Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2017/71: 15.468 Pa.Iv. «Stärkung der Selbstverantwortung im KVG» · 21 Seiten

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Für die versicherte Person ist es umso schwieriger, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung im Voraus einzuschätzen, umso länger sie an eine Franchise gebunden ist. Angst vor Risiken, ein schlecht einschätzbarer Gesundheitszustand und knappe finanzielle Verhältnisse können die versicherte Person dazu bringen, aufgrund der längeren Franchisebindung eine tiefere Franchise abzuschliessen. Wechseln viele gesunde Versicherte in eine tiefere Franchise, ist eine leichte Senkung des gesamten Prämienniveaus vorstellbar. Das Verhalten der Versicherten hängt ebenfalls von den durch die Versicherer gewährten Prämienrabatten ab. Der Bundesrat schränkt die Prämienrabatte heute ein (Art. 90c, 95 KVV).

Die Ecoplan AG hat im Auftrag des BAG 2016 eine Studie zur „Franchisebindung. Eine empirische Untersuchung zur Akzeptanz bei den OKP-Versicherten" verfasst20. Die Befragten wurden hierzu mit der Situation konfrontiert, dass die Versicherer gleichzeitig Modelle mit einjähriger und mit dreijähriger Wahlfranchise anbieten und sie eine Angabe machen dürfen, ob sie in ein Modell mit dreijähriger Wahlfranchise wechseln würden. Zugleich wurden sie gefragt, wie hoch ein zusätzlicher Prämienrabatt ausfallen müsste, damit sie in dieses Modell wechseln würden.

Die Ergebnisse dieser Befragung sind mit folgendem Vorbehalt zu betrachten: Wenn sich der zusätzliche Rabatt an den durch die Franchisebindung eingesparten Kosten orientiert, dann fällt er – unter der Annahme von Kostenneutralität – vergleichsweise gering aus. Damit wäre der Rabatt für viele Versicherte nicht oder nur bedingt handlungsrelevant.

Befragt wurden Personen, die heute eine Wahlfranchise haben. Sie waren entweder einem Wechsel zu einer dreijährigen Wahlfranchise grundsätzlich abgeneigt oder erwarteten Rabatte, welche in dieser Höhe wohl unrealistisch sind21.

Im Gegensatz zur Ecoplan-Studie, die die bisherigen Wahlfranchisen den dreijährigen Wahlfranchisen gegenüberstellt, sieht die Vorlage der Kommission nur dreijährige Wahlfranchisen vor. Nur von der ordentlichen Franchise aus kann jedes Kalenderjahr eine Wahlfranchise gewählt werden. Aus der Studie kann deshalb kaum geschlossen werden, wie sich die Versicherten bei Annahme der Vorlage verhalten werden.

Wenn die Versicherer die Prämie nicht dem höheren Risiko anpassen (können), die Prämienrabatte also gleich bleiben, tragen die Versicherten entweder ein höheres Risiko (Erkrankungswahrscheinlichkeit und maximale Mehrkosten) oder wählen eine tiefere Franchise mit entsprechend höheren Prämien. Damit werden einige gesunde Versicherte finanziell stärker belastet und leisten dadurch einen höheren Solidaritätsbeitrag.

20 Diese Studie wird nachfolgend zitiert als Studie Ecoplan (2017), vgl. dazu: www.bag.admin.ch > Themen > Versicherungen > Krankenversicherung > Laufende Revisionsprojekte > Änderung der KVV zu den Wahlfranchisen (abgerufen am 30. Juni 2017).

21 Vgl. Studie Ecoplan (2017), S. 16f.