Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2020/11: Änderung der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) · 13 Seiten

Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 6Fedlex · Erläuternder Bericht

Absatz 1

Auf jeder Ebene des Gesundheitssystems müssen die Akteure (Bund, Kantone, Eidgenössische Qualitätskommission, Verbände der Leistungserbringer und der Versicherer und Leistungserbringer) dafür sorgen, dass das vorgegebene Niveau der Qualität effizient gewährleistet und kontinuierlich verbessert wird. Der Lern- beziehungsweise Verbesserungsprozess muss in Iterationen, daher unter wiederholter Anwendung des gleichen Prozesses auf bereits gewonnene Zwischenwerte, stattfinden. Zur Prozesssteuerung braucht es einen Regelkreis, beispielsweise den sogenannten Deming-Cycle7 mit den vier Quadranten „Plan-Do-Check-Act“ (PDCA-Zyklus):

 Plan (Wie soll es sein?)

 Do (Was tun die Leistungserbringer und wie? Hat die Schweiz ein Problem? Wo?)

 Check (Ist das erreichte Niveau akzeptierbar? Besteht Handlungsbedarf?)

 Act (Was ist noch zu tun? Was für Massnahmen, welche Programme?).

Auch die behördliche Ebene (Bund, Kantone) ist gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Durch eine angemessene Planung, die Festlegung der zu erreichenden Qualitätsziele sowie durch die Sicherstellung eines Regelkreises, der auf der Branchenebene Mängel erkennt und mit Massnahmen zur Qualitätsentwicklung behebt, nehmen Bund und Kantone ihre Verantwortung wahr.

Absatz 2

Die auf der Ebene der Verbände der Leistungserbringer und der Versicherer abzuschliessenden gesamtschweizerisch geltenden Verträge über die Qualitätsentwicklung (Art. 58a nKVG) sind Teil des iterativen Lernprozesses auf Branchenebene. Gleichzeitig müssen diese Qualitätsverträge selbst ein Regelkreissystem zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität der Leistungen zu Lasten der OKP sicherstellen, weil Messungen ohne Massnahmen nichts aussagen und Massnahmen ohne Messungen nicht nachvollziehbar sind.

Absatz 3

Zweckmässige Qualitätsmanagementsysteme beinhalten nicht nur den Plan-Do-Check-Act-Zyklus (PDCA-Zyklus) zur Qualitätsverbesserung, sondern auch die organisationalen Bedingungen und Fähigkeiten für die Umsetzung von Verbesserungsaktivitäten (Infrastruktur mit Datenanalytik, engagierte Führung, Vertrauenskultur, Aus- und Weiterbildung in Bezug auf Qualität und Sicherheit, Projektmanagement bei der Umsetzung von Massnahmen etc.). Diese stellen das erreichte Qualitätsniveau einschliesslich der Patientensicherheit sicher und verhindern ein Zurückfallen auf das Niveau vor der Verbesserung. Da die Patientensicherheit für die Qualität entscheidend ist und das Management der Risiken für die Patientinnen und Patienten ein prioritäres Ziel darstellt, ist das Risikomanagement ein unabdingbarer Teil eines zweckmässigen Qualitätsmanagementsystems. Dieses sollte auf die Bedürfnisse der Gesundheitsorganisation abgestimmt sein, also der Grösse des Leistungserbringers beziehungsweise der Komplexität seiner Leistungen entsprechen.

Um die Qualität der Leistungen stetig zu verbessern, gilt es, mögliche Probleme beziehungsweise Gefahren im System zu identifizieren. Dazu müssen in den Zieldimensionen Wirksamkeit, Sicherheit, Patientenzentriertheit, Rechtzeitigkeit, Effizienz, Chancengleichheit und koordinierter Versorgung Daten erhoben, analysiert und in den Kontext der erwünschten Ergebnisse beziehungsweise der Risiken unerwünschter Ergebnisse gestellt werden. Konkret erlaubt ein solches Zielsystem und die so gewonnenen Informationen eine systematische Beurteilung des Qualitätsniveaus und der Patientensicherheit (Wo haben wir ein Problem?) erreicht werden. Weiter ermöglicht ein solches Zielsystem datenbasierte Entscheide zu den Zielen, zum Handlungsbedarf hinsichtlich Zielerreichung (Sind Massnahmen erforderlich?) und zu Verbesserungsmassnahmen (Welche?). Daten erlauben zudem die Überprüfung der

7 Handbook for national quality policy and strategy, S. 45, 6. Improvement methods and interventions “Therefore, it is important to understand that this is an iterative and evolving process requiring ongoing assessment of what interventions and levers are working to improve health outcomes while identifying those that do not have positive results or that may even be causing untoward and unintended consequences.” Fundstellen für Deming-Cycle (PDCA-Zyklus): https://deming.org/explore/p-d-s-a und https://en.wikipedia.org/wiki/PDCA