Erläuternder Bericht
Vernehmlassung 2019/52: Änderung der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) und der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) · 22 Seiten
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Es wurden vielfältige Schnittstellen sowohl zwischen als auch innerhalb von Versorgungsberei-
chen resp. in spezifischen Tätigkeitsfeldern lokalisiert. Aufgrund von Stigmatisierung werden somatische Krankheiten von psychisch Erkrankten im Vergleich zu Patienten und Patientinnen ohne psychische Erkrankung weniger gut behandelt. Fremd- und Selbststigmatisierung erklären die hohe Dunkelziffer an nicht oder unterbehandelten Patienten und Patientinnen.
Fachpersonen somatischer und psychiatrischer Ausrichtung sowie Patienten und Patientinnen
weisen ein mangelhaftes Wissen und Bewusstsein dafür auf, dass Komorbidität sehr häufig vorkommt. Fachpersonen sind heute hochgradig spezialisiert und verfügen häufig über ein mangelhaftes interdisziplinäres Grundwissen und Kenntnisse bezüglich der ganzheitlichen medizinischen Versorgung. Entsprechend werden körperliche Krankheiten bei psychisch erkrankten Personen oft ungenügend erfasst und behandelt.
Hinsichtlich dem Versorgungssystem und Strukturen sind Modelle mit räumlich koordinierter
resp. institutionell integrierter psychisch-somatischer Versorgung unzureichend vorhanden und die Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten Angeboten wird als ungenügend eingeschätzt.
Die Intensivierung von interdisziplinärem Wissensaustausch ist nur eines von mehreren vorge-
schlagenen Handlungsfeldern.
Fazit zur heutigen Versorgungssituation
Das Ausmass von Unter- und Fehlversorgung in der Schweiz ist nicht zu beziffern, da:
Ungenügende Datenlage zu Prävalenz, Behandlungsbedarf und Inanspruchnahme
Sich nicht alle Patienten mit psychischen Erkrankungen durch Psychiater und Psychologen be-
handeln lassen wollen
Qualitative Informationen weisen auf wesentliche Problemfelder bezüglich der Unter- und Fehlversorgung hin:
Kinder-/Jugendliche: mangelnde Kapazitäten an geeigneten Institutionen sowie Fachärzten und
Fachärztinnen, keine sichere Aussage bezüglich Mangel an psychologischer Psychotherapie möglich
Erwachsene: Mangel an Fachpersonen und Angeboten, die in Krisen- und Notfall-Situationen
schnell erreichbar sind; gewisse Hinweise auf möglichen Mangel an psychiatrisch/psychologischer Versorgung in ländlichen Gebieten
Mangel an intermediären Angeboten mit interdisziplinären Teams, die auch soziale Betreuung
und alltagsorientierte Unterstützung anbieten
Die aktuelle Verteilung der Angebote in den Bereichen stationär, intermediär und ambulant
(Ärzte und Ärztinnen wie psychologische Psychotherapeuten und -therapeutinnen) entspricht nicht dem Bedarf. Einzelpraxen decken nicht die Bedürfnisse für die Behandlung und Betreuung der besonders unterversorgten Patientengruppen ab.
Finanzierungsprobleme für Koordinationsleistungen und von sozialen wie alltagsunterstützen-
den Angeboten erschweren den Aufbau von intermediären Angeboten, dies liegt jedoch ausserhalb des Geltungsbereiches des KVG
Die Versorgungssysteme aller Vergleichsländer des internationalen Vergleichs sind anders aufgebaut und verteilen die Arbeitslast auf mehr Berufsgruppen mit einer stärkeren Einbindung nichtärztlicher Fachkräfte in die psychische Gesundheitsversorgung. In der Schweiz sind insbesondere im ambulanten und intermediären Bereich interprofessionelle Teams noch kaum etabliert.