Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2012/13: Erhöhung der Beiträge für die Durchführung der eidgenössischen Prüfungen - Änderung von Artikel 65 der Berufsbildungsverordnung · 17 Seiten
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1 Höhere Berufsbildung – ein vielfältiges System
Mit der höheren Berufsbildung verfügt die Schweiz über ein einmaliges Instrument der beruflichen Weiterqualifizierung. Besonders die eidgenössischen Berufsprüfungen mit Fachausweis und die eidgenössischen höheren Fachprüfungen mit Diplom stellen eine weitergehende Qualifizierungsmöglichkeit für Berufsleute dar, die ganz am Arbeitsmarkt orientiert ist und die flexibel auf Änderungen der Arbeitswelt eingeht.
In einer Zeit ständig wachsender Anforderungen ermöglicht die höhere Berufsbildung vertiefte und erweiterte Qualifikationen, ohne dass – wie international üblich – der Hochschulbereich belastet werden müsste. Die höhere Berufsbildung zählt zusammen mit den Hochschulen zur tertiären Bildungsstufe. Im Unterschied zum Hochschulbereich setzt sie jedoch keine Maturität voraus, sondern einschlägige berufliche Qualifikationen und mehrjährige Praxiserfahrung.
1.1 Starke Stellung der höheren Berufsbildung
Die Schweizer Wirtschaft beschäftigt gleichviele Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung (eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen, Bildungsgänge der höheren Fachschulen) wie Hochschulabsolventinnen und -absolventen (Fachhochschulen, Universitäten und ETH):
3 Abgeschlossene Ausbildungen auf Tertiärstufe
Der Bedarf an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Tertiärabschluss variiert nach Wirtschaftszweigen: Die Landwirtschaft, das Bau- und Reparaturgewerbe, der Handel und das Gastgewerbe weisen einen vergleichsweise tiefen Anteil auf. Ferner ist in diesen Wirtschaftszweigen die höhere Berufsbildung verbreiteter als die Hochschulbildung. In den meisten übrigen Wirtschaftszweigen inklusive Gesundheit und Soziales sind die Anteile von Hochschulabschlüssen und höherer Berufsbildung mehr oder weniger ausgeglichen.
Bildungsrendite
Ein entscheidender Indikator für Kosten und Nutzen einer Bildung ist nicht die absolute Höhe des Einkommens, sondern die Bildungsrendite, d.h. das über die ganze Lebensspanne erzielte Einkommen im Verhältnis zu den Ausbildungskosten. Hier weist die höhere Berufsbildung Bestwerte auf: Ihre private Bildungsrendite liegt zwischen derjenigen der Fachhochschulen und der Universitäten. Die überdurchschnittliche fiskalische Bildungsrendite geht darauf zurück, dass die höhere Berufsbildung zu einem erheblichen Teil durch die Studierenden selber bzw. die sie unterstützenden Arbeitgeber finanziert wird. Der Staat generiert deutlich höhere Steuereinkommen durch Personen mit einem Abschluss der höheren Berufsbildung, ohne vergleichsweise grosse Kosten für deren Ausbildung zu übernehmen.
3 Bundesamt für Statistik (2009). Personen mit einem Abschluss der höheren Berufsbildung auf dem Arbeitsmarkt. Beruht auf den Daten der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung SAKE 2008.