Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2025/95: Anlage von Freizügigkeitsgeldern der Auffangeinrichtung (Änderung des BVG) · 20 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 7Fedlex · Erläuternder Bericht
der entgegenzunehmen. Gemäss geltendem Recht ist der Nominalwert auf Freizügigkeitskonten garantiert. Wenn der risikolose Zinssatz negativ ist, muss ein Kostenträger daher die Differenz zwischen Nominalwert und Negativverzinsung übernehmen. Die Negativzinsphase dauerte bis Mitte 2022. Ab Juni 2022 erhöhte die Schweizerische Nationalbank SNB aufgrund der angestiegenen Inflation den Zinssatz von -0.75 Prozent auf 1,75 Prozent im Juni 2023. Seit März 2024 hat die SNB den Leitzins von 1.75 Prozent auf gegenwärtig 0 Prozent gesenkt. Die Verzinsung der zweijährigen Bundesobligationen liegt dadurch per Ende November 2025 bereits wieder bei minus 0,13 Prozent.
Fallen die kurzfristigen Zinsen am Geldmarkt unter 0 Prozent, können sich die Banken günstiger am Geldmarkt refinanzieren, als dies durch Spargelder, Freizügigkeitsgelder oder Säule-3a-Gelder möglich ist, da letztere Gelder üblicherweise nicht negativ verzinst werden.
Die sinkende Attraktivität von Freizügigkeitskonten seit 2015 spiegelt sich in der stagnierenden Summe von Freizügigkeitsguthaben bei Banken, während bei der Auffangeinrichtung die Summe der entsprechenden Gelder stark gewachsen ist. Der Auffangeinrichtung sind 2023 1,36 Milliarden und 2024 1,63 Milliarden Franken Freizügigkeitsgelder zugeflossen. Auch in den Vorjahren war der Zufluss bedeutend. Zwischen 2015 und 2022 ist die Summe der Freizügigkeitsgelder bei der Auffangeinrichtung von rund 8,1 auf rund 15,2 Milliarden Franken gestiegen, während sie bei den Banken gesunken ist. Freizügigkeitseinrichtungen können Gelder zudem ablehnen oder aber nur das Wertschriftensparen anbieten. Neben der sinkenden Attraktivität des Zinsdifferenzgeschäftes in einer Tiefzinsphase ist das Wertschriftensparen der zweite Grund für die tendenziell abnehmenden Beträge auf den Freizügigkeitskonti der Freizügigkeitseinrichtungen von Banken. Das Wertschriftensparen weist gute Margen auf, dies ist auch während Tiefzinsphasen der Fall. Die Anbieter der Wertschriftenlösungen erheben für sie vergleichsweise attraktive Gebühren, während der Kunde oder die Kundin das Anlagerisiko trägt.
Das Wachstum im Bereich der Freizügigkeitskonten (in Form der reinen Sparlösung) fand demnach fast ausschliesslich bei der Auffangeinrichtung statt. Die Auffangeinrichtung kann auch nicht einfach Wertschriftenlösungen anbieten, weil viele Konten kontaktlos sind. Die ausdrückliche Zustimmung des Versicherten und die Risikoaufklärung ist nämlich Voraussetzung für eine Wertschriftenlösung. Auch weisen viele Konten nur geringe Saldi auf, was Wertschriftenlösungen auch für den Anbieter tendenziell unattraktiver macht. Gerade auch bei arbeitslos gewordenen Personen fehlt zudem die Risikofähigkeit für das Eingehen von Anlagerisiken.
Obwohl die Leitzinsen der SNB ab Mitte 2022 wieder stiegen und bis Mai 2025 positiv blieben, nahmen die Freizügigkeitsgelder bei der Auffangeinrichtung weiterhin zu. Die hohe Zunahme in den Jahren 2023 und 2024 hatte zwei Gründe. Einerseits stiegen die Zinsen der Konten von Freizügigkeitseinrichtungen nur wenig4. Die Geldmarktsätze
4 finpension.ch > Wissen > Vorsorge > Freizügigkeitskonto: Zinsen und Gebühren im Vergleich