Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2026/71: Agrarpolitik 2030+ · 130 Seiten

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OECD-Studie zum Schweizer Ernährungs- und Landwirtschaftssystem und zu den entspre-

chenden öffentlichen Politiken

Die Schweiz hat die OECD mit der Durchführung einer externen Studie5 ihres Ernährungs- und Landwirtschaftssystems und der entsprechenden öffentlichen Politiken beauftragt. Diese Analyse bietet einen internationalen Vergleich und eine gesamtheitliche Betrachtung des Schweizer Ernährungssystems, was für die Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungspolitik von Nutzen ist.

Die OECD kommt zum Schluss, dass die Schweiz über solide Voraussetzungen verfügt, um ihr Ernährungssystem weiterzuentwickeln, insbesondere durch anerkannte wissenschaftliche Kapazitäten, Instrumente zur Überwachung und Evaluation öffentlicher Politiken sowie strukturierte Abstimmungsprozesse unter Einbezug der verschiedenen Akteure des Ernährungssystems. Weiter hebt die OECD hervor, dass sich die Schweiz auf einen ganzheitlicheren Ansatz in Bezug auf das Ernährungssystem zuwendet, der sämtlichen Akteuren und Wechselbeziehungen entlang der Wertschöpfungskette, von der Produktion bis zum Konsum, Rechnung trägt.

Gleichzeitig zeigt die Studie mehrere Spannungsfelder auf. In der Agrar- und Ernährungspolitik gilt es bisweilen widersprüchliche Ziele miteinander zu vereinbaren, etwa Einkommenssicherung, Versorgungssicherheit und Umweltschutz. Dies kann die Kohärenz der öffentlichen Politiken schmälern. Das hohe Mass an staatlicher Unterstützung und Schutz des Marktes trägt zu hohen Lebensmittelpreisen bei und könnte die Anpassung von Politiken und Verfahren an Nachhaltigkeitsziele, einschliesslich Umweltziele, erschweren. Eine Diskrepanz zwischen Zielen und erzielten Ergebnissen besteht insbesondere im Bereich Umwelt, vor allem im Zusammenhang mit Nährstoffüberschüssen (Stickstoff, Phosphor) und Luftemissionen (speziell Ammoniak). Trotz erzielter Fortschritte bleibt auch die Qualität der Biodiversität unzureichend.

So ist der in der Schweiz eingeleitete Wandel zwar ein erster Schritt hin zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem, bedarf aber gezielter Anpassungen. Dazu gehören insbesondere eine bessere Kohärenz der einzelnen Instrumente mit den Umwelt- und Ernährungszielen, die Neuausrichtung bestimmter Unterstützungen, die verstärkte Transparenz der Agrar- und Lebensmittelmärkte sowie die Förderung nachhaltigerer Produktions- und Konsumsysteme. Ebenso umfasst dies die Entwicklung eines inklusiveren Agrarsektors, indem insbesondere die Rolle von Frauen in Leitungspositionen gestärkt und der Generationenwechsel erleichtert werden. Zuletzt betont der Bericht, wie wichtig es ist, Innovationen zu unterstützen, die Koordination und die Teilhabe der Akteure zu stärken und die weiterhin bestehenden Defizite im Umweltbereich und bei der Lebensmittelverschwendung zu verringern.

1.4 Vision und langfristige Strategie 2050

Der Bundesrat hat 2022 in seinem Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik die Vision «Ernährungssicherheit durch Nachhaltigkeit von der Produktion bis zum Konsum» und ein Zukunftsbild 2050 für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft formuliert. Dieses stellt eine ambitionierte Zielsetzung im Zeithorizont einer Generation dar. Kerninhalte des Zukunftsbildes 2050 sind:

− Die Inlandproduktion orientiert sich an der Nachfrage und trägt mit einem diversifizierten Produkti-

onsportfolio netto zu mehr als der Hälfte zur Versorgung bei;

− Die Landwirtschaft zeichnet sich durch eine hohe Wertschöpfung pro Arbeitskraft aus. Die Arbeits-

produktivität steigt gegenüber 2020 um 50 Prozent;

− Die Treibhausgasemissionen der Produktion liegen mindestens 40 Prozent unter dem Niveau von

1990.

− Die Nährstoffflüsse sind weitgehend optimiert. Verluste in Luft und Wasser überschreiten die öko-

logische Tragfähigkeit nicht;

− Die Lebensmittelverluste von der Produktion bis zum Endkonsum werden gegenüber 2020 um drei

Viertel reduziert;

− Die Bevölkerung ernährt sich gesund, ausgewogen und nachhaltig. Als Referenz dienen die Emp-

fehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide;

5 OCDE (2026), Policies for the Future of Farming and Food in Switzerland, Paris.