Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2025/21: Verordnung über die intensive Frühintervention bei Autismus-Spektrum-Störungen (IFIAV) · 18 Seiten
Fedlex · Erläuternder Bericht · Seite 5Fedlex · Erläuternder Bericht
Art. 5 Interventionsmethode
Mit den Anforderungen an die Interventionsmethode soll ebenfalls die Qualität der IFI sichergestellt werden. Diese Anforderungen galten bereits für die am Pilotversuch be- teiligten Organisationen und haben sich als angemessen erwiesen, mit Ausnahme der Einbeziehung der Inhaberinnen und Inhaber der elterlichen Sorge. Deren Einbe- zug ist zwar wünschenswert, aber nicht immer möglich, weshalb die betreffende Be- stimmung relativiert wurde (siehe weiter unten, Bst. e).
Die IFI muss zunächst auf einer Methode beruhen, deren Wirksamkeit wissenschaft- lich anerkannt ist (Bst. a), gemäss dem Grundsatz, dass nur Massnahmen, deren Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen ist, von der IV über- nommen werden (Art. 14 Abs. 2 IVG). Derzeit bestätigen wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Methoden ESDM (Early Start Denver Model), ABA (Applied Be- havior Analysis) und Mifne5.
Um die geforderte Wirksamkeit der von der IV übernommenen Massnahmen zu erfül- len, muss die Methode ausserdem auf das Verhalten oder die Entwicklung des Kin- des ausgerichtet sein oder die beiden Ansätze kombinieren (Bst. b), die gemäss Fachliteratur dem Behandlungsstandard entsprechen.6
Weiter muss die Intervention einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen (Bst. c), das heisst, sowohl auf Spiel- und Verhaltenskompetenzen abzielende Module umfassen als auch die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten des Kindes fördern. Es darf sich nicht um fokussierte Programme handeln, die auf nur einen Aspekt (z. B. die Kommunikation) ausgerichtet sind.
Die intensive Frühintervention besteht zu einem Teil aus Einzelarbeit mit dem Kind. Jedoch gehört es auch zu den Zielen, das Kind auf den Schuleintritt vorzubereiten. Deshalb ist es erforderlich, Zeiten in kleinen Kindergruppen vorzusehen, um die sozi- alen Fähigkeiten des Kindes zu stärken und es an das Leben in der Gemeinschaft zu gewöhnen (Bst. d). Der Anteil an Arbeit im Einzel- oder im Gruppensetting variiert stark je nach Entwicklung und Bedürfnissen des Kindes.
Mit der IFI sollen überdies die Kompetenzen der Inhaberinnen und Inhaber der elterli- chen Sorge gestärkt werden, weshalb diese in der Regel soweit möglich in die Inter- vention einbezogen werden (Bst. e). Je nach angewandter Methode der Organisation
5 Christian Liesen, Beate Krieger, Heidrun Becker (2018), Evaluation der Wirksamkeit der intensiven Frühinterventionsmethoden bei frühkindlichem Autismus, Bericht im Rahmen des dritten mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung (FoP3-IV), Forschungsbericht Nr. 9/18, Bern, März 2018, S. 74: www.admin.ch > Dokumentation > Medienmitteilungen > Medienmitteilung vom 17. Oktober 2018 > Menschen mit Autismus sollen besser integriert werden > Links > Forschungsbericht «Evaluation der Wirksamkeit der intensiven Frühinterventionsmethoden bei frühkindlichem Autismus»
6 Ebd.