Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2018/87: Aufhebung der Industriezölle · 17 Seiten

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den tieferen Produktionskosten resultiert daraus eine Steigerung der Produktivität, was sich wiederum positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auswirkt. Als Folge nehmen auch die Exporte zu. Insgesamt resultieren ein höheres BIP sowie höhere Einkommen.

Die beschriebenen Effekte auf die Importe (+0.5%), Exporte (+0.4%), das BIP (+0.1%) und die Produktivität (BIP pro Kopf ~+0.1%) hat das Forschungsinstitut Ecoplan28 anhand einer Modellsimulation für die Schweiz berechnet. Für das aggregierte Konsumentenpreisniveau (inkl. Dienstleistungen) wird ein Rückgang von -0.1% geschätzt. Hochgerechnet anhand der nominellen Konsumausgaben der privaten Haushalte 2016 würde dieser Preisrückgang zu Einsparungen von CHF 350 Mio. führen. Eine Studie von Sidley Austin29 hat auch die Auswirkungen auf die Exporte und die Produktivität für den Zollabbau der Länder Kanada, Norwegen und Neuseeland aufgezeigt. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung in diesen Ländern konnte nicht quantifiziert werden, obwohl die Analyse auf positive Spillover-Effekten für den Arbeitsmarkt hinweist.

Schliesslich ist auch von einer höheren Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz auszugehen. Tiefere Regulierungs- und Handelskosten, integrierte Märkte und Rechtssicherheit zählen heute zu den wichtigen Standortfaktoren. Effekte auf diese Faktoren können jedoch nicht quantifiziert werden.

4.2.4 Auswirkungen der Vereinfachung der Zolltarifstruktur

Mit einer schlankeren Zolltarifstruktur ist die korrekte Tarifeinreihung ihrer Produkte für die Unternehmen künftig einfacher, was den administrativen Aufwand der Produkteklassifizierung, Katalogführung und der Zollveranlagung senkt. Insbesondere für KMU stellt die korrekte Tarifeinreihung ihrer Produkte heute häufig eine Herausforderung dar. Durch die Vereinfachung der Zolltarifstruktur wird es für KMU künftig einfacher sein, ihre Zollanmeldungen ohne die Hilfe von Zolldienstleistern auszufüllen. Eine vereinfachte Tarifeinreihung senkt auch das Risiko, dass Unternehmen ihre Importe falsch veranlagen und aufgrund falscher Angaben die Zollanmeldung korrigieren oder Bussen bezahlen müssen.

Durch die Vereinfachung der Zolltarifstruktur entsteht der Wirtschaft ein einmaliger Umstellungsaufwand, weil die geänderten Stammdaten der EZV in den firmeneigenen Produktelisten übernommen werden müssen. Da die Vereinfachung der Zolltarifstruktur aber zeitgleich mit der HS-Revision 2022 sowie der Einführung der DaziT-Stammdaten vorgenommen werden soll, ist mit einem vertretbaren Mehraufwand zu rechnen. Da die Detaillierung der Aussenhandelsstatistik durch die Vereinfachung abnehmen wird, können Unternehmen für die Erhebung dieser fehlenden Informationen zwecks z.B. Marktforschung zusätzliche Kosten entstehen.

Wenngleich eine Vereinfachung der Zolltarifstruktur für die Unternehmen kurzfristig einen Mehraufwand bedeutet, dürfte dieser durch die längerfristigen Einsparungen durch die verminderte Komplexität bei der Tarifeinreihung kompensiert werden.

28 Ecoplan (2017): Volkswirtschaftliche Auswirkungen unilateraler Importerleichterungen der Schweiz – Analyse mit einem Mehrländer-Gleichgewichtsmodell. Im Auftrag des SECO. Bern: SECO.

29 Sidley Austin (2017): The potentials and economic impact of the unilateral easing of import restrictions by Switzerland - Gathering quantitative and qualitative evidence on other countries’ experience with unilateral tariff liberalization. Studie im Auftrag des SECO. Bern: SECO.