Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2023/17: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2025–2028 (Kulturbotschaft) · 110 Seiten
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Vertretung der Geschlechter im Programm geachtet. Punktuell werden Projekte zum Wissensaufbau für Musikschaffende und Institutionen unterstützt.
5.2.7 Film
Ausgangslage
Dank der Unterstützung durch die öffentliche Hand verfügt die Schweiz über ein vielfältiges mehrsprachiges Filmschaffen52 und über eine lebendige Filmkultur mit zahlreichen Filmfestivals und einem breiten, jedoch schwindenden Kinoangebot. Eine wichtige Rolle für den Zugang zur Filmkultur spielen die Filmfestivals, die in allen Sprachregionen präsent sind und einen Beitrag zur Vermittlung und Promotion der Filme leisten. Schweizer Filme sind zudem regelmässig an die wichtigsten internationalen Filmfestivals eingeladen. Sie erzielen trotz einer starken Konkurrenz einen beachtlichen Marktanteil im Kino, der 2022 mit 7,1 Prozent53 vergleichbar war mit dem Marktanteil im Heimmarkt der Produktion in Ländern wie Österreich, Belgien oder Portugal.54 Und doch steht der Film- und audiovisuelle Sektor in der Schweiz vor grossen Herausforderungen.
Digitalisierung und technologische Entwicklungen
Zahlreiche technologische Entwicklungen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Produktionsprozesse für Filme effizienter und der Konsum von Filmen ausserhalb von Kinos und Festivals einfacher und zugänglicher geworden sind. Die Vervielfältigung des Filmangebots namentlich auf digitalen Kanälen führt zu einer hohen und gleichzeitig sehr diversifizierten Nachfrage nach audiovisuellen Inhalten. Die internationale Konkurrenz für den Schweizer Film hat dadurch erheblich zugenommen. Entscheidender denn je wird sein, ob und wie der lokal produzierte Film platziert wird und ein nationales oder internationales Publikum findet. Die Digitalisierung und die technologischen Entwicklungen haben deshalb nicht nur einen prägenden Einfluss auf das Konsumverhalten, sondern auch auf die Art, wie Filme in der Zukunft produziert, ausgewertet und beworben werden.
Neben den klassischen Erzählformaten haben sich auch in der Schweiz neue digitale Erzählformate wie «Virtual Reality (VR)» oder «Augmented Reality (AR)» entwickelt. Solche Formen werden unter dem Begriff «Extended Reality (XR)» zusammengefasst, der sowohl kommerzielle Anwendungen als auch künstlerische Projekte einschliesst. «XR» wird auf europäischer Ebene nicht nur über die EU-Kulturprogramme «Creative Europe», sondern auch über das EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe» finanziert. Der Bund unterstützt solche neuen Erzählformen bisher nur in der Entwicklungsphase.
Die Verlagerung des Konsums in den digitalen Raum ist dauerhaft und stellt das Geschäftsmodell der Kinos in Frage. Die heutige Vielfalt der Kinolandschaft gerät angesichts der Umwälzungen wirtschaftlich stark unter Druck. Die Finanzhilfen des Bundes an Kino- und Verleihbetriebe, die gestützt auf Vielfaltskriterien vergeben werden, sind nicht ausreichend für die Existenzsicherung von gefährdeten Betrieben. Es stellt sich die Frage nach einer Unterstützung von Kinos durch die Gemeinden, Städte und Kantone, welche das Kino als Ort der kulturellen und sozialen Begegnung stärken können.
52 BAK: Die Finanzierung der Schweizer Kinofilmproduktion 2021.
53 BAK: Facts and Figures Film 2022.
54 Marché du Film Cannes: Focus Report 2022 : Österreich 6.8%, Belgien 6.0%, Portugal 3.0%.