Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2022/34: 21.403 n Pa. Iv. WBK-N. Überführung der Anstossfinanzierung in eine zeitgemässe Lösung · 67 Seiten

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ausweiten und wünschen sich daher einen Ausbau der schulergänzenden Betreuungsangebote. Eine Elternbefragung des Kantons Neuenburgs hat jüngst ergeben, dass Eltern bei Schuleintritt ihres Kindes häufiger unfreiwillig ihr Pensum reduzieren als bei dessen Geburt.31

In der Schweiz besucht gut ein Drittel der Kinder unter drei Jahren ein institutionelles Kinderbetreuungsangebot. Im internationalen Vergleich entspricht dies dem europäischen Durchschnitt von 35 Prozent. Allerdings ist die Betreuungsdauer in der Schweiz deutlich geringer als in der Europäischen Union (EU). Der Anteil der unter 3-jährigen Kinder, die 30 Stunden oder mehr pro Woche institutionell betreut werden, beläuft sich in der Schweiz auf 6 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 19 Prozent in der EU.32 Bei der Beurteilung der Wirkung der familienergänzenden Betreuung auf Kinder spielt der Betreuungsumfang eine wesentliche Rolle: Die Forschung hat vor allem dann positive Auswirkungen festgestellt, wenn Kinder zwei bis drei Tage pro Woche von familienergänzenden Kinderbetreuungsangeboten profitieren können. Die Analysen von Längsschnittstudien weisen auf einen grundsätzlich positiven Zusammenhang zwischen dem Besuch einer Kindertagesstätte, den Schulleistungen und der Bildungsentwicklung von Kindern hin. Die frühkindliche Sprachförderung erweist sich als sehr wichtig für die kognitive und sprachliche Entwicklung von Kindern.33

Trotz der langjährigen Bundesbeteiligung an der Schaffung neuer Betreuungsplätze bestehen aus Sicht der WBK-N nach wie vor Angebotslücken. Besonders ausgeprägt ist der Mangel in den Agglomerationen sowie in ländlichen Gebieten. Die Evaluationen zum Impulsprogramm des Bundes zeigen, dass das bestehende Angebot an familienergänzenden Betreuungsplätzen die aktuelle Nachfrage nach wie vor nicht zu decken vermag. Rund 20 Prozent der Kinder im Vorschulalter sowie 18 Prozent der Kinder im Schulalter können trotz Bedarf der Eltern nicht im gewünschten Umfang betreut werden.34 Mütter sind besonders häufig unterbeschäftigt: Sie sind teilzeiterwerbstätig, möchten mehr arbeiten und wären für ein höheres Erwerbspensum verfügbar. Der Anteil der unterbeschäftigten Mütter mit Partner an den Erwerbspersonen beläuft sich auf 14 Prozent (Väter mit Partnerin: 1,9 Prozent), jener der alleinlebenden unterbeschäftigten Mütter auf 17 Prozent. Gründe dafür könnten organisatorische Schwierigkeiten oder fehlende Kapazitäten für die Arbeitssuche sein.35

31 Städteinitiative Bildung (2021): 7.

32 Bundesamt für Statistik (2021): 88.

33 Balthasar, Andreas / Kaplan, Caroline (2019): Whitepaper zum Engagement in der frühen Kindheit: Fokus Kind, Luzern: Interface, 5ff. Kann abgerufen werden unter: https://www.interfacepol.ch/app/uploads/2021/05/Be_JF_Engagement_Fruehe_Kindheit_d.pdf.

34 Bieri, Oliver / Ramsden, Alma / Felfe, Christina (2017): 83.

35 Bundesamt für Statistik (2021):27.