Erläuternder Bericht - ChemRRV (Pflanzenschutzmittel)

Vernehmlassung 2025/123: Verordnungspaket Umwelt Herbst 2026 · 16 Seiten

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• Bei Fliessgewässern, bei denen nach Artikel 41a Absatz 5 GSchV ausdrücklich auf

die Festlegung des Gewässerraums verzichtet wurde: ab der Uferlinie

• Alle anderen Fliessgewässer (d. h. jene mit übergangsrechtlichem

Gewässerraum): ab der Böschungsoberkante gemäss Pufferstreifenmerkblatt «Pufferstreifen richtig messen und bewirtschaften», KIP/PIOCH 2009

• Stehende Gewässer: ab der Böschungsoberkante gemäss Pufferstreifenmerkblatt

«Pufferstreifen richtig messen und bewirtschaften», KIP/PIOCH 2009

1.4 Japankäfer als Auslöser gemäss Motion Hegglin

In den vergangenen Jahren wurde eine deutliche Zunahme von Befällen von Quarantäneorganismen beobachtet. Eine begrenzte und lokale Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in einem bestimmten sensiblen Gebiet (ausser in Mooren von nationaler Bedeutung) kann als letzte Massnahme als notwendig erachtet werden, wenn zum Beispiel durch eine frühzeitige Tilgung eines Quarantäneorganismus später grössere Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen oder der lokalen Tier- und Pflanzenwelt und ein damit zu erwartender grösserer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verhindert werden kann. Ein aktuelles Beispiel ist der Japankäfer Popillia japonica. Dieser stellt eine erhebliche Gefährdung insbesondere für die Landwirtschaft, aber in geringerem Mass auch für die Umwelt dar. Während die Larven sich von Wurzeln von Gräsern ernähren, was zu Schäden an Wiesen und Rasenflächen bis zum Totalverlust führen kann, kann der Käfer über 400 verschiedene Pflanzenarten befallen und Frassschäden an Blättern, Blüten und Früchten von Nutzpflanzen wie Mais, Soja, Weinreben, Obstbäume und Zierpflanzen verursachen. Die Schäden an Kulturen können bis zum Totalausfall reichen und würden ohne Bekämpfung hunderte Millionen Franken ausmachen. In den USA beispielsweise werden jährlich 450 Millionen US-Dollar für die Bekämpfung ausgegeben6. Ohne Behandlung wurden Ernteverluste von bis zu 32,4 Prozent bei Mais7 und 20 Prozent bei Soja8 beobachtet. In Europa wurde der Japankäfer erstmals 2014 in Italien entdeckt, in der Schweiz erstmals 2017. Die geschätzten Ernteausfälle liegen je nach Kultur und Befallsgrad zwischen 1 und 50 Prozent9.

2 Grundzüge der Vorlage

Die vorgeschlagene Änderung der ChemRRV soll es den Kantonen ermöglichen, die Anwendung von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung von Quarantäneorganismen und potenziellen Quarantäneorganismen10 in den folgenden sensiblen Lebensräumen ausnahmsweise zu bewilligen:

6 USDA. Managing the Japanese beetle: a homeowner’s handbook. APHIS (2015) 81:25–003.

7 Steckel & Tindall (2013): Effects of Japanese Beetle (Coleoptera: Scarabaeidae) and Silk Clipping in Field Corn. Journal of Economic Entomology, Volume 106, Issue 5, 1 October 2013, Pages 2048–2054, https://doi.org/10.1603/EC13042

8 Gould George E (1963): Japanese Beetle Damage to Soybeans and Corn. Journal of Economic Entomology, Volume 56, Issue 6, 1 December 1963, Pages 776–781, https://doi.org/10.1093/jee/56.6.776

9 https://www.popillia.eu/about-the-japanese-beetle-popillia-japonica/the-economic-impact-of-the-japanese-beetle

10 Potenzielle Quarantäneorganismen sind besonders gefährliche Schadorganismen, bei denen noch abzuklären ist, ob sie die Kriterien eines Quarantäneorganismus erfüllen. Bis diese Abklärungen vorliegen, werden sie ähnlich wie Quarantäneorganismen behandelt.