Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2012/103: Verordnungen zum neuen Epidemiengesetz vom 28. September 2012 (EpG) · 83 Seiten
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Grundlage dieses Systems sind die Meldepflichten ausgewählter übertragbarer Krankheiten zur Erfassung von klinischen und laboranalytischen Befunden (vgl. dazu auch Einleitung zu Kap. 2.2.2).
Buchstabe b: Das Sentinella-Meldesystem dient der Gewinnung epidemiologischer Daten, der Überwachung übertragbarer und anderer akuter Erkrankungen und der Forschung in der hausärztlichen Grundversorgung. In der Schweiz wurde 1986 das Netzwerk ”Sentinella” zur Überwachung häufiger übertragbarer Krankheiten geschaffen. Seither hat sich das Spektrum erhobener Themen auch auf nichtinfektiöse Krankheiten ausgedehnt. Neben spezifischen Registern, wie sie beispielsweise für Krebserkrankungen existieren, ist Sentinella somit das einzige Instrument in der Schweiz, das Einblick in das bevölkerungsweite, nicht meldepflichtige Krankheitsgeschehen und die Primärversorgung durch die Hausärzte zulässt. Das Sentinella Meldesystem umfasst 150 bis 250 Praxen der hausärztlichen Grundversorgung (Allgemeinpraktiker, Internisten und Pädiater). Die Meldungen der Krankheitsfälle erfolgen anonym. Als Konsultation gilt dabei jeder direkte Kontakt in der Praxis oder anlässlich eines Hausbesuches zwischen der Ärztin bzw. dem Arzt und einer Patientin bzw. einem Patienten. Für jedes Erkrankungsthema bestehen spezifische Meldekriterien. Jede Patientin und jeder Patient, der die betreffende Falldefinition erfüllt, wird unter Angabe von Jahrgang und Geschlecht sowie einiger weiterer themenspezifischer Variablen gemeldet. Um über einen Referenzwert (Denominator) zu verfügen, wird zusätzlich das Total aller Konsultationen gemeldet. Die erfassten Themen der impfverhütbaren Krankheiten sind Mumps, Grippe und Keuchhusten. Mumps und Influenzaverdacht werden seit 1986, Keuchhusten seit 1991 kontinuierlich erhoben, bei anderen Krankheiten und Meldethemen (z.B. Zeckenstiche) beschränkt sich die Erhebungsdauer auf ein oder zwei Jahre. Das Sentinella-Meldeprogramm wird jährlich von einer Programmkommission festgelegt, die sich aus Vertretern der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte, des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), der Kantonsärzte und der universitären Hausarztinstitute in der Schweiz zusammensetzt. Die zentrale Verarbeitung und Analyse der Daten erfolgt im BAG. Aktuelle Resultate werden wöchentlich publiziert.
Buchstabe c: Die Swiss Paediatric Surveillance Unit (SPSU) ist ein nationales Erhebungssystem zur Erfassung von seltenen pädiatrischen Krankheitsbildern und seltenen Komplikationen häufigerer Erkrankungen bei hospitalisierten Kindern in der Schweiz. Die Träger des Systems sind die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) und das BAG. Die SPSU besteht aus einem einfachen und flexiblen, aktiven Meldesystem, das einen minimalen Aufwand erfordert. Sie bezweckt, die Forschung im Bereiche seltener pädiatrischer Erkrankungen respektive Komplikationen zu erleichtern, sowie epidemiologische Abklärungen im Bereich dieser Fragestellungen und nötigenfalls schnelle Reaktionen zu ermöglichen. In der Praxis funktioniert das System wie folgt: Eine Meldekarte mit den von einem Komitee ausgewählten Fragestellungen wird monatlich an die Leiterinnen oder Leiter der 33 pädiatrischen Ausbildungskliniken verschickt. Die Erhebungen betreffen in der Regel seltene Erkrankungen oder Komplikationen häufigerer Erkrankungen, bei denen nur durch eine multizentrische, gesamtschweizerische Erhebung eine für die Studienzwecke ausreichende Fallzahl erfasst werden kann. Die befragten Pädiater müssen auf der Meldekarte bei jedem Erhebungsthema die Anzahl der im vergangenen Monat beobachteten Fälle angeben. Wurden keine Fälle beobachtet, ist dies ebenfalls anzugeben.
Buchstabe d: Zurzeit besteht in der Schweiz ein System zur Erhebung der Antibiotikaresistenzlage und des Antibiotikakonsums. Dazu sind an der Universität Bern eine Datenbank und ein Zentrum für Antibiotikaresistenzen Anresis aufgebaut worden. Anresis erhält seine Daten von 20 mikrobiologischen Labors und rund 50 Spitalapothekern. Die Daten werden seit 2008 in eine online verfügbare Datenbank integriert. Die jährlich über 100 000 Isolate mit rund 500 Bakterienarten decken 75 Prozent der Hospitalisationstage und 30 Prozent der Ärzte ab. Da sich Problemkeime wie die multiresistenten Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae immer mehr auch ausserhalb der Spitäler ausbreiten, überwacht Anresis auch die Resistenzlage im ambulanten Bereich. Anresis unterstützt die Ärztinnen und Ärzte auch bei der täglichen Arbeit. So können diese in der interaktiven Datenbank nach dem besten Antibiotikum für ihre Patienten suchen. Dies ist möglich, weil die Daten nicht nur nach Bakterien und Antibiotika analysiert werden, sondern auch nach der regionalen Resistenzlage. Bisher basier-