Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2018/79: Agrarpolitik ab 2022 · 161 Seiten

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In der Schweiz wird die Bevölkerungszahl bis 2045 voraussichtlich von 8,4 Millionen (2017) auf rund 10 Millionen25 steigen. Eine zentrale Herausforderung für den Beitrag der Schweizer Landwirtschaft an die inländische Ernährungssicherheit ist es, die landwirtschaftlich nutzbaren Böden in ihrem Umfang und ihrer Qualität bestmöglich zu erhalten. Das knappe Ackerland soll primär für die direkte menschliche Ernährung genutzt werden. Die Abhängigkeit der Agrarproduktion von nicht erneuerbaren Rohstoffen wie fossiler Energie und Phosphor ist zu reduzieren. Die Reduktion von Lebensmittelverlusten und ein verantwortungsbewusster Konsum können ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung im In- und Ausland leisten. Auch in Zukunft wird ein substanzieller Anteil der Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Lebensmitteln und des Bedarfs an landwirtschaftlichen Produktionsmitteln durch Importe zu decken sein. Es ist davon auszugehen, dass die im internationalen Vergleich hohe Kaufkraft der Schweiz bestehen bleibt und es damit weiterhin möglich sein wird, den Importbedarf zu decken. Ein guter Zugang zu den internationalen Agrarmärkten und ein breit abgestütztes Portfolio von Herkunftsländern werden für die Ernährungssicherheit auch in Zukunft wichtig sein.

1.6.5 Entwicklung der Agrarmärkte

10 Jahre nach den Preisspitzen für Nahrungsmittel in den Jahren 2007/2008 zeigt sich auf den globalen Agrarmärkten heute ein ganz anderes Bild. 2017 wurden bei allen wichtigen Produkten Rekordmengen produziert. Zusammen mit einem sich abschwächenden Nachfragewachstum führte dies zu hohen Lagerbeständen und dementsprechend sinkenden Preisen. In der näheren Zukunft erwarten OECD/FAO26, dass die Pro-Kopf-Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln stabil bleiben wird. Eine Ausdehnung der Nachfrage erfolgt hier nur durch das Wachstum der Bevölkerung. Auch die Nachfrage nach Getreide, pflanzlichen Ölen und Zucker für die Produktion von Bio-Treibstoffen wird nur noch langsam ansteigen. Erwartet wird jedoch ein steigender pro-Kopf Konsum von Zucker sowie pflanzlichen Ölen sowie für verarbeitete Lebensmittel. Stark zunehmen wird auch die Nachfrage nach Milchprodukten, vor allem Frischmilchprodukten.

Gedeckt wird die zusätzliche Nachfrage vor allem durch eine Intensivierung bzw. bessere Effizienz der Produktion in Afrika, Süd- und Ost-Asien sowie dem Nahen Osten. Gegenüber der letzten Dekade wird erwartet, dass die Produktion nur noch halb so schnell wächst. Es wird erwartet, dass diese Ausdehnung der Produktion ausreicht, um die zusätzliche Nachfrage zu decken, weshalb sich der nominal FAO-Nahrungsmittel-Preis Index stabil entwickeln wird. Eine Ausnahme ist dabei Magermilchpulver, für welches ein Preisanstieg erwartet wird. Die FAO/OECD weisen darauf hin, dass auch in der Zukunft Preisschocks wahrscheinlich sind, da sich sowohl Angebot wie auch Nachfrage nach landwirtschaftlichen Gütern sich ändernden Preisen nur langsam anpassen.

1.6.6 Technologische Entwicklung, Digitalisierung

Technologischer Fortschritt findet auf globaler und nationaler Ebene statt und wird in der Landwirtschaft in der Produktion, im Absatz und im Management angewendet. Insbesondere innovative Entwicklungen im Bereich des Smart Farming werden die Zukunft auch in der Schweiz stark beeinflussen. So werden beispielsweise intelligentere Spritzsysteme für Pflanzenschutzmittel zur Minderung von Emissionen beitragen. Fortschritte in der Pflanzen- und Tierzucht werden die Produktivität und die Ressourceneffizienz weiter steigern und Robotik-Systeme dürften vermehrt die physische Arbeit entlasten. Die Digitalisierung und gesellschaftlichen Entwicklungen eröffnen der Landwirtschaft neue Wege für neuartige kundenorientierte Produkte, Dienstleistungen und Absatzkanäle (z.B. digitale Vermarktungsplattformen). Die technologische Entwicklung kann zur höheren Attraktivität des Berufs der Landwirtin und des Landwirts beitragen, sie erhöht aber auch den Druck auf strukturelle Anpassungen in der Landwirtschaft. Bei allen Chancen, die neue Technologien mit sich bringen, dürfen jedoch auch die Risiken nicht unterschätzt werden. Insbesondere führt die Digitalisierung zu neuen Verwundbarkeiten in den Bereichen Cyberkriminalität aber auch die Abhängigkeit von stabilen Stromversorgungen und einer verlässlichen Anbindung an Kommunikationsnetze steigt stark an.

25 Gemäss BFS, 2015

26 OECD/FAO (2018), OECD-FAO Agricultural Outlook 2018-2027, OECD Publishing, Paris.