Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2009/75: Erlass der Verordnung über die Organisation von Einsätzen bei ABC- und Naturereignissen (ABCN-Einsatzverordnung, SR 520.17) · 18 Seiten

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Anhang 1: Dosis-Massnahmenkonzept (DMK)

Anlass für die Anpassungen im neuen Dosis-Massnahmenkonzept

Das bisherige Dosis-Massnahmenkonzept (DMK) basiert auf Grundlagen der ICRP-40 [ICRP 1984] aus den 80-er Jahren. In den 90er-Jahren hat die ICRP in der ICRP-60 [ICRP 1990] neue Grundlagenempfehlungen und in der ICRP 63 [ICRP 1990] neue Empfehlungen bezüglich Schutzmassnahmen im Ereignisfall herausgegeben. Im Nachgang dazu hat die IAEA 1996 die Basic Safety Standards [IAEA 1996] und die Basic Safety Guides [IAEA 1994] mit Eingreifkriterien für den Ereignisfall publiziert. Die meisten europäischen Länder haben die neuen Empfehlungen in der Zwischenzeit bei der Festlegung ihrer Eingreifschwellen unter Berücksichtigung von nationalen Gegebenheiten übernommen. Da aber vor allem die Empfehlungen der ICRP sehr offen formuliert wurden, werden heute in Europa für gleiche Massnahmen sehr unterschiedliche Eingreifschwellen verwendet. Zur Zeit versucht deshalb eine europäische Arbeitsgruppe (EPAL1) die allgemeinen internationalen Empfehlungen dahingehend zu konkretisieren, dass in Zukunft mindestens europaweit dieselben Eingreifwerte für dieselben Massnahmen verwendet werden.

2007 hat die ICRP in der ICRP 103 [ICRP 2007] wiederum neue grundlegende, allgemeine Empfehlungen zum Strahlenschutz herausgegeben. Diese bilden die Grundlage für weitere internationale Empfehlungen der ICRP und der IAEA, welche erst geplant oder in Entwurfsform (z.B. Entwürfe [ICRP 2008] oder [IAEA 2008]) vorliegen. Diese neuen Empfehlungen werden die bisherigen Grundlagen für den Ereignisfall mit neuen Aspekten ergänzen. Obwohl noch vieles im Fluss ist, ist eine Anpassung an die internationalen Grundlagen der 90er-Jahre im Rahmen der Revision der VEOR zur VEOABCN angebracht, auch wenn in wenigen Jahren allenfalls eine erneute Anpassung notwendig sein wird. Bei der Festlegung der massnahmenbezogenen Dosisschwellen wurden die heutigen internationalen Empfehlungen, die länderspezifisch festgelegten Eingreifwerte und die vorliegenden Entwürfe der EPAL-Arbeitsgruppe soweit wie möglich berücksichtigt. Grössere Abweichungen werden in diesen Erläuterungen kommentiert.

Zielsetzung des Dosis-Massnahmenkonzepts

Das DMK legt neu nicht nur die Dosisschwellen für Schutzmassnahmen für die Bevölkerung fest, sondern definiert auch vorsorgliche Massnahmen im Bereich Landwirtschaft.

Im Folgenden werden die Massnahmen in zwei Teilen behandelt. Im ersten Teil geht es um Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Im zweiten Teil werden die Massnahmen im Bereich Landwirtschaft erläutert.

Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung

Wechsel vom bisherigen Bandbreiten- zum Einschwellenprinzip

Basis für das bisherige DMK waren die Empfehlungen der ICRP 40 [ICRP 1984]. Dort wurden für jede Massnahme eine untere und eine obere Dosisschwelle festgelegt. Die nach Tschernobyl von der IAEA herausgegebenen neuen Empfehlungen basieren nicht mehr auf dem Dosisbandbreitenprinzip, welches im Ereignisfall einen gewissen Handlungsspielraum offen lässt, sondern auf fixen Eingreifschwellen. Gerade in der Akutphase, in der Entscheide

1 In der europäische Arbeitsgruppe EPAL (Emergency Preparedness and action levels) sind 13 Länder (inklusive die Schweiz) vertreten. 9/18 Ident.-Nr./Vers. 10011887987/01 MS ID/Vers. 10001/02 Aktenzeichen 475.3-02/05