Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2023/32: Verpflichtungskredit für das Forschungsförderinstrument SWEETER (SWiss research for the EnErgy Transition and Emissions Reduction) für die Jahre 2025‒2036 · 20 Seiten
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3.2.3 Addressing Residual Emissions to Reach the Net-Zero Target
Diese Ausschreibung, die zusammen mit dem BAFU durchgeführt und Anfang 2024 publiziert werden soll, wird sich auf die Emissionen konzentrieren, die auch 2050 nur schwer vermeidbar sind, namentlich aus der Industrie (insbesondere Zementproduktion), aus der Abfallverwertung und aus der Landwirtschaft. Gemäss der langfristigen Klimastrategie sollen diese Emissionen mit CO2-Abscheidung an Anlagen und Speicherung («Carbon Capture and Storage», CCS) vermieden oder mit der dauerhaften Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre (Negativemissionstechnologien, NET) ausgeglichen werden.
3.3 Mögliche Leitthemen für zukünftige Ausschreibungen
Diskussionen mit diversen Bundesämtern, der CORE und dem OFU haben eine grosse Bandbreite von Themen aufgezeigt, die für eine erfolgreiche Umsetzung der Energie- und Klimastrategien zentral sind und wissenschaftlich aufgearbeitet werden sollten, durch die bisher geförderten Konsortien und die laufenden und geplanten Ausschreibungen aber nicht oder nicht umfassend genug behandelt werden. Diese Themen, die zum Teil auch bereits in parlamentarischen Vorstössen angesprochen wurden, umfassen u.a. Energiespeicherung und -netze,25,26 Energiegewinnung und -speicherung im Untergrund,27 Raumplanung, Digitalisierung, «smart grids»,28 lokale Energiemärkte und Netzkonvergenz, Kreislaufwirtschaft und industrielle Prozesse, «smart cities», soziale Innovationen,29,30 und die Landwirtschaft.
Die Relevanz dieser Themen für SWEETER kann durch folgende Beispiele illustriert werden: Gemäss dem Szenario ZERO Basis der Energieperspektiven 2050+ und der langfristigen Klimastrategie wird der Industriesektor 2050 für knapp 20 Prozent des Endenergieverbrauchs und für rund die Hälfte der verbleibenden Treibhausgasemissionen verantwortlich sein. Effizientere industrielle Prozesse und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft äussern sich nicht nur in einer unmittelbaren Reduktion des Energieverbrauchs und der Emissionen, sondern führen auch dazu, dass weniger Energie für den Transport und die Speicherung des abgeschiedenen CO2 verbraucht werden muss. Dadurch tragen effiziente industrielle Prozesse und die Kreislaufwirtschaft indirekt zur Versorgungssicherheit bei. Ohne ein institutionelles Abkommen mit der EU ist die Schweiz darauf angewiesen, die Versorgungssicherheit auch durch stärkere Nutzung einheimischer erneuerbarer Energien sowie deren Speicherung zu gewährleisten. Der Raumbedarf durch PV-Freiflächenanlagen und Windanlagen kann mit dem Bedarf an Acker- und Weideflächen, dem Bedürfnis nach Naherholungsräumen und Naturschutzgebieten sowie biologischen Negativemissionsansätzen in Konkurrenz stehen. Eine mit den Zielen der Energie- und Klimastrategien kompatible Raumplanung ist deshalb von grosser Wichtigkeit. Eine solche Raumplanung ist auch für die Energiegewinnung und -speicherung im Untergrund sowie für die Speicherung von CO2 im Untergrund notwendig.
Bei der Ausarbeitung der zukünftigen Ausschreibungen ist eine enge und frühzeitige Absprache mit laufenden und geplanten Forschungsprojekten und -programmen (z.B. Nationale Forschungsprogramme, Forschungs- und Förderprogramme des BFE und anderer Bundesstellen) vorgesehen, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden und Synergien zu generieren.
3.4 Bisher erreichte Resultate
Im Folgenden werden exemplarisch einige erste Resultate beschrieben. Wie zu Beginn von Ziffer 3.1 festgehalten, werden weiterreichende Resultate im Jahr 2024 erwartet.
Im Rahmen der CROSS-Aktivität (siehe Ziffer 3.1.1) wurden Annahmen und Szenarien zur zukünftigen Entwicklung des Schweizer Energiesystems harmonisiert und dokumentiert sowie Sensitivitäten von Modellaussagen bestimmt. Im Januar 2023 wurden die Resultate eines ersten Vergleichs von sechs Modellen und 15 Modellaussagen präsentiert.31 Es zeigte sich, dass Aussagen zum Gesamtstromverbrauch im Jahr 2050 recht gut übereinstimmten und dass u.a. die zukünftige Rolle von Wasserstoff noch sehr unterschiedlich beurteilt wurde. Dieser erste Vergleich bildet eine wertvolle Grundlage für die Weiterführung der CROSS-Aktivität im CoSi-Konsortium (siehe Ziffer 3.1.3).
25 Bulliard-Marbach, C. Po 22.3131. Das Potenzial von Speichertechnologien nutzen.
26 Thorens Goumaz, A. Po 22.3569. V2X- (“vehicle to grid») und Smart-Charging-Technologien. Batterien von Elektrofahrzeugen nutzen, um Energie zu speichern und Stromnetze auszugleichen.
27 Jauslin, M. S. Mo 20.4063. Schluss mit der Blackbox. Klimaschutz, Energiesicherheit und Infrastrukturnutzung dank Erforschung des Untergrunds
28 Müller-Altermatt, S. Mo 22.3166. Auf in die smarte Energie-Schweiz! Das Potenzial intelligenter Netze nutzen.
29 Fivaz, F. Ip 21.3809. Soziale Innovation. Das Stiefkind der Innovationspolitik des Bundes.
30 Chassot, I. Ip 22.4124. Gezielte Förderung sozialer Innovation. Ein neuer Ansatz ist notwendig.
31 www.sweet-cross.ch/cross-to-co-evolution/