Bericht VVEA
Vernehmlassung 2021/12: Verordnungspaket Umwelt Frühling 2022 · 17 Seiten
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Verordnungspaket Umwelt Frühling 2022 Erläuternder Bericht Vernehmlassung VVEA
Feststoffen – Temperaturabhängige Differenzierung des Gesamtkohlenstoffs) ist in der einschlägigen BAFU-Vollzugshilfe4 erläutert und referenziert.
Es gibt zwölf Einträge zum TOC in der VVEA, elf davon werden hin zum relevanten TOC400 geändert. Einzig der TOC-Eintrag in Anhang 4 Ziffer 1 VVEA im Zusammenhang mit der Verwendung von Abfällen als Rohmaterial und Rohmehlkorrekturstoffe bei der Herstellung von Zement wird nicht geändert. Denn der TOC steht dort nicht in Verbindung mit der ausschlaggebenden Ablagerung von Abfällen.
4.7 Änderung der Frist (Art. 52a) – Filteraschen und -stäube
Filteraschen und -stäube aus der thermischen Behandlung von Holz, welches gemäss Anhang 5 Ziffer 31 Absatz 2 LRV nicht als Holzbrennstoff gilt, können zukünftig bis 31.12.2025 weiterhin auf den Deponietypen D und E abgelagert werden. Nach dem Stand des heutigen Wissens, können diese Filteraschen und -stäube zur Schadstoffminimierung und zur Metallentfrachtung in KVA mit dem Verfahren der sauren Wäsche mitbehandelt werden. Da zurzeit in der Schweiz die Behandlungskapazitäten für die KVA-Filteraschen schon nicht ausreichen, ist die Frist der Filteraschenbehandlung von Nichtholzbrennstoffen vom 1.11.2023 auf den 31.12.2025 zu verlängern. Dann werden die geplanten und sich im Bau befindenden Behandlungsanlagen (FLUWA) realisiert sein und können die rund 4000 Tonnen dieser zusätzlichen Filteraschen und -stäube ohne Probleme mitbehandeln.
4.8 Anpassung des Grenzwertes für Dioxine/Furane in Rückständen aus der thermi-
schen Behandlung (Anh. 5 Ziffer 3.3 und Ziffer 4.2)
Die Abfallverordnung gibt bei Verbrennungsrückständen einen Grenzwert für polychlorierte Dibenzo[1,4]dioxine (PCDD) und polychlorierte Dibenzofurane (PCDF) vor, die nachfolgend stellvertretend auch als «Dioxine» bezeichnet werden.
Die Neubildung von PCDD und PCDF (PCDD/F) im kühleren Bereich der Rauchgasreinigung einer KVA – insbesondere im relevanten Temperaturbereich zwischen 200-350°C – ist seit den 1980er-Jahren bekannt und in vielen wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Von den möglichen Bildungswegen stellen insbesondere die pre-cursor-Variante und die de novo-Synthese die für KVA massgebenden Reaktionspfade dar. Letztgenannte findet vor allem im kritischen Temperaturfenster zwischen 200-300°C statt, wie es bei KVA gegen Kesselende und im Elektrofilter vorherrscht. Da in den KVA-Filteraschen alle Bausteine zur PCDD/F Synthese in ausreichender Menge vorhanden sind, scheint die Abkühlungsrate im relevanten Temperaturfenster einer der massgebenden Faktoren für die Neubildung zu sein.
Da die Anforderungen zur energetisch effizienten Verwertung des Abfalls an eine KVA stetig zunehmen und darüber hinaus in den nächsten 5-10 Jahren mehrere Anlagen energieeffizient modernisiert bzw. neugebaut werden, wird es grössere Anpassungen an der heutigen KVA-Landschaft geben. Es wurde festgestellt, dass die im Jahr 2010 bei 25 KVAs gemessen PCDD/F-Gehalte in gewichteten Mittel bei ca. 700 ng TEQ/kg und im Jahr 2020 bei 26 beteiligten KVA bei 1000 ng TEQ/kg lagen (Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF) nach dem Stand der Technik). Diese Zunahme der PCDD/F-Konzentration ist nicht zuletzt auch auf die neuere, energieeffizientere Anlagentechnik und Fahrweise der KVAs zurückzuführen. Sollte sich der Trend bei den geplanten Um-/Neubauten fortsetzten, so muss von einem weiteren Anstieg der PCDD/F-Konzentrationen innerhalb der nächsten Jahre ausgegangen werden.
Es ist festzuhalten, dass die bis zum Inkrafttreten der VVEA am 1.1.2016, gesetzeskonforme Entsorgung von KVA-Filteraschen seit Jahren praktiziert wurde und es dabei zu keiner nachgewiesenen schädlichen Einwirkung auf Mensch und Umwelt kam. Insbesondere wurde keine
4 BAFU (Hrsg.) 2017: Messmethoden im Abfall- und Altlastenbereich. Stand 2017. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1715: 82 S. 10/17 054.10-00772/00002/00018/R114-1275