Ergebnisbericht

Vernehmlassung 2011/101: Schweizerisches Strafgesetzbuch und Militärstrafgesetz (Umsetzung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Ausschaffung krimineller Ausländerinnen und Ausländer) · 40 Seiten

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Zum Ausweisungsautomatismus gemäss Variante 2 äusserten sich zahlreiche Teilnehmende

– die Mehrheit davon negativ.211

Dass eine Landesverweisung auch bei leichten Delikten (unbesehen der Strafhöhe oder dem Absehen von Strafe)212 und ohne Rücksicht auf den Einzelfall und die persönliche Situation des Täters213 greifen soll, wird abgelehnt. Dies widerspreche dem Verhältnismässigkeitsprinzip214, dem internationalen Recht bzw. dem (nicht zwingenden) Völker-

recht,215 den Menschenrechten216 sowie dem FZA217.

Absurd sei, dass ein Gericht, das eine bedingte Strafe, Geldstrafe oder gar Busse als

Hauptstrafe ausfälle, immer eine unbedingte Landesverweisung verhängen müsse.218 Unverhältnismässig ist laut Amnesty der Ausweisungsautomatismus auch bei Notwehr- oder Notstandssituationen. Dies widerspreche den Angaben des Initiativkomitees im Vorfeld der Abstimmung (einzig schwere Verbrechen führen zur Landesverweisung).219

Kritisiert wird, dass Aspekte wie die bisherige Anwesenheitsdauer, bestehende soziale Bindungen oder der Integrationsgrad einer Person nicht berücksichtigt würden.220 Weiter wird angeführt, dass bei Variante 2 mit einer Vervielfachung der Vollzugsfälle zu rechnen sei.221 Der Vollzug würde massiv überlastet.222

Ganz wenige Teilnehmende äussern sich positiv zum Ausschaffungsautomatismus. Art.

73a Abs. 2 VE-StGB stelle die Vermutung auf, dass ein Ausländer, welcher ein Katalogdelikt begangen habe, die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährde. Folge dieser Vermutung sei der Verlust des ausländerrechtlichen Status und des Aufenthaltsrechts in der Schweiz.223

1.2 Deliktskatalog

+ +/- -

TI AG, BE, NE, SG, SH, VD, ZG, ZH SVP BDP

sgv Amnesty, DJS, FIMM, KSBS, SBA, SFR, SKG, SKOS, Sosf, SSV, UNI-

GE, VKM 211 AG, BE, GL, JU, LU, NE, SG, SH, TI, UR, ZG, ZH, BDP, CVP, GPS, Amnesty, BA, Caritas, DJS, EKM, FER, FIMM, HEKS, KSBS, SAV, Secondas, SFR, SGdV, SKG, SKOS, Sosf, SSV, UNHCR, VKM. 212 AG, BE, GL, LU, NE, SH, ZG, ZH, BDP, GPS, Amnesty, Caritas, DJS, FIMM, HEKS, SFR, SGdV, SKG, SKOS, Sosf, SSV, VKM; TI: Es sei nötig, eine Mindeststrafe festzusetzen; CVP: Einem Ausschaffungsautomatismus sei nur bei schweren Delikten zuzustimmen. 213 BE, JU, LU, ZH, BDP, GPS, Amnesty, BA, Caritas, FER, HEKS, SKG; DJS: Immerhin könnten bei der Bestimmung der Dauer des Einreiseverbotes die Umstände des Einzelfalles berücksichtigt werden. 214 BE, JU, ZH, BDP, Amnesty, BA, EKM, FER, HEKS, SFR, SGdV, Sosf, UNHCR; GPS: Variante 2 sei jedoch näher am Willen der Initianten; SSV: Schon Art. 121 Abs. 2 BV gebiete die Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips; SSV: verfassungsrechtliche Grundprinzipien. 215 JU, BDP, BA, FER, HEKS. 216 FIMM, HEKS, SSV; DJS ausführlich zum Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK. 217 Amnesty, GPS; ausführlich DJS. FER, SSV: Internationale Abkommen. 218 FIMM, SFR, Sosf. 219 BE, LU, ZG, LU. 220 GL, HEKS, VKM; DJS mit Blick auf die Rechtsprechung des EGMR zu Art. 8 EMRK; HEKS und SGdV betr. Ausländer der 2. oder 3. Generation. 221 GL, NE, ZG, VKM. 222 VKM; GL: Massiver Mehraufwand. 223 SVP, sgv.