Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2009/27: Verordnung zum Schutz vor Passivrauchen (Passivrauchschutzverordnung, PRSV) · 16 Seiten

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Passivrauchens. Dies sind mehr Opfer, als durch Gewaltakte, Aids oder illegale Drogen verursacht werden.

Der Bericht des Bundesrats vom 10. März 2006, der sich auf die heute gültigen Erkenntnisse abstützt, bezeichnet die Exposition der Bevölkerung gegenüber dem Passivrauchen als ein bedeutendes Gesundheitsrisiko, dessen effiziente Prävention nötig ist.

Eine europäische Studie schätzt, dass in der Schweiz etwa 1’000 Personen frühzeitig an den Folgen des Passivrauchens sterben, davon betroffen sind 260 Nichtrauchende. Einschränkungen des Rauchens in öffentlichen und privaten Räumen reduzieren nicht nur die Exposition gegenüber Passivrauch, sie reduzieren auch den Anteil Rauchende um 5 bis 15 Prozent und den durchschnittlichen Zigarettenkonsum bei Rauchenden.21 Vollständige Rauchverbote am Arbeitsplatz verringern die Raucherprävalenz um 3,8 Prozent und die Raucherintensität bei Rauchenden um 3 Zigaretten pro Tag.22

In Innenräumen, in denen geraucht wird, ist Tabakrauch die Hauptursache von Luftverschmutzung. In der Schweiz durchgeführte Feinstaubmessungen im Jahr 2008 in Gastronomiebetrieben zeigten, dass die Feinstaubbelastung in Raucherlokalen deutlich höher ist als in Nichtraucherlokalen (194,4 μg/m3 Feinstaub gegenüber 24,7 μg/m3). In Bars, in denen geraucht wird, war der Wert mit 445 μg/m3 deutlich über dem Durchschnitt aller Raucherlokale.23

3.4. Kosten für die Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Folgen des Passivrauchens sind beachtlich. Spezifisch für die Schweiz liegen hierzu keine wissenschaftlichen Studien vor. Ausländische Studien beziffern die wirtschaftlichen Folgen infolge von Gesundheitskosten und Einkommensverlusten bei Nichtrauchenden jedoch auf 10 Prozent der Kosten des aktiven Rauchens.24 Umgerechnet auf die Schweiz wären dies rund 500 Millionen Franken pro Jahr.

Zu den wirtschaftlichen Folgen des Rauchverbots wurden mehr als 100 Studien publiziert, welche die Situation in den USA, insbesondere in New York, Kanada, Australien, Neuseeland, Irland und Norwegen untersuchen. In New York und Norwegen brachte das Rauchverbot positive Umsatzzahlen mit sich, negative Umsatzentwicklungen, wie sie in Irland oder Deutschland und teilweise im Tessin der Fall waren, traten schon vor der Einführung der Rauchverbote auf. Das Rauchverbot hatte keine direkten Einflüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gastronomiebetriebe. Für die Gastronomiebranche zeigen die bekannten Studien und Erfahrungen mit dem Rauchverbot am Arbeitsplatz eher einen positiven Trend, da die wirtschaftlichen Folgen für Restaurants und Bars in keinem der untersuchten Länder als bedeutend bezeichnet werden können und sogar leicht positiv sind.

Für die Schweiz liegen keine verlässlichen, d.h. unabhängigen oder objektiven Zahlen vor, welche die Umsatzentwicklung von Gastronomiebetrieben nach Einführung eines Rauchverbots aufzeigen. Eine Studie der Università della Svizzera italiana zum Thema Umsatzentwicklung bei Gastronomiebetrieben25 zeigt die Schwierigkeit auf, verlässliche Interpretationen aus den Ergebnissen zu gewinnen. In drei Wellen wurden im Kanton Tessin Restaurant- und Barbesitzer sowie Mitarbeitende einen Monat vor, ein halbes Jahr nach sowie ein Jahr nach Einführung des Rauchverbots befragt. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Befragten ihre Einnahmen tendenziell unterschätzen.

21 Lifting the smokescreen: 10 reasons for a smoke free Europe. Brussels, ERSJ Ltd, 2006.

22 Fichtenberg CM et al. (2002). Effect of smoke-free workplaces on smoking behaviour: systematic review. In: BMJ, 325, 188-194.

23 Lungenliga Schweiz (2008). Feinstaubbelastungen in Schweizer Gastronomiebetrieben. In: Information der Lungenliga, Mai 2008.

24 Adams K et al. (1999). The Costs of Environmental Tobacco Smoke: An International Review. Geneva: WHO.

25 Schulz PJ et al. (2007). Rauchverbot in öffentlichen Räumen – Monitoring im Tessin. Schlussbericht über die Befragungswellen 1-3 sowie die Inhaltsanalyse für die Zeit bis zum Referendum. Lugano: Università della Svizzera italiana.