Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2007/106: Revision des Raumplanungsgesetzes · 104 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 9Fedlex · Erläuternder Bericht

- 9 -

jeweiligen Sachziele häufig schwierig gestaltet und die Mittel, die für die Erarbeitung zur Verfügung stehen, knapp sind.

Die Kritik am Inhalt des RPG hängt aber auch damit zusammen, dass sich die Herausforderungen, mit denen die Raumplanung sich konfrontiert sieht, seit 1980 markant verändert haben.

4 Veränderungen in der Raumentwicklung

Seit 1980 hat sich im Bereich der Raumentwicklung Vieles verändert: Die Städte und Agglomerationen spielen in der Schweiz heute eine viel grössere Rolle als früher (vgl. Ziff. 4.1), das theoretische Verständnis der Raumplanung hat sich weiterentwickelt (vgl. Ziff. 4.2) und die Gesetzgebung, die sich unmittelbar auf den Raum auswirkt (funktionales Raumplanungsrecht) hat an Umfang zugenommen (vgl. Ziff. 4.3.).

4.1 Städte und Agglomerationen als prägende Elemente

1970 und 1980 lebten 58% bzw. 62% der Schweizerinnen und Schweizer in Städten. Wurde damals über die Raumplanung diskutiert, waren die Städte und Agglomerationen kaum ein Thema. In noch ausgeprägterem Mass gilt dies für die Metropolen. Heute leben über 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung in Städten und Agglomerationen, und die Tendenz zu immer grösseren Metropolen nimmt zu (häufig wird denn auch bereits vom «Europa der Metropolen» gesprochen). Die Themen rund um die Städte, Agglomerationen und Metropolen sind mittlerweile sowohl in der Politik (vgl. beispielsweise die Gründung der Tripartiten Agglomerationkonferenz) als auch in der Forschung zentral geworden. Während die institutionellen Räume 1979 noch weitgehend den funktionalen Räumen entsprachen (1980 waren es noch 60 Prozent der Erwerbstätigen, die in derselben Gemeinde wohnten und arbeiteten, und der tägliche Arbeitsweg betrug durchschnittlich 9,6 Kilometer), so ist dies 2008 nicht mehr der Fall (nur noch 42 Prozent der Erwerbstätigen wohnten und arbeiteten im Jahr 2000 in derselben Gemeinde, und die tägliche Pendeldistanz ist auf 15,1 Kilometer angestiegen; dieser Trend hat sich seither noch fortgesetzt). Im Übrigen betraf die Erweiterung der funktionalen Räume nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Bereiche Ausbildung, kulturelle Aktivitäten, Freizeit usw.

Wie in allen anderen Industrieländern haben sich auch in der Schweiz die Siedlungsgebiete stark ausgedehnt. Von 1979/85 bis 1992/97 (Zahlen der Arealstatistik des Bundesamtes für Statistik) haben sich die Siedlungsflächen um 32’688 ha (d.h.

knapp einen m2 pro Sekunde) vergrössert. In diesem Zeitraum hat die bebaute Fläche von 246'409 ha auf 279'097 ha (+13,3%) zugenommen. Es ist allgemein anerkannt, dass die Siedlungsentwicklung in der Schweiz nach wie vor ein Problem darstellt und sich die Zersiedlung verstärkt und beschleunigt hat. Der Prozess der so genannten Periurbanisierung ist jedoch problematisch, und zwar sowohl mit Bezug auf die beträchtlichen Auswirkungen im Bereich des Verkehrs (Erhöhung der Wegdistanzen und vermehrte Autonutzung), als auch bezüglich der Kosten (die Infrastrukturkosten der periurbanen Gebiete sind sehr hoch).