Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2023/17: Botschaft zur Förderung der Kultur in den Jahren 2025–2028 (Kulturbotschaft) · 110 Seiten

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Der Begriff der Baukultur allein macht noch keine konkrete Aussage über die angestrebte Qualität. Nur hohe baukulturelle Qualität führt zu gut gestalteten Orten, die sich den wandelnden Bedürfnissen anpassen und dabei ihre historischen Eigenarten bewahren. Wichtig ist dabei ein umfassendes Qualitätsverständnis, das sowohl die Prozesse der Planung und des Managements, wie auch die Umwelt, die wirtschaftliche Tragfähigkeit, den baulichen Kontext und die Vielfalt der Nutzung, den Charakter und die Identität sowie die Schönheit eines Ortes miteinbezieht.

Die von der Schweiz initiierten Erklärung von Davos «Für eine hohe Baukultur in Europa»73 und das Davos Qualitätssystem für Baukultur sind heute in Europa breit anerkannte Referenztexte, die unter dem Namen Davos Process in zahlreiche europäische und nationale Strategien einfliessen.

Anlässlich der im Jahr 2023 von der Schweiz organisieren zweiten Ministerkonferenz zur Baukultur gründete die Schweiz gemeinsam mit 49 anderen Partnern und in Zusammenarbeit mit dem World Economic Forum WEF die Davos Baukultur Allianz.74 Die Davos Baukultur Allianz ist ein internationales Netzwerk zur Verbesserung der Baukultur zwischen der öffentlichen Hand, der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie der Zivilgesellschaft. Die Mitglieder der Allianz engagieren sich für die Ziele und Werte der Erklärung von Davos.

Anpassungen in der Periode 2025–2028

Der Bund engagiert sich für die Fortsetzung des Davos Prozess und gewährleistet die Visibilität der Schweiz und die Wahrung ihrer Interessen. Er präsidiert die Allianz bis 2027 und setzt sich für die Erweiterung ihres Mitgliederkreises ein. Insbesondere werden in der Förderperiode 2025–2028:

– die Ergebnisse der Allianz und die Zusammenarbeit mit dem WEF per 2027 evaluiert;

– der Austausch und die Koordination der internationalen Diskussion mit den nationalen Akteuren gefördert: Der Bund bringt die thematischen Interessen der Schweiz in die Allianz ein und fördert die Reflektion und Diskussion deren Arbeitsergebnisse auf nationaler Ebene.

5.4.2 Interdepartementale Strategie Baukultur

Ausgangslage

Planen, Bauen und Erhalten des Bestands sind wesentlich von ökonomischen Faktoren bestimmt. Die Baubranche schuf im Jahr 2021 in der Schweiz 5,0 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Mit rund 331 000 erwerbstätigen Personen arbeiteten 7,1 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweizer Baubranche.75 Ihre Prozesse sind zeitlich, materiell und finanziell aufwendig und normativen und regulativen Ansprüchen unterworfen. Dabei auf hohe baukulturelle Qualität zu achten, bedeutet jedoch nicht eine zusätzliche Anforderung. Im Gegenteil ist hohe Qualität kein Kostentreiber, sondern schafft dank schlanken Verfahren, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft, Beständigkeit und Innovation sowie durchdachter

73 Davos Declaration 2018: Towards a high-quality Baukultur for Europe (www.davosdeclaration2018.ch).

74 www.davosalliance2023.ch.

75 BFS, Erwerbstätige nach Wirtschaftsabschnitten, Neuenburg 2022.