Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2026/51: 22.448 s Pa. Iv. Caroni. Einen Pacs für die Schweiz · 78 Seiten
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sie die Voraussetzungen zur Begründung eines PACS erfüllen (Absatz 2). Diese Pflicht ist insbesondere wichtig, damit die Notarin oder der Notar prüfen kann, ob die persönlichen Voraussetzungen nach Artikel 3 Absatz 1 gegeben sind und keine Begründungshindernisse nach Artikel 3 Absatz 2 vorliegen (vgl. die nachfolgenden Erläuterungen zur notariellen Prüfpflicht). Zu den erforderlichen Dokumenten gehören insbesondere der Identitätsnachweis sowie die Bestätigung des Zivilstandstandsamtes, aus der sich ergibt, dass keine Begründungshindernisse bestehen. Der konkrete Ort der Beurkundung richtet sich nach Massgabe des kantonalen Rechts.122
Auch der Ablauf und die Modalitäten der öffentlichen Beurkundung richten sich grundsätzlich nach dem kantonalen Recht (Art. 55 SchlT-ZGB). Allerdings haben die Kantone dabei die bundesrechtlichen Minimalanforderungen an das Beurkundungsverfahren zu erfüllen.123 Zu den Minimalanforderungen, die sich aus der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999124 (BV) ergeben (Art. 29 und 30 BV), gehört insbesondere die Ablehnungspflicht, wenn die Voraussetzungen für die Vornahme einer öffentlichen Beurkundung nicht erfüllt sind.125 Diese Pflicht umfasst gemäss Rechtsprechung und Lehre Folgendes:
– Bei jeder Beurkundung hat die Notarin oder der Notar die Erfüllung der Voraussetzungen der öffentlichen Beurkundung zu prüfen.126 Insbesondere ist auch die Prüfung der Legitimation der beteiligten Parteien erforderlich.127 Bei Beurkundung eines PACS-Vertrags gehört hierzu neben der Kontrolle der Identität der Personen128 auch die Prüfung, ob die Voraussetzungen zur Begründung eines PACS nach Artikel 3 VE-PACSG erfüllt sind. Stellt die Notarin oder der Notar fest, dass eine Voraussetzung fehlt, muss sie die Beurkundung ablehnen.129 Für die Prüfung, ob keine Begründungshindernisse nach Artikel 3 Absatz 2 vorliegen, dient die entsprechende Bestätigung des Zivilstandsamtes.
– Bei Volljährigkeit der Personen kann die Notarin oder der Notar grundsätzlich davon ausgehen, dass sie urteilsfähig sind. Besteht jedoch der kleinste Zweifel an deren Handlungsfähigkeit, hat die Notarin oder der Notar diese zu überprüfen.130
122 Siehe etwa für den Kanton Zürich § 9 und 10 der Verordnung des Obergerichtes über die Geschäftsführung der Notariate vom 23. November 1960 (Notariatsverordnung); LS 242.2.
123 BGE 133 I 259, E 2.2; Jürg Schmid/Ruth Arnet, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, Art. 457–977 ZGB und Art. 1–61 SchIT ZGB, 7. Aufl., 2023 (BSK ZGB II), N 2 zu Art.
55 SchlT-ZGB; Christian Brückner, Schweizerisches Beurkundungsrecht, Zürich 1993, Rz. 8 ff.; Bericht, Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 28 ff.
124 SR 101.
125 Siehe hierzu Bericht Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 29 und 40 ff. m.w.H.
126 Bericht Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 57 f.
127 Bericht Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 57.
128 Vgl. Bericht Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 57; Jürg Schmid/Ruth Arnet, BSK ZGB II, N 16a zu Art. 55 SchlT ZGB.
129 Vgl. Bericht Einheitliches Beurkundungsverfahren (Fn. 120), S. 57 f.
130 Siehe BGer 4A_147/2010 vom 26. Mai 2010, E. 2.2.1; Jürg Schmid/Ruth Arnet, BSK ZGB II, N 16a zu Art. 55 SchlT ZGB.