Erläuternder Bericht

Vernehmlassung 2019/52: Änderung der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) und der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) · 22 Seiten

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Die Zulassung der delegierten psychologischen Psychotherapie ist heute nicht geregelt. Grundsätzlich können im Delegationsmodell auch Personen Leistungen erbringen, die alleine der Überwachung durch die delegierenden Ärzte unterstehen, ohne dass sie die Anforderungen des PsyG erfüllen. Gemäss der Regelung zur Spartenanerkennung im Rahmen des TARMED müssen auch die delegiert arbeitenden Psychotherapeuten und -therapeutinnen Anforderungen erfüllen, die dem Besitz eines eidgenössischen Weiterbildungstitels weitgehend äquivalent sind1. Personen mit ausländischer Weiterbildung benötigen die Anerkennung durch die Psychologieberufekommission (PsyKo).

Daneben wird die delegierte Tätigkeit auch in gewissen Kantonen geregelt und eine kantonale Bewilligung benötigt2.

1.3 Versorgungssituation psychisch erkrankter Personen Epidemiologie

Psychische Störungen zählen weltweit zu den häufigsten und am meisten einschränkenden Krankheiten. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen und die Suchterkrankungen. Für diese stellt insbesondere die Psychotherapie eine anerkannte und wissenschaftlich unbestrittene Therapieform dar, die zudem den Gebrauch von Medikamenten einsparen kann.

Die Bandbreite der in den Studien resultierenden 12-Monats-Prävalenz von mindestens einer psychischen Störung liegt zwischen rund 10 und 30 Prozent. Von den Prävalenzraten zu unterscheiden ist die Anzahl Personen, die tatsächlich einer professionellen Behandlung bedürfen. Es existieren keine einheitlich akzeptierten Kriterien oder «Klassifikationssysteme» bezüglich Behandlungsbedarf. In Studien wird von Anteilen zwischen rund 25 und 60 Prozent erkrankter Personen mit Behandlungsbedarf ausgegangen. Hier spielen Faktoren wie Schweregrad, funktionelle Beeinträchtigung, Komorbiditäten oder Dauer einer Erkrankung eine Rolle.

Angebot

Im Vergleich zum europäischen Ausland verfügt die Schweiz über eine hohe Dichte an Psychiatern3 und Psychologischen Psychotherapeuten und -therapeutinnen. Sie verfügt jedoch gegenüber anderen europäischen Ländern über weniger Psychiatriepflege.4 Strukturell unterscheiden sich die Angebote und Aufgabenteilungen in den einzelnen Ländern grundlegend.5

Gemäss FMH-Ärztestatistik betrug die Zunahme der Träger des Facharzttitels Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Trägern des Facharzttitels Psychiatrie und Psychotherapie von 2012 (640 / 3212) bis 2017 (745 / 3745) bei beiden Gruppen sowie insgesamt 16%. Das Total der jährlich erteilten und anerkannten Weiterbildungstitel ist in den letzten Jahren konstant geblieben, jedoch bei einer Abnahme der Eidg. Titel und steigendem Anteil der Anerkennung ausländischer Diplome (aktuell bei 50%).

Gemäss FMH-Ärztestatistik hatten im 2012 432 und im 2017 461 einen Fähigkeitsausweis Delegierte Psychotherapie (Zunahme von 6.7%).

Über die Entwicklung der Anzahl Psychologischer Psychotherapeuten und -therapeutinnen ist mangels vergleichbaren Datengrundlagen keine verlässliche Aussage möglich. Gemäss der Strukturerhebung zur psychologischen Psychotherapie in der Schweiz 2012 waren 5733 Personen in der Patientenversorgung tätig. Im 2018 verfügen 5961 Personen über einen Weiterbildungstitel in psychologischer Psychotherapie, wobei nicht bekannt ist, wie viele davon in der Patientenversorgung tätig sind.

Inanspruchnahme

1 http://www.sgdp.ch/de, Rubrik Delegierte Psychotherapie / Spartenanerkennung / Spartenkonzept_d_V_2_7_def.pdf: siehe Beilage G Ziffer 3

2 http://www.gedap.ch/c050012/gedap/webx.nsf/0/B3FA2514793BF3BDC1257F7400765F24/$file/kant-reg-kurz- 06-15.pdf

3 OECD Forschungsbericht Nr. 12/13, Psychische Gesundheit und Beschäftigung: Schweiz, Bundesamt für Sozialversicherung, 2014

4 http://www.who.int/mental_health/evidence/atlas/profiles/en/

5 Studie im Auftrag des BAG: Jäggi Jolanda, Kilian Künzi, Nathal deWijn und Désirée Stocker (2017): Vergleich der Tätigkeiten von Psychiaterinnen und Psychiatern in der Schweiz und im Ausland, Bern: Bundesamt für Gesundheit