Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2026/71: Agrarpolitik 2030+ · 130 Seiten

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Sie ist zudem abgestimmt auf die Aussenwirtschaftsstrategie des Eidg. Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und die Schweizer Ernährungsstrategie (EDI). Die Beratende Kommission für Landwirtschaft und eine vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eingesetzte, breit abgestützte Begleitgruppe haben den Prozess zur Erarbeitung der Vorlage begleitet.

1.3 Internationale Rahmenbedingungen

Bevölkerung, Agrarmärkte, natürliche Ressourcen und technologische Entwicklung

Global wachsen die Bevölkerung und die Wirtschaft weiter. Parallel dazu steigt auch die Nachfrage nach Lebensmitteln. Es wird zwar davon ausgegangen, dass bis 2034 am Weltmarkt das Angebot mit der Nachfrage insgesamt Schritt halten kann und die realen Preise gegenüber heute sogar leicht sinken. In der diesbezüglichen Analyse von OECD und FAO wird allerdings darauf hingewiesen, dass Investitionen in Biotechnologie, Mechanisierung und Präzisionslandwirtschaft zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität von grundlegender Bedeutung sind, um den prognostizierten Rückgang der realen Agrarrohstoffpreise zu erreichen.3 Neben extremen Witterungsereignissen können auch Krisen und Kriege jedoch jederzeit zu beträchtlichen Abweichungen von diesem längerfristigen Trend führen - dies nicht nur an den Märkten für Landwirtschaftsprodukte, sondern auch an jenen für Vorleistungen wie fossile Brenn- und Treibstoffe oder Mineraldünger. Zunehmende geopolitische Spannungen, eine damit im Zusammenhang stehende Tendenz zur regionalen Blockbildung sowie wachsender Protektionismus dürften die Resilienz der globalen Wertschöpfungsketten schwächen. Die für die Produktion von Nahrungsmitteln notwendigen natürlichen Ressourcen sind bereits heute stark beansprucht. Der Druck wird aufgrund steigender Nutzungsansprüche und des Klimawandels weiter zunehmen, insbesondere in den Bereichen Boden, Wasser und Biodiversität. Je stärker der Klimawandel sein wird, desto mehr werden sich Extremwetterereignisse häufen. Das wird sich nicht nur lokal auf die Inlandproduktion auswirken, sondern kann auch einen Einfluss auf die Versorgung mit importierten Lebensmitteln und Vorleistungen haben. Der technologische Fortschritt wird weiterhin die Effizienz auf allen Stufen der Wertschöpfungskette verbessern und neue Produkte hervorbringen. Inwiefern sich neue Technologien und Produkte durchsetzen ist abhängig von deren Wirtschaftlichkeit, den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der Akzeptanz von Gesellschaft und Konsumentinnen und Konsumenten.

UN-Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung

Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals SDG) wurde 2015 von 193 Ländern der Vereinten Nationen verabschiedet. Sie hat universelle Geltung und ist damit auch für die Schweiz massgebend. Die Agrarpolitik des Bundes ist Bestandteil der nationalen Anstrengungen zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030. In der Ausgestaltung der AP30+ sind diese Ziele zu berücksichtigen.

Das zweite Nachhaltigkeitsziel (SDG 2) betrifft explizit die Transformation hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen. Es umfasst Unterziele zum Beenden von Hunger und Fehlernährung und zur Gewährleistung von Ernährungssicherheit und verbesserter Ernährung, zur Förderung der Produktivität, zur Sicherstellung nachhaltiger Nahrungsmittelproduktionssysteme und zum Erhalt der landwirtschaftlichen Artenvielfalt. Aber auch weitere Nachhaltigkeitsziele haben einen starken Bezug zu Ernährungssystemen, wie z. B. SDG 1 (Keine Armut), SDG 12 (Verantwortungsvoller Konsum und Produktion) und SDG 15 (Leben an Land).

WTO

Letztmals wurden mit der Abschaffung der Exportsubventionen an der 10. WTO-Ministerkonferenz in Nairobi 2015 einschneidende landwirtschaftsrelevante Änderungen beschlossen. Die 14. WTO-Ministerkonferenz (MC14) fand Ende März 2026 in Kamerun statt. Es konnte kein Landwirtschaftsbeschluss verabschiedet werden. Eine Gruppe von Mitgliedern, darunter die Schweiz, verabschiedete jedoch eine Erklärung zur Etablierung eines Dialogs über neue Themen im Agrarhandel, um den Austausch zu Fragen an der Schnittstelle von Landwirtschaft, Handel, Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit zu fördern. Gerade in einer handelspolitischen herausfordernden Zeit hat die Schweiz als kleines

3 OECD/FAO (2025), OECD-FAO Agricultural Outlook 2025-2034, Paris and Rome, https://doi.org/10.1787/601276cd-en.