erwerbstätiger Eltern. Gerade Eltern, die am Abend oder Wochenende arbeiten (Gesundheitswesen, Verkauf, Polizei, Hotellerie, Gastronomie usw.) oder unregelmässige Arbeitszeiten haben (z. B. Arbeit auf Abruf, Schicht- und Wochenendarbeit), finden oft kein passendes Angebot.

Mit dem Schuleintritt der Kinder stehen die Eltern vor neuen Herausforderungen: Der Stundenplan deckt sich nicht mit einem normalen Arbeitstag, und die Schulferien sind wesentlich länger als der Ferienanspruch von Arbeitnehmenden. Das führt dazu, dass die Eltern während der Schulferien oft unterschiedliche Betreuungslösungen organisieren müssen, um weiter arbeiten zu können. Schulergänzende Betreuungseinrichtungen, Ferienlager oder andere Ferienaktivitäten können das Familienbudget erheblich belasten. Im Rahmen einer Umfrage bei Eltern aus dem Jahr 2017 bemängelte mehr als ein Drittel der Befragten (38,8 %) die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten während der Schulferien.36

Zwar fördert der Bund seit 2018 Projekte von Kantonen, Gemeinden, juristischen und natürlichen Personen, welche eine bedürfnisgerechtere Ausgestaltung der Betreuungsangebote zum Ziel haben. Der Bund subventioniert allerdings lediglich die Projektkosten zu 50 Prozent während dreier Jahre. Es hat sich gezeigt, dass die Kantone und Gemeinden von diesem Angebot nur wenig Gebrauch machen.

Kein adäquates Angebot für Kinder mit Behinderungen im Vorschulalter

In der Schweiz leben schätzungsweise 9000 Kinder mit Behinderungen im Vorschulalter. Es ist davon auszugehen, dass etwa 3000 Kinder mit Behinderungen eine familienergänzende Kinderbetreuung in Anspruch nehmen würden, sofern diese verfügbar und bezahlbar wäre. Darunter sind 2250 Kinder mit leichten Behinderungen, die mit einem moderaten zusätzlichen Aufwand integriert werden könnten. Für die anderen 750 Kinder mit schweren Behinderungen wäre der Zusatzaufwand grösser.37

Aus Sicht der WBK-N ist das heutige Angebot an familienergänzender Betreuung für Kinder mit Behinderungen allerdings nicht ausreichend. Eltern von Kindern mit Behinderungen sind vielerorts auf sich allein gestellt. Sie sind von der Bereitschaft einer Kindertagesstätte abhängig, ihr Kind trotz mangelnder Ressourcen aufzuneh-

36 Bieri, Oliver / Ramsden, Alma / Felfe, Christina (2017): 56.

37 Fischer, Alex / Häfliger, Miriam / Pestalozzi, Anna (2021): Procap 2021: Familienergänzende Betreuung für Kinder mit Behinderungen. Eine Analyse der Nachfrage, des Angebots und der Finanzierungsmechanismen – für Kinder mit Behinderungen im Vorschulalter in der Schweiz. Ein Bericht von Procap Schweiz, Bereich Sozialpolitik, Olten: Procap Schweiz, 2. Kann abgerufen werden unter: https://www.procap.ch/fileadmin/files/procap/Angebote/Beratung_Information/Politik/Do wnloads/KITA/20210629_Procap_Kitabericht_2_Auflage_DE_BF_Web.pdf.