Erläuternder Bericht - GSchV (Mo. Jauslin)

Vernehmlassung 2025/123: Verordnungspaket Umwelt Herbst 2026 · 17 Seiten

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In oberflächennahen unterirdischen Gewässern kann zusätzlich auch Kälte gespeichert und insbesondere für die Kühlung im Sommerhalbjahr verwendet werden. Auch in Erd- wärmesonden – d. h. bis in eine Tiefe von rund 500 m – kann eine erhebliche Wärme- menge von rund 30 bis 35 TWh gespeichert und so vom Sommer in den Winter trans- feriert werden.5 Durch saisonale Wärmespeicherung kann zusätzlich der Winterstrom- bedarf um 2 bis 3 TWh gesenkt werden.6 Dadurch wird auch die Stromversorgungssi- cherheit im Winter gestärkt.

1.2 Gewässerschützerische Ausgangslage

Der Untergrund und die unterirdischen Gewässer weisen nicht nur ein grosses Poten- zial für die Nutzung erneuerbarer Energie auf, sie sind auch die wichtigste Trinkwas- serressource der Schweiz, bilden einen noch wenig erforschten Lebensraum für Grundwassertiere (Grundwasserfauna) und beeinflussen oberirdische Lebensräume wie Fliessgewässer, Quellbiotope, Moore und Riedgebiete. Die Temperatur des Grund- wassers ist für die Trinkwassernutzung und den Schutz der wichtigen ökologischen Funktionen von entscheidender Bedeutung:

Trinkwasser: Die Wassertemperatur beeinflusst die Qualität des Trinkwassers. Erhöhte Wassertemperaturen fördern z. B. die Vermehrung von Keimen im Leitungsnetz, die Lösung von Schwermetallen, die Ausfällung von Karbonaten oder die Korrosion von Anlagen der Wasserversorgung (Pumpen, Leitungen usw.).

Grundwasserfauna: Die Temperatur des Grundwassers ist auch für die Grundwasser- fauna entscheidend. Für deren Gedeihen sollte die Temperatur des Grundwassers höchstens kleinräumig auf weniger als 5 °C abgekühlt oder auf mehr als 16 °C erwärmt werden. Die Grundwasserfauna spielt eine noch weitgehend unerforschte Rolle bei den Selbstreinigungsprozessen im Grundwasser, ebenso wie das Grundwassermikrobiom,

d. h. die Gemeinschaft der im Grundwasser lebenden Mikroorganismen. Auch das Mi- krobiom reagiert sensibel auf Temperaturveränderungen, wenn auch weniger stark als die Grundwasserfauna.

Beeinflussung oberirdischer Gewässer und Lebensräume: Viele Lebewesen in oberir- dischen Gewässern und Lebensräumen sind auf tiefe Wassertemperaturen angewie- sen. Insbesondere bei Hitzeperioden ist das kühle, in oberirdische Gewässer oder an- dere Lebensräume austretende Grundwasser für sie von grosser Bedeutung.

1.3 Bisherige Regelung – Nachteile und Handlungsbedarf

Die heutige Anforderung an die Temperatur des Grundwassers (Anh. 2 Ziff. 21 Abs. 3 GSchV) gilt für alle unterirdischen Gewässer. Sie ermöglicht keine Differenzierung zwi- schen unterschiedlich hohen Schutzbedürfnissen verschiedener unterirdischer Gewäs- ser. Damit stellt sie zwar einen umfassenden Schutz aller unterirdischer Gewässer vor

5 Jakob, Martin et al. 2020: Erneuerbare- und CO2-freie Wärmeversorgung Schweiz. S. 24. Abrufbar unter: https://aeesuisse.ch/wp-content/uploads/2021/08/AEE-SUISSE-WIS-Dekarbonisierung-Waermesektor-Ecoplan-TEP.pdf

6 Guidati, Gianfranco / Marcucci Adriana, 2023: Net-Zero Scenarios 2050. Focus topics: seasonal energy storage, negative emission technologies. SWEET Call 1-2021: DeCarbCH. Deliverable report D1.4.1. S. 56. Abrufbar unter: https://www.aramis.admin.ch/Default?DocumentID=72609&Load=true