Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2017/73: Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35 (AS 2030/35) · 95 Seiten

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AS 2030/35

Der Bundesrat wird die technologische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastrukturen aufmerksam verfolgen und in zukünftigen Ausbauschritten bereits beschlossene Ausbaumassnahmen überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Chancen neuer Technologien nutzen

Um die Potentiale neuer Technologien für die Weiterentwicklung des Bahnsystems und die Stärkung des öffentlichen Verkehrs auszuloten, hat das BAV bei der ETH Zürich eine Studie38 in Auftrag gegeben. Sie zeigt auf, welche technischen Weiterentwicklungen bei der Bahn langfristig vielversprechend und allenfalls durch den Bund zu fördern sind. Neue Technologien könnten insbesondere die Ausnutzung der Kapazität verbessern, die Effizienz beim Substanzerhalt steigern und die Anfälligkeit für Störungen mindern.

Für das System Bahn erkennt die Studie die grössten Chancen in den beiden Stossrichtungen "Automatisierung im Bahnbetrieb" und "Fortschritte bei der Erhaltung" (Unterhalt). Die Ausschöpfung des Potentials im Bereich des vollautomatischen Betriebs soll die Kosten senken, bei gleichzeitiger Verdichtung des Angebots und Erhöhung der Zuverlässigkeit auf der bestehenden Infrastruktur. Vollautomatische Systeme sind bereits heute im Einsatz, wenn auch erst in isolierten Systemen, das heisst mit einem einzigen Fahrzeugtyp, einem einzigen Betreiber und in einem sehr einfachen Netz. Die grösste Herausforderung liegt darin, bestehende Technologien von isolierten Systemen auf das gesamte Netz zu übertragen. Dieses stellt eine offene, allgemein zugängliche Infrastruktur dar, auf der viele verschiedene Fahrzeugtypen und Betreiber verkehren.

Als wichtigste Innovation beim Unterhalt gilt die Beurteilung des Zustands des Netzes in Echtzeit. Daraus ergeben sich wertvolle Informationen, um den Unterhalt vorausschauend zu planen und durchzuführen. Hier liegt die Herausforderung vor allem im Umgang mit der Menge an generierten Daten. Die zeitlich und inhaltlich sehr hohe Dichte an Informationen über die Entwicklung des Netzzustands erfordert den Einsatz komplexer Verfahren. Das neue Vorgehen eröffnet neue Perspektiven für die Früherkennung von Schäden und für den präventiven Unterhalt.

Für die Weiterentwicklung des Bahnsystems mit diesen beiden Stossrichtungen liegen die grundlegenden Technologien vor. Der Fokus ist auf die schrittweise Einführung der notwendigen Sicherungssysteme und Sensoren für die kontinuierliche Überwachung von Infrastrukturen und Rollmaterial zu legen. Diese Technologien werden beim Ersatz bestehender Anlagen eingeführt, so dass die Finanzierung im Rahmen von Erneuerungsprogrammen über die Leistungsvereinbarungen und nicht über den Ausbauschritt 2030/35 erfolgt.

2.2 Ausblick nächster Ausbauschritt

Für die Weiterentwicklung des schweizerischen Eisenbahnsystems im Sinne der rollenden Planung gilt es, die Planungsgrundlagen nach Artikel 15 KPFV zu aktualisieren. Bei Umsetzung der Variante Ausbauschritt 2030 wäre ein dritter Ausbauschritt ca. 2022 dem Parlament zu unterbreiten, bei der Variante Ausbauschritt 2035 bis ca. 2026.

Aktualisierung Langfristperspektive Bahn

Ein wichtiges Element ist die Überarbeitung der Langfristperspektive Bahn. Im Rahmen des Postulats 17.3262 Verkehrskreuz Schweiz und Vision Eisenbahnnetz wird im Hinblick auf den nächsten Ausbauschritt eine Auslegordnung erstellt werden, welche die Verbesserung des Netzes (Kapazität und Geschwindigkeit) im ganzen Land beinhaltet und Überlegungen zu alternativen technologischen Systemen für Personen- und Güterverkehr enthält sowie die intermodalen Entwicklungen inkl. verkehrsträgerübergreifender Abstimmung und den räumlichen Entwicklungszielen miteinbezieht. Zudem haben die Planungsregionen regionale Entwicklungsstrategien entworfen, die Entwicklungen über den Ausbauschritt 2030/35 hinaus vorzeichnen. So hat beispielsweise die Region Zürich ein langfristiges Bild der zukünftigen S-Bahn entworfen, die Zentralschweiz hat weiterführende Überlegungen zum Korridor Zürich–Zug–Luzern angestellt und die Nordwestschweiz hat Konzepte zum grenzüberschreitenden Regionalverkehr entwickelt. Diese regionalen Strategien sind in die gesamtschweizerische Sicht zu integrieren.

Denkbare Schwerpunkte des nächsten Ausbauschritts

Aufgrund des heutigen Kenntnisstandes und vorbehältlich der für den Ausbau zur Verfügung stehenden Mittel aus dem BIF sind folgende Schwerpunkte eines nächsten Ausbauschrittes denkbar:

 Weiterführung des Ausbaus des West-Ost-Korridors. Nach dem Einsatz von langen Doppelstockzügen auf der Linie Genf–

Bern–Zürich–St. Gallen sind Kapazitätserhöhungen insbesondere im Raum Olten–Zürich (Direktverbindung Aarau–Zürich) notwendig, da insbesondere der Güterverkehr weiter wachsen wird. Auch mit dem Ausbauschritt 2030/35 sind die Kapazitäten im Mischverkehr und mit heutiger Technologie in diesem Raum vollständig ausgeschöpft.

 Weitere Kapazitätsausbauten, wie zum Beispiel zwischen Bern–Brig (Lötschberg-Basistunnel), in der Zentralschweiz (Durch-

gangsbahnhof Luzern), Nordwestschweiz (Trinationale S-Bahn Basel) und in der Westschweiz (Lausanne–Genf). Weitere Verdichtungen im Agglomerations- und Regionalverkehr gemäss Langfristperspektive in jenen Räumen, wo nach dem Ausbauschritt 2030/35 dringender Handlungsbedarf bestehen wird.

 Fahrzeitverkürzungen auf den Transitkorridoren für den Güterverkehr sowie zwischen der West- und Ostschweiz für den Perso-

nenverkehr.

38 Technologische Weiterentwicklung des Bahnsystems (ETH Zürich 2016). siehe www.bav.admin.ch. > Aktuell > Berichte und Studien > Weitere Infrastrukturthemen