Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2022/69: Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für den Schweizer Gütertransport · 97 Seiten

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Aktenzeichen: BAV-330.0-8/1/1/3

Die Zeitplanung für die Migration in der Schweiz wird zudem auf die Planungen für Europa (durch das EDDP) abgestimmt. Hierbei besteht ein nennenswertes Risiko, dass sich der europäische Zeitplan verzögert. So soll aus Sicht der Branchenakteure – neben der parallel zu EDDP verlaufenden Migration – als Variante auch eine vorangehende Migration des Schweizer Binnennetzes in Betracht gezogen werden. Damit diese vorgezogene Migration erfolgen kann, muss jedoch ein Grundsatzbeschluss der zuständigen europäischen Gremien zur Einführung der DAK gefällt und über die notwendigen Spezifikationen auf europäischer Ebene entschieden sein. Die einzelnen Komponenten müssen definiert und zugelassen sein, damit sie in der Schweiz in Betrieb genommen werden können.

Investitionsvolumen für die Migration zur DAK

Zur Einführung der Automatisierungs- und Digitalisierungskomponenten mitsamt der DAK ist im schweizerischen Fahrzeugpark nach erster Abschätzung mit einer Gesamtinvestition von knapp 500 Millionen Franken zu rechnen. Die Gesamtsumme setzt sich folgendermassen zusammen:

je Stück in Fr. in Mio. Fr.

Zahlen Stand 22.06.2022 Anzahl Umrüstkosten Summe Wagen, leicht umrüstbar 10’600 21'000223

Wagen, schwierig umrüstbar 4’000 31'000124

Wagen, die ersetzt werden müssen 3’000 13'00039

Engineering5

Summe Wagen391

Lokomotiven, leicht umrüstbar 206 160'00033

Lokomotiven, schwierig umrüstbar 225 250'00056

Lokomotiven, die ersetzt werden müssen 89 80'0007

Engineering5

Summe Lokomotiven101

Gesamtinvestition492

Tabelle 2

Die Errechnung des mit der Migration zur DAK verbundenen Investitionsvolumens ist aktuell nur auf Abschätzungsbasis möglich. Die angegebenen Beträge sind daher noch mit höheren Unsicherheiten behaftet. Da bisher nur Kleinserien der Kupplungen verbaut wurden, ist noch keine industrielle Herstellung der Kupplungen möglich. Diese wird bei einer Anzahl von ca. einer Million benötigter Kupplungen in ganz Europa vorauszusetzen sein. Die Kosten dieser industriellen Herstellung sollten niedriger sein als die derzeitigen Preise, sind im Moment aber schwer abzuschätzen, zumal sich krisenbedingte Rohstofflieferketten und Personalmangel zusätzlich preistreibend auswirken. Die Kostenangaben für die Komponenten beruhen deshalb auf den Abschätzungen des European DAC Delivery Programme EDDP resp. von SBB Cargo.55 Die Kosten des Engineering wurden analog dem Vorgehen bei der Lärmsanierung der Schweizer Güterwagen von SBB Cargo abgeschätzt.56 Diese werden auf die einzelnen Fahrzeuge aufgeteilt.

55 Die Komponentenkosten, die für bisherige Test- und Probebetriebe anfielen (z.B. Demonstratorzug der DB AG, Probebetrieb der SBB Cargo AG im KV-Angebot im Binnenverkehr) sind nicht repräsentativ, da hierfür Einzelfertigungen respektive Kleinstserien hergestellt wurden. In ganz Europa zirkulieren ca. 450'000 Wagen. Es ist davon auszugehen, dass die Herstellungskosten der Komponenten mit einer hohen Mengenzahl und der in der Folge möglichen industriellen Fertigung sinken werden. Das EDDP European DAC Delivery Programme schätzt unter dieser Voraussetzung die Kosten umgerechnet in Schweizer Franken für die Ausrüstung mit DAK Stufe 4 in einem neu zu bauenden Wagen auf 13'000 Franken. Aufgrund der aktuellen europaweit zu beobachtenden Preisentwicklung kann dieser Betrag noch steigen. Für leicht umzurüstende Wagen wird der Aufwand auf 8'000 Franken geschätzt, für schwierig umzurüstende Wagen auf 18'000 Franken. Basis: hwh: Schlussbericht für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: «Erstellung eines Konzeptes für die EU-weite Migration eines Digitalen Automatischen Kupplungssystems(DAK) für den Schienengüterverkehr», 2020. SBB Cargo schätzt den Umbau der Lokomotiven aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Probebetrieb auf 160'000 Franken (wenn leicht umrüstbar) bis 250'000 Franken (wenn schwierig umrüstbar) ein. Vgl. SBB Cargo: Analysen SBB Cargo zur Migration Automation zu Handen BAV, 2022.

56 Vgl. ebd. 44/97 BAV-D-CC8A3401/803